Von der Angst vor der Kündigung: Ab wann kann ich gekündigt werden?

Angst vor Kündigung
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Gründe für die Angst vor der Kündigung

Im strengen Arbeitsleben haben heutzutage sogar die Azubis Angst vor einer Kündigung. Viele haben ein eigenes Auto, unterhalten eine eigene Wohnung und müssen schlicht und einfach allein klarkommen.

Da wäre es unheimlich schade, wenn man nach langer Zeit der Bemühung um einen geeigneten Ausbildungsplatz plötzlich „auf der Straße sitzen würde“.

Denn besonders, wenn man innerhalb des ersten Ausbildungsjahres gekündigt wird, hat man keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und kann sich tief in die Schulden stürzen, wenn alles schiefgeht.

Also lassen wir Azubis uns oft alles gefallen, erledigen ausbildungsfremde Aufgaben, überbeanspruchen uns und haben Angst davor, Fehler zu machen.

Im Folgenden erklären wir dir, wann du gekündigt werden kannst und versuchen dir, die Angst vor der Kündigung zu nehmen.

Wichtige Begriffe zum Thema Kündigung, die du kennen solltest

Abmahnung – eine schriftliche Verwarnung, ohne die du als Auszubildender in der Regel nicht gekündigt werden kannst. In einer Abmahnung wird ein bestimmter Vertragsverstoß genannt und davor gewarnt, dass bei Wiederholung eine Kündigung droht.

Verwarnung – milder als Abmahnung, wird oft „Ermahnung“ genannt. Die Warnfunktion bleibt aus.

Außerordentliche oder fristlose Kündigung – Kündigung aufgrund eines schlimmen Vergehens wie beispielsweise Verstoß gegen das Datengeheimnis oder Tätigkeit.

Ordentliche Kündigung – im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses nur von dir als Azubi möglich. Kündigung in einer Frist aus gesetzlich vorbestimmtem Grund.

Kündigungsfrist – bei der ordentlichen Kündigung durch Azubi vier Wochen. Innerhalb dieser vier Wochen müssen du und dein Ausbilder / Chef allen Vertragsgegenständen (wie z.B. Gehaltszahlungen) gerecht werden.

Kündigungsschutz – Auszubildende, Schwangere und Schwerbehinderte unterliegen einem besonderen Kündigungsschutz. Sie können in der Regel nicht gekündigt werden.

Kündigung in der Probezeit

Prinzipiell gilt für Auszubildende ein besonderer Kündigungsschutz. Du kannst nicht von deinem Ausbilder „einfach so“ rausgeschmissen werden.

Allerdings gibt es hier eine Ausnahme: Während der Probezeit kann dein Ausbildungsvertrag gemäß § 22 Abs. (1) BBiG allerdings jederzeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden.

Wenn es dir in deiner neuen Ausbildungskanzlei also nicht gefällt, kannst du schnell kündigen und von heute auf morgen verschwinden. Andersherum kann es auch dir passieren: Wenn du nicht zu den Kollegen passt oder nicht für die Ausbildung geeignet zu sein scheinst, kannst du ebenfalls „über Nacht“ gekündigt werden.

Das ist besonders schlimm, wenn du eine eigene Wohnung während der Ausbildung hast, denn während der Probezeit kannst du plötzlich gekündigt werden und musst von heute auf morgen sofort einen neuen Job haben, um die Miete zahlen zu können.

Oder du gehörst du den glücklichen Leuten, die genug Geld für eine oder mehrere Monatsmieten auf der hohen Kante haben – dann musst du nicht jeden Job, so schlimm er auch ist, annehmen, um dich über Wasser zu halten.

Bedenke: Wenn du während der Probezeit gekündigt wirst, musst du das sofort dem Arbeitsamt melden. Vor allem, wenn du Berufsausbildungsbeihilfe bekommst.

Ist die in der Probezeit gekündigte Ausbildung deine erste sozialversicherungspflichtige Arbeit, hast du zwar kein Recht auf Arbeitslosengeld und musst von Luft und Liebe leben, aber wenn du dich nicht umgehend beim Arbeitsamt meldest und weiterhin die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beziehst, machst du dich strafbar.

Die gute Nachricht: Kindergeld und Rentenbezüge werden dir weiter gezahlt, wenn die Unterbrechung deiner Ausbildung einen Zeitraum weniger Monate nicht überschreitet.

Eine kleine Beispielrechnung:

Verdienst du 550,00 € netto Ausbildungsvergütung, erhältst 190,00 € Kindergeld und 250,00 € BAB, so lebst du im Monat von 990,00 €.
Wirst du am 15. des Monats gekündigt, so hast du für diesen Monat nur 275,00 € Ausbildungsvergütung, 125,00 € BAB, aber trotzdem 190,00 € Kindergeld. Du hast also insgesamt nur noch 590,00 € zur Verfügung und musst innerhalb von den restlichen 15 Tagen 400,00 € auftreiben, um wieder auf demselben Niveau zu sein, um ggf. alle nötigen Kosten zu decken.

Das ist sehr schwierig und daher empfehlen wir stets, für den Fall der Fälle genügend Geld angespart zu haben, um solch eine Zeit mit einem gut durchdachten Notfallplan anzugehen.

Es kommt nicht selten vor, dass künftige Auszubildende, die während ihrer Ausbildung nicht zu Hause bei ihren Eltern wohnen können, ein Jahr zwischen Schule und Ausbildung jobben gehen, um sich die Wohnungseinrichtung, Berufskleidung und den ersten Monat der Ausbildung leisten zu können. Wer diesen Plan verfolgt und ein Jahr jobbt, sollte sich entsprechend viel Geld auf dem Konto aufbewahren!

Du hast also, nachdem du während der Probezeit gekündigt wurdest oder gekündigt hast, je nach Kontostand einen recht engen Zeitrahmen, in welchem du dir eine neue Ausbildungsstelle suchen kannst. Fange also gleich am ersten Tag an, dich zu bewerben und dir zu überlegen, wie du weiter verfahren willst.

 

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Wie schnell kannst du sonst gekündigt werden?

Aber kommen wir zurück zum Thema Kündigung. Hast du die Probezeit überstanden, brauchst du deine „hohe Kante“ nicht mehr und du kannst eigentlich nicht von heute auf morgen gekündigt werden.

Das ist doch toll, oder?

Es gibt keine Kündigungsgründe wie „Ihre Stelle fällt weg, weil wir das Unternehmen neu strukturieren“ oder „Leider ist unsere Ausbilderin weggegangen, also können wir Sie nicht mehr ausbilden“.

Auch ein „Wir können uns Ihre Vergütung nicht mehr leisten“ (ha, ha!) oder „Wir haben einen viel besseren Azubi als Sie gefunden, also bitte gehen Sie!“ ist nicht gültig. Aus solchen Gründen kannst du nicht gekündigt werden!

Es wird noch besser: Wenn du einen Teller runter schmeißt, den Computer versehentlich kaputt machst oder eine furchtbar schlechte Note in der Berufsschule hast – das sind alles keine Kündigungsgründe!

Du kannst nur gemäß § 22 Abs. (2) Nr. 1 BBiG aus einem wichtigen Grund fristlos gekündigt werden. Das bedeutet, dass du nur gekündigt werden kannst, wenn…

  • du Gewalt anwendest
  • du jemandem drohst oder ihn beleidigst
  • du Datengeheimnisse ausplauderst
  • du Betriebsgeheimnisse weiter erzählst
  • du trotz Abmahnung wiederholt gegen Betriebsvereinbarungen oder den Vertrag verstößt

Generell gilt: Keine Kündigung ohne vorherige Abmahnung!
In allen Fällen, die nicht nichts mit Datenschutzmissbrauch oder Tätigkeit zu tun haben, bedarf es einer Abmahnung, bevor du gekündigt werden kannst.

Kommst du beispielsweise zu spät zur Arbeit, kannst du nicht fristlos gekündigt werden. Schon gar nicht, wenn in deinem Vertrag Gleitzeit vereinbart ist ;-).

Erhältst du eine Abmahnung, weil du wiederholt zu spät gekommen bist, so musst du dich am Riemen reißen. Kommst du wiederholt trotz Abmahnung zu spät, kann dein Ausbildungsvertrag gekündigt werden.

Sollte sich allerdings im Nachhinein herausstellen, dass du zu spät kommst, weil du eine schlimme Krankheit hast, die unerkannt war, ist die Kündigung im Nachhinein unwirksam.

Das bedeutet, dass die Wirksamkeit einer Kündigung im Falle von Zuspätkommen immer eine individuelle Entscheidung ist.

Der Narkoleptiker, der seinen Schlafrhythmus nicht richtig kontrollieren kann und daher zu spät zur Arbeit kommt, kann nicht gekündigt werden.

Der Gesunde, dessen Wecker nicht klingelt oder dessen Abendplanung regelmäßig zu verspätetem Aufstehen sorgt, kann dadurch seine Ausbildung verlieren.

Wann darfst du kündigen?

Du als Auszubildender darfst gemäß § 22 Abs. (2) BBiG Nr. 2 mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen deinen Ausbildungsvertrag kündigen, wenn…

  • du volljährig bist
  • du die Ausbildung zur Steuerfachangestellten aufgeben willst
  • du eine andere Ausbildung weitermachen möchtest

Wenn du nicht volljährig bist, muss dein gesetzlicher Vertreter (in der Regel die Eltern) die Kündigung unterschreiben.

Wenn du deine Ausbildung nach Ablauf der Probezeit woanders fortführen möchtest, kannst du nicht einfach so kündigen. Dein Ausbilder hat sogar, sofern in deinem Ausbildungsvertrag geregelt, Anspruch auf Schadensersatz!

Willst du allerdings lieber Bankangestellte, Köchin oder Kauffrau für Büromanagement werden, kannst du in entsprechender Frist kündigen.

Keine Angst mehr vor der Kündigung

Jetzt solltest du bestens darüber informiert sein, wann du gekündigt werden kannst und wann nicht. Sollte deine Probezeit vorbei sein, kannst du das eigentlich gleich am ersten Tag nach der Probezeit mit einer Flasche Sekt feiern (die natürlich alkoholfrei ist, wenn du minderjährig bist!).

Denn eigentlich kann dir während der Ausbildung nichts passieren und deine Angst vor der Kündigung ist fehl am Platze.

Denke daran: Du bist als Azubi da, um zu lernen und dazu gehört auch, dass du charakterlich gefördert wirst.

Du wirst Fehler machen, ja.

Und du wirst lernen, mit den Konsequenzen umzugehen und Strategien zu entwickeln, anders und besser zu agieren.

Aber du brauchst keine Angst mehr vor der Kündigung zu haben.

Wie steht es mit dir? Hast du Angst, gekündigt zu werden oder hast du womöglich sogar selbst Angst, zu kündigen? Berichte uns gerne von deinen Sorgen und Erfahrungen im Forum oder als Kommentar unter diesem Artikel!

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