Wie du einen Ausbildungsabbruch vermeiden kannst

Ausbildung abbrechen
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Ist deine Ausbildung der blanke Horror, weil Kollegen und Chefs auf dir rumhacken?

Kannst du dich vor lauter Stress am Arbeitsplatz kaum retten und bist dauernd überfordert?

Oder ist vielleicht sogar das Gegenteil der Fall und du wirst scheinbar nicht richtig ausgebildet und langweilst dich zu Tode, weil dich die Ausbildung zur Steuerfachangestellten scheinbar permanent unterfordert?

Dann geht es dir vermutlich wie vielen Azubis und du bist unzufrieden. Der sogenannte Ausbildungsreport wird jährlich erstellt und zeigt uns traurige Zahlen: 31 % der 1,34 Millionen Auszubildenden in Deutschland sind mit ihrer Ausbildung unzufrieden (Stand 2015, Quelle derwesten.de).

Etwa 25% der Ausbildungsverträge werden noch im ersten Lehrjahr aufgelöst – und abgesehen von den Azubis, die ihren Ausbildungsbetrieb schlicht und einfach wechseln, gibt es viele junge Menschen, die ihre Ausbildung abbrechen. Für viele ist ein Ausbildungsabbruch der letzte Ausweg, wenn nichts mehr hilft oder die Ausbildung schlicht und einfach nicht die richtige zu sein scheint.

Wir wollen dich über das Thema Ausbildungsabbruch aufklären und dir alle Möglichkeiten aufzeigen, die du hast, damit es bei dir nicht so weit kommen muss.

Warum könntest du einen Ausbildungsabbruch in Erwägung ziehen?

Man geht derzeit davon aus, dass 12,1 % der Auszubildenden in Deutschland häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben müssen. Das ist gem. § 14 Abs. 1 Nr. 1 und § 14 Abs. 2 BBiG verboten. Klar, der Arbeitsalltag muss täglich durch die sogenannten Azubi-Aufgaben gestaltet werden. Dazu gehört das Kaffee kochen, Besprechungsraum aufräumen, die Post oder auch kleine Einkäufe zwischendurch.

In der Regel treffen diese Aufgaben immer die dienstjüngsten oder die billigsten Arbeitskräfte – also die Auszubildenden.

Ausbildungsfremde Tätigkeiten können aber zur Last werden und auch zum Wunsch nach einem Ausbildungsabbruch führen, wenn die Azubi-Aufgaben Überhand annehmen und der Alltag in der Kanzlei nichts mehr mit dem Beruf der Steuerfachangestellten zu tun hat. Spätestens beim Babysitten, Kloputzen oder der Grundreinigung des Büros ist der Spaß hier vorbei.

So manch ein Azubi kann sich da schnell denken: „Nicht mit mir!“ und will das Handtuch werfen und die Ausbildung abbrechen.
Auch Überstunden sind für Auszubildende verboten und können einen Wunsch nach einem Ausbildungsabbruch hervorrufen: 36,6 % der Auszubildenden macht laut spiegel.de regelmäßig Überstunden.

Auch die Befürchtung, dass man gar nicht richtig ausgebildet wird, kann berechtigt sein: Etwa ein Drittel der Azubis haben nicht einmal einen Ausbildungsplan vorliegen. Dieser muss in der Ausbildung für Steuerfachangestellte gem. § 5 StFachAngAusbV vom Ausbilder zu Beginn der Ausbildung angefertigt werden.

§ 5 Ausbildungsplan
Der Ausbildende hat unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplanes für den Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.

Du siehst also: Du bist nicht allein mit deinen Sorgen!

Vielleicht hilft dir bereits der Gedanke daran, dass du kein Einzelfall bist, dich von der Idee eines Ausbildungsabbruchs abzuhalten.

Den Ausbildungsabbruch vermeiden

Wenn du trotz aller Versuche, dich mit deiner aktuellen Situation abzufinden, nicht mehr weiter weißt, gibt es immer noch einige Möglichkeiten, wie du dich vor einem Ausbildungsabbruch bewahren kannst.

Hier sind einige Punkte, die du unbedingt abarbeiten solltest, bevor du die Ausbildung abbrechen wirst – falls du das nicht ohnehin schon getan hast:

  • Gespräch mit dem Klassenlehrer
  • Gespräch mit dem Ausbilder oder Chef
  • Abwarten
  • Über eigeneAnsprüche nachdenken

Sprich mit deinem Klassenlehrer oder einem anderen Lehrer deines Vertrauens. Besonders, wenn schlechte Schulnoten dein Problem sind, kann dein Lehrer dir helfen, eine Lösung zu finden.

Auch für den Berufsschulunterricht gibt es Nachhilfe und du kannst – ähnlich wie in allgemeinbildenden Schulen – freiwillig Sitzenbleiben.
So kannst du ein Lehrjahr wiederholen und den ganzen Stoff bequem noch einmal lernen. Die Ausbildungszeit wird dabei auf vier Jahre verlängert und hilft dir auch, die Abschlussprüfung (besser) zu bestehen!

Hat der Klassenlehrer keinen guten Rat oder rät dir bloß, mit deinem Ausbilder zu sprechen, dann tu das! Suche das Gespräch mit dem Ausbilder oder der Ausbilderin, notfalls sprich mit deinem Chef über deine Probleme.

Wichtig ist dabei, dass du betonst, was dir wichtig ist und was dir Sorgen machst. Formuliere deine Gedanken nicht als Vorwürfe, sondern drücke sie als Wünsche oder Bedenken aus, die von deiner Seite aus kommen.
Geht es um Mobbing in der Kanzlei, zu viele ausbildungsfremde Tätigkeiten oder permanenten Stress, so kann es sein, dass der Ausbilder davon gar nichts mitbekommen hat.

  • Haben die anderen Azubis Aufgaben auf dich abgewälzt, sodass du die Azubi-Aufgaben jeden Tag alleine bewältigen musst?
  • Wirst du gehänselt oder gemobbt, wenn du mit bestimmten Kollegen allein im Büro bist?
  • Hast du so viel zu tun, dass du abends immer die letzte im Büro bist?

Es kann sein, dass dein Ausbilder davon nichts mitbekommt! Habe den Mut, deine Sorgen anzusprechen.

Helfen weder das Gespräch mit dem Ausbilder, noch das Gespräch mit dem Klassenlehrer, so kannst du versuchen, einige Wochen abzuwarten.

Einen Ausbildungsabbruch begeht man nicht von heute auf morgen. Du solltest ein bisschen Zeit verstreichen lassen, sodass du klar darüber nachdenken kannst, ob du die Ausbildung abbrechen willst oder nicht.

Insbesondere, wenn du unterfordert bist und dich den ganzen Tag langweilst, kann das Abwarten Gold wert sein. Häufig warten Ausbilder darauf, dass du in der Berufsschule die Theorie so weit gelernt hast, dass du sie im Betrieb anwenden kannst.

Oder niemand weiß, wie viel du eigentlich schon kannst. Warte ab, bis dir mehr zugetraut wird oder frage freundlich nach mehr Aufgaben. Auch unser Artikel über Langeweile im Job kann dir hier weiterhelfen.

Wenn sich Konflikte durch Abwarten nicht legen, die Langeweile nur noch deprimiert und sich auch nach einigen Wochen nichts bessert, solltest du das Ausbildung abbrechen trotzdem nicht ganz plötzlich in Angriff nehmen.

Du hast immer noch einige Möglichkeiten. Du kannst darüber nachdenken, ob du nicht vielleicht deine Ansprüche verändern musst.

Hast du erwartet, dass du jeden Tag mehr Aufmerksamkeit bekommst und aktiv ausgebildet wirst? Vielleicht musst du deine Stellung als selbstständig arbeitender Azubi von einer anderen Seite betrachten.

Dachtest du, du würdest um 8 Uhr im Betrieb sein und pünktlich um 16:30 Uhr nach Hause gehen? Vielleicht hilft es dir, deine Tage flexibler zu planen und Überstunden einfach hinzunehmen – natürlich nur, wenn du sie in Freizeit ausgleichen kannst!

Hast du erwartet, dass du dich mit deinen Kollegen anfreundest und es ist nicht dazu gekommen? Sieh‘ darüber hinweg und trenne Berufliches und Privates! Freue dich auf den Feierabend mit deinen echten Freunden.

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Ausbildungsbegleiter schützen vor Ausbildungsabbruch

Du bist immer noch verzweifelt und nichts scheint sinnvoll? Dann wende dich an den Senior Experten Service (SES).
Bei VerA kannst du dich unverbindlich zum Senior Experten Service anmelden und bekommst jemanden kostenlos zur Seite gestellt, der all das schon einmal durchgemacht hat, was du gerade durchmachen musst.

Die Organisation VerA wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen und wendet sich an Jugendliche, die kurz vor einem Ausbildungsabbruch stehen. Dabei helfen die Ausbildungsbegleiter dir bei einer Vielzahl von Problemen:

  • Die Lerninhalte in der Berufsschule sind zu schwer
  • Praktische Qualifikation ist ungenügend
  • Hilfe bei Prüfungsvorbereitung
  • Sprachprobleme, schlechte Deutschkenntnisse
  • Persönliche Probleme (Familie, Gesundheit, Drogen etc.)
  • Probleme im Betrieb (sozialer Natur oder auch andere)

Das Ganze läuft so ab, dass du online ein Formular ausfüllst, nach etwa einer Woche einen Ansprechpartner zur Seite gestellt bekommst und anschließend vertrauliche Gespräche mit dem Senior Experten (Person im Ruhestand, die auch mal eine Ausbildung gemacht hat) führen kannst.

In der Regel trefft ihr euch wöchentlich, bis die Probleme, die den Wunsch nach einem Ausbildungsabbruch hervorgerufen haben, verschwunden sind. Aber auch beim Wechsel des Ausbildungsplatzes, ob es nur ein Wechsel des Betriebes oder der gesamten Ausbildung ist, steht dir der Ausbildungsbegleiter zur Seite.

Das Ganze ist eine Initiative gegen Ausbildungsabbrüche und für Azubis kostenlos. Die Ausbildungsbegleitung kann jederzeit fristlos abgebrochen werden, es ist also eine Chance ohne Risiken.

Wechsel des Ausbildungsbetriebs nach der Probezeit schwierig

Um den Betrieb zu wechseln, brauchst du – ganz klar – einen zweiten Betrieb. Es ist nicht verboten, sich während der Ausbildung nach der Probezeit nach einem neuen, besseren Betrieb umzusehen und Bewerbungen zu schreiben.

Beachte: Steuerberater kennen sich womöglich untereinander und können miteinander reden! Besonders in kleineren Orten, aber auch in Städten kann es vorkommen, dass der Steuerberater, bei dem du dich bewirbst, deinen Chef kennt und eventuell mit ihm über deine Bewerbung spricht.

Formuliere vorsichtig, sodass du im Fall der Fälle ein weiteres Gespräch mit deinem Chef führen kannst. Sollte dein Betrieb also von der Bewerbung Wind bekommen (und dich gegebenenfalls darauf ansprechen), ist ein „Ich wünsche mir eine Ausbildung, in der ein angenehmes Betriebsklima herrscht“ deutlich besser als ein „Mein Kollegen legen leider kein freundliches Verhalten an den Tag“.

Ist der erste Schritt getan, durchläufst du das gewöhnliche Prozedere einer Bewerbung. Nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch im potentiellen, neuen Betrieb musst du dir Gedanken darüber machen, wie du dein Ausbildungsverhältnis im aktuellen Betrieb beenden kannst.

Und genau das ist leider der Knackpunkt: Du darfst deinen Ausbildungsvertrag nach der Probezeit nicht kündigen, um den Betrieb zu wechseln!

Gemäß § 22 Abs. 1 und 2 BBiG kann das Ausbildungsverhältnis nur fristlos aus einem wichtigen Grund gekündigt werden oder mit einer Frist von vier Wochen, wenn du die Ausbildung abbrechen willst oder eine andere Ausbildung anstreben möchtest.

Verstößt du mit deiner Kündigung gegen dieses Gesetz, kann dein Ausbilder Schadensersatz einklagen.

Denke also über die Möglichkeiten nach, wie du kündigen kannst. Vielleicht liegen Gründe für eine außerordentliche Kündigung vor? Wenn du wirklich gemobbt wirst, nicht ausgebildet wirst oder der Ausbilder massiv gegen eine seiner Pflichten nach §14 BBiG verstößt, kannst du fristlos kündigen und den Betrieb anschließend wechseln.

Des Weiteren gibt es für dich noch die Möglichkeit, dich mit deinem Ausbilder zusammen zu setzen und um einen Aufhebungsvertrag zu bitten. Hierbei erklären sich beide Seiten damit einverstanden, dass der Ausbildungsvertrag aufgehoben wird. Auch gegenüber der Steuerberaterkammer ist dieser Aufhebungsvertrag gültig und es wird genehmigt, dass du den Betrieb wechselst.

Es sieht also gar nicht so schlecht aus, einen Ausbildungsabbruch zu vermeiden, oder? Du hast viele Möglichkeiten und das Wichtigste ist, dass du alle Möglichkeiten ausschöpfst, wenn du eigentlich Spaß an der Ausbildung zur Steuerfachangestellten hast.

Welche Schritte sind notwendig, um die Ausbildung abzubrechen?

Natürlich wollen wir dich nicht nur davon überzeugen, dass ein Ausbildungsabbruch eine schlechte Option ist und dir gewissermaßen den Lebenslauf versauen kann.

Wir von Steuerazubi sind begeistert von der Ausbildung zur Steuerfachangestellten, aber können es auch verstehen, wenn jemand mit der Ausbildung unglücklich ist und etwas anderes machen will.

Hier haben wir dir eine To-Do-Liste für dich.
Das solltest du beachten, wenn dein Ausbildungsabbruch bevorsteht:

  • Erklärendes Gespräch mit Chef / Ausbilder führen
  • Eltern benachrichtigen, wenn du unter 25 bist
  • Kündigung einreichen
  • Persönliche Gegenstände vom Arbeitsplatz mitnehmen
  • Überlegen, wie es weitergeht
  • Beim Arbeitsamt arbeitslos / arbeitsuchend melden
  • Finanzen für die nächste Zeit planen
  • Positiv denken!

Wenn du die Ausbildung kündigst, musst du dem Arbeitsamt gegenüber vernünftig begründen, warum du die Ausbildung abbrechen musstest.

Die Arbeitslosenmeldung muss innerhalb von drei Tagen nach dem Erhalt der Kündigung bei der Bundesagentur für Arbeit eingehen. Tut man das nicht in dieser Frist, bekommst du eine Sperrzeit und kein Arbeitslosengeld II.

Begründest du deinen Ausbildungsabbruch mit Gründen wie „Ich habe keine Lust mehr, zu arbeiten“, hast du nach einem Ausbildungsabbruch ebenfalls eine Sperrzeit von drei Monaten, in denen du keine Leistungen erhalten kannst.

Liegen die Gründe deiner Kündigung in triftigen Problemen wie Mobbing, Misshandlung, Diebstahl oder Ähnliches, kannst du vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an Arbeitslosengeld II erhalten.

Sollte es zu einer Sperrzeit von bis zu drei Monaten kommen, weil du gekündigt hast und nicht gekündigt worden bist, ist es wichtig, dass du deine Finanzen planst. Wenn du bei deinen Eltern wohnst, ist das sicherlich kein Problem.

Aber gerade für Auszubildende, die eine eigene Wohnung haben, müssen sicherstellen, dass sie sich die Miete und alle anderen laufenden Kosten leisten können. Stelle einen Plan auf und lasse dir helfen – auch hier im Forum gibt es nette Menschen, die dich dazu beraten können und dir Tipps aus eigenen Erfahrungen zur Verfügung stellen.

Wichtig ist auch ein erklärendes Gespräch mit dem Chef oder dem Ausbilder. Sie wollen sicherlich wissen, warum es nicht geklappt hat und woran es liegt, dass ihr Azubi die Ausbildung abbrechen möchte.

Versuche, fair und kooperativ zu sein und denke auch an die zukünftigen Steuerazubis. Vielleicht kann dein Ausbildungsbetrieb etwas besser machen, sodass es künftigen Auszubildenden besser geht als dir.

Aber hoffentlich hast du es schaffen können durch Gespräche mit deinem Ausbilder die Probleme in deinem Betrieb zu lösen sodass es gar nicht erst zum Abbruch kommt. Wir freuen uns über deine Erfahrungsberichte im Forum oder hier in den Kommentaren.

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