Bonussysteme – Fluch oder Segen

Bonussysteme
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Viele Banker und Manager werden mit Boni vergütet, die von ihrer Leistung abhängen.

Und auf den ersten Blick erscheint ein Bonussystem, nach welchem Arbeitnehmer oder Auszubildende nach ihrer Leistung (wie zum Beispiel die Noten in der Berufsschule) bezahlt werden, wirklich gerecht.

Motivation wird beim Thema Bonussysteme groß geschrieben – und mal im Ernst: Wer will sich nicht zu seiner Ausbildungsvergütung etwas dazuverdienen?

Wozu gibt es Bonussysteme?

Wenn man sich in den deutschen Büros mal umschaut, findet man sicherlich eine Steuerfachangestellte mit 3 Jahren Berufserfahrung, die 40 Stunden in der Woche arbeitet und EUR 1.600,00 verdient. Im selben Gebiet gibt es bestimmt auch eine Steuerfachangestellte mit ebenfalls 3 Jahren Berufserfahrung und 40 Wochenstunden, die EUR 2.300,00 verdient.

Klar, das Gehalt ist Verhandlungsache – aber sobald man das Gehalt der Kollegen kennt, herrscht Missgunst und schlechte Laune, da die Bezahlung anderer immer ungerecht ist.

In der Regel sehen eher die Kollegen als die Arbeitgeber, was die Angestellten so leisten. Stell dir vor, eine Kollegin führt am Telefon Privatgespräche, geht eine halbe Stunde früher nach Hause und betrügt mit ihrer Zeiterfassung oder arbeitet schlicht und einfach viel langsamer als du.

Bekommt diese Kollegin genau so viel Gehalt wie du, ist das auf der Lohnabrechnung und auch aus Sicht des Arbeitgebers gerecht. Aber du würdest dich als vorbildlich arbeitende und fleißige Steuerfachangestellte doch ungerecht behandelt fühlen, oder?

Daher können Bonussysteme wahre Wunder wirken. Sie berücksichtigen Leistung – also Arbeit in Abhängigkeit von Zeit.

Neben dem Grundgehalt, das jeden Monat gleich bleibt, kann man sich also etwas dazuverdienen, indem man besonders gut arbeitet, besonders viel schafft oder besonders viel Umsatz für die Kanzlei erzielt.

Viel hilft nicht immer viel!

Aber Forscher und Psychologen haben beobachtet, dass hohe Belohnungen in Abhängigkeit von der Leistung nicht immer zu höherer Leistung führen.

Bei einer Studie mit US-amerikanischen Studenten stellte sich heraus, dass eine zu hohe Belohnung dafür sorgte, dass die Versuchsperson deutlich schlechtere Leistungen erbrachte, als wenn dieselbe Leistung mit geringeren Boni vergütet wird. Dabei kam des Weiteren heraus, dass geistige Aufgaben wie die einer Steuerfachangestellten unter dem Leistungsdruck gelitten haben, körperliche Aufgaben aber nicht.

Das Geheimnis dahinter liegt in unseren unterschiedlichen Hirnhälften:

Die rationale rechte Gehirnhälfte ist bei finanziellem Anreiz durch ein Bonussystem so sehr damit beschäftigt, sich auszumalen, wie das Leben mit beispielsweise EUR 60,00 mehr in naher Zukunft aussehen wird. Diese Hirnhälfte fragt sich was man mit diesem Geld machen kann und konzentriert sich nicht mehr auf die Aufgabe, die rational mit der rechten Gehirnhälfte zu lösen ist.

Bei körperlichen Aufgaben kann die rationale, logische Hirnhälfte von der Belohnung träumen und die Motivation, dieses Ziel erreichen zu wollen, verstärken. Während die körperliche Aufgabe mithilfe der linken, abstrakten und kreativen Hirnhälfte gelöst werden kann.

Es kann also sein, dass die Gedanken des Mitarbeiters zu sehr um die erhoffte Belohnung kreisen und sie so die eigentliche Arbeitsaufgabe in ihrer Prioritätenliste etwas weiter nach unten verbannen.

Kritik an leistungsorientierten Bonussystemen

Ich sehe es ebenfalls als problematisch an, dass Boni eventuell falsche Anreize schaffen. Als Auszubildende zur Steuerfachangestellten sollen wir lernen. Und im Gegensatz zur allgemeinbildenden Schule, wo alles Gelernte nur für den Schulabschluss wichtig zu sein scheint, lernen wir für das Leben.

Wir wollen qualifizierte Arbeitskräfte werden, die in einem gelernten Beruf Erfüllung, Anerkennung und Geld erreichen.

Das darf man nie aus den Augen verlieren und sich nicht nur an Boni orientieren, wenn es um Schulnoten oder die Leistung in der Kanzlei geht.

Außerdem will ich dich daran erinnern, dass wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft leben. Burn-Out ist ein Syndrom, das durch die Entwicklung unserer Arbeitswelt entstanden ist und ich sehe nicht, wie Überforderung, Überarbeitung und Erschöpfung durch ein Bonussystem gemildert werden könnten.

Jeder Mensch hat eine Leistungsschwelle, ab welcher er zu stark gefordert wird und so nicht bis ins Unendliche immer mehr leisten kann.

Du siehst also: Auch wenn du kein Bonussystem in deiner Ausbildungskanzlei hast, kannst du doch froh sein, dass du entspannt deinen Aufgaben nachgehen darfst. Und das ohne künstlich geschaffenen Druck und das Streben nach kurzfristiger Anerkennung.

Ein wichtiger Hinweis zur Vermeidung von Ausbeutung: Akkordarbeit, also die reine Bezahlung nach geschafften Aufgaben, ist für Minderjährige verboten (§ 23 JArbSchG)!

 

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Wie sieht ein perfektes Bonussystem aus?

Optimal ist ein Bonussystem erst, wenn es tatsächlich die Leistung der Arbeitnehmer und / oder Auszubildenden steigert. Die Ziele eines Bonussystems sind:

  • Steigerung der Motivation
  • Mehr Einsatzbereitschaft
  • Chancengleichheit unter Mitarbeitern
  • Gerechtigkeitsgefühl steigern
  • Positives Gefühl bei der Arbeit wegen Aussicht auf Belohnung
  • Verstärkung von gutem Verhalten
  • Individuelle Person fördern und fordern

Am Wichtigsten ist wohl ein regelmäßiges Feedback. Eine monatliche Bonuszahlung belohnt dich doch bestimmt auch mehr als eine jährliche Provisionsbeteiligung, oder? Nur wenige fühlen sich durch eine jährlich regelmäßig anfallende Zahlung motiviert, von Januar bis Dezember durch zu powern.

Außerdem ist es wichtig, dass ein Bonussystem dafür sorgt, dass der Auszubildende oder Arbeitnehmer sein Verhalten proportional zur Belohnung verändert. So kann der Arbeitgeber das Verhalten von uns steuern und optimieren, während wir Angestellten uns gerecht behandelt und bezahlt fühlen.

Man bekommt als Arbeitgeber generell das Verhalten, das man verstärkt.

Das funktioniert, indem man dafür sorgt, dass das Bonussystem an die Leistung eines Individuums geknüpft ist. Die persönliche Leistung haben wir selbst in der Hand und fühlen uns so direkt belohnt, wenn es ein bisschen mehr Geld am Ende des Monats gibt.

Gerecht fühlt es sich dabei auch nur an, wenn jeder dieselben Boni bekommen kann und dass das System klar definiert und mit Regeln versehen ist.

Stell dir vor, ein Azubi aus dem ersten Lehrjahr hat einen Notendurchschnitt von 2,5 in der Berufsschule und bekommt EUR 200,00 Zeugnisgeld. Du bist im dritten Lehrjahr und hast einen Schnitt von 2,7 und erhältst EUR 90,00 Zeugnisgeld. Dahinter scheint ein undurchschaubares System zu stecken, das keine Vergleiche ermöglicht.

Ausbildungsgehalt aufstocken

Die Möglichkeiten der Bonussysteme sind vielfältig. Vielleicht will dein Arbeitgeber – falls es nicht ohnehin schon Standard in deiner Ausbildungskanzlei ist – deine Leistungen mit einem der folgenden Möglichkeiten steigern und dich motivieren?

Bonussysteme sehen in der Regel folgende Boni vor:

  • Umsatzbeteiligung
  • Provisionen
  • Mehr Freizeit durch zusätzlichen UrlaubstagGeld für gute Klassenarbeiten
  • Zeugnisgeld bei tollem Notendurchschnitt
  • Eine Wochenstunde weniger bei toller Leistung

Und wenn du gerne eine dieser Leistungen erhalten willst, vergiss‘ nicht: Nachfragen kostet nichts, kann aber als unhöflich aufgefasst werden!

So oder so sollte jeder zufrieden sein, wenn der eigene Arbeitseinsatz gewürdigt wird. Ob durch Feedback, Lob, einen zusätzlichen Urlaubstag oder Bonuszahlungen: Ein Bonussystem kann glücklich machen, muss es aber nicht.

Wenn du mehr über Bonussysteme und optimale leistungsbezogene Vergütung wissen willst, kann ich dir das Buch „The Sin of Wages“ von Bill Albernathy (1996) empfehlen. Darin stellt der Autor viele Anhaltspunkte vor, wie man leistungsorientierte Entlohnung ideal gestalten sollte.

Wie sieht das bei dir aus? Erhältst du Bonuszahlungen durch ein Bonussystem, wie beispielsweise bei ETL? Was hältst du von den Pro- und Contra- Argumenten für und gegen Bonussysteme? Lass‘ uns gerne einen Kommentar da oder beteilige dich an Diskussionen im Forum!

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2 Kommentare
    • Avatar
      René
      Sep 12, 2016 13:45 pm Reply

      “Ein Bonussystem kann glücklich machen, muss es aber nicht.” Das ist der wohl richtigste Satz. Ich sehe das gerade in unserem Beruf als eher Problematisch. Auch bei uns gibt es die Möglichkeit (also keine Pflicht) der Umsatzbeteiligung. Eigentlich ja nicht schlecht, aber was kann denn der normale Mitarbeiter dafür wenn größere Mandanten gehen? Das liegt doch oftmals nicht am kleinen Mitarbeiter, sondern an der schnellen Bearbeitung der Mandatsverantwortlichen (StB´s). Oder wenn die Mandatsverantwortung aufgrund Ausscheiden eines Mitarbeiters wechselt und der Mandant nicht mit dem neuen kann. Dann wechselt der Mandant das Büro und jeder der dort umsatzbeteiligt war kann seinen Bonus nicht erwirtschaften.

      Nene. Ich bin da eher ein Freund von individueller Würdigung am Ende des Geschäftsjahres. Doch genau das sehen meistens die StB´s anders.

    • Avatar
      Raverhod
      Sep 12, 2016 19:33 pm Reply

      Das größte Problem an den typischen Systemen ist es doch, dass diese Systeme ja eine Bemessungsgrundlage brauchen. Und diese ist nicht die Zeit, welche dafür benötig wurde, nicht die Schwierigkeit der Fälle oder was auch immer, sondern meistens die Rechnung, die für den Auftrag am Ende geschrieben wird. Und hier fängt mein Punkt an, an dem ich weiß, dass solche System nicht effektiv funktionieren, die von dieser Bemessungsgrundlage ausgehen. Es gibt einige Mandanten, die zwar große Bilanzen haben, jedoch ist der Aufwand z. B. für den Abschluss nicht wirklich hoch. Sagen wir 4 h Arbeit für eine fünfstellige Rechnung. Dieser Mitarbeiter hatte dann den richtigen Mandanten und sein soll für das Quartal erfüllt. Andere haben Abschlüsse mit deutlich niedriger Rechnung, jedoch mit umso höherem Arbeitsaufwand. Der Mitarbeiter, der die richtigen Mandanten hat, der wird am meisten von diesen Systemen profitieren, da diese Menschen die System verstanden haben und das System für sich selbst arbeiten lassen, anstatt für das System. Doch diese Erkenntnis kommt den wenigsten, die darüber nachdenken 😉

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