Erste eigene Wohnung – Was du bei der Wohnungssuche unbedingt beachten solltest

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Die erste eigene Wohnung ist ein großer Schritt in die Selbständigkeit und sollte vorher gründlich geplant werden. In diesem Artikel bekommst du wichtige Tipps und Hinweise, die dir bei deiner eigenen Wohnung helfen werden.

Ist der Ausbildungsvertrag erst in der Tasche, kannst du dich freuen.

Schon die Einladung zum Vorstellungsgespräch war ein Kompliment an dich und sobald du auch noch deinen Ausbildungsvertrag angeboten bekommen und unterschrieben hast, ist der wichtigste Schritt auf dem Weg in die Selbständigkeit getan.

Für Tipps und Infos für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch gibt es auf steuerazubi.de einen tollen Beitrag – schau‘ ihn dir an, falls du noch im Bewerbungsverfahren steckst.

Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch – Wie bereite ich mich auf ein Vorstellungsgespräch vor?

An dieser Stelle möchte ich darauf eingehen, was nach dem Meilenstein „Ausbildungsvertrag“ wichtig wird.

Es geht um die Frage:


Wo werde ich wohnen? Eltern oder eigene Wohnung

Ist die Antwort “bei meinen Eltern”, so kannst du dich zwar glücklich schätzen, dass du Kosten und Mühe sparst. Gleichzeitig verpasst du aber den ersten, großen Schritt in die Selbstständigkeit.

Damit genau dieser Schritt nicht zu groß wird, ist es wichtig, ein paar Hinweise zum Thema Wohnungssuche entgegennehmen zu können.

Neben zahlreichen Portalen im Internet sind auch große, bekannte Wohnungsvermittlungen hilfreich und präsentieren oft mit Bildern und ausreichend Informationen deine potentielle erste eigene Wohnung.

Immobilien-Portale für die erste eigene Wohnung

Aber auch private Anbieter können für dich in Frage kommen und du solltest gleichzeitig in Zeitung, Internet und am schwarzen Brett im nächsten Supermarkt nach einer Wohnung suchen.

Dabei stellen sich zunächst folgende Fragen:

Wie viele Zimmer brauche ich?

Als alleinstehender Azubi, der nur sein Ausbildungsgehalt und möglicherweise noch Kindergeld und Berufsausbildungsbeihilfe bekommt, solltest du mit einem Zimmer auskommen.

Klar, zwei Zimmer wären toller und man möchte sein Bett auch nicht unbedingt neben dem Kühlschrank stehen haben – aber zwei Zimmer wollen auch geputzt und geheizt werden.

Bevor du dich in Unkosten stürzt, solltest du dir Gedanken machen, ob dir 2 kleinere Zimmer oder ein großes Zimmer eher zusagen.

Ein toller Tipp sind immer Raumteiler, um aus einem Zimmer zwei zu machen.

Wie viele Quadratmeter für eine Person?

Eigentlich steht einer alleinlebenden Person eine Wohnfläche von 45 qm zu. Hartz-IV-Empfängern steht dies zu und das Amt zahlt die Miete.

Da aber Azubis kein Arbeitslosengeld und kein Wohngeld zustehen und die Berufsausbildungsbeihilfe genau wie BAFöG nur einen pauschalen Mietbetrag enthält, solltest du in einer Stadt auf eine eigene Wohnung mit 45 qm verzichten können.

Die durchschnittliche Kaltmiete in Großstädten (außer München) liegt bei ca. EUR 315,00 – EUR 405,00.

Mit Heiz- und Nebenkosten steigt die Miete dann schnell auf EUR 550,00 warm und wenn ein kalter Winter kommt, kannst du dir von deinem Ausbildungsgehalt nicht einmal mehr Wasser, Strom und Internet leisten.

Je nach dem, was du für Ansprüche an deine eigene Wohnung hast, kannst du dir überlegen,

  • ob du nicht mit einem Badezimmer mit 3-5 qm auskommst und
  • ob du eine Wohnung mit einer sogenannten Pantry-Küche (Einbauküche mit maximal 2 qm) in Betracht ziehen kannst und
  • ob deine eigene Wohnung einen Flur haben muss.

Überlege dir das allerkleinste Minimum, das du benötigst und suche deine eigene Wohnung nach diesem Kriterium.

Meine Erfahrung zeigt:

Eine Wohnung oder ein Zimmer mit weniger als 25 qm ist zu klein. Ich empfehle, nach Wohnungen von 25 qm – 40 qm zu suchen – je nach Anspruch, Umstand und Kontostand.

Was ist eine angemessene Warmmiete?

Die Frage nach der angemessensten Warmmiete im Verhältnis zur Kaltmiete hängt von mehreren Faktoren ab.

Wenn du eine pauschale Antwort als Faustregel haben möchtest, rechne mit maximal EUR 1,50 pro Quadratmeter pro Monat für die gesamten Nebenkosten (Strom und Wasser gehören in der Regel nicht dazu!).

Diese Faustregel kann durch die Anzahl der Außenwände oder auch durch die Anzahl der Fenster verändert werden.

Je mehr Außenwände deine eigene Wohnung oder dein Zimmer hat, desto teurer wird die Warmmiete.

Sind die Fenster nicht doppelt verglast, so steigt sie ebenfalls, als wenn es sich um eine Dachwohnung handelt.

Im Erdgeschoss befindliche Wohnungen bezeichnet man als fußkalt, da in der Regel unter einer Erdgeschosswohnung niemand wohnt, der “nach oben” heizt.

Hat man in einer Erdgeschosswohnung keinen Teppich, so ist es kälter und somit auch teurer zu heizen, als wenn es einen Teppich (oder heizende Kellerbewohner) gibt.

Alles hängt von vielen Faktoren ab und natürlich auch von der Kälte des Winters und deinen persönlichen Ansprüchen.

Was kommt auf die Nebenkosten noch drauf?

Für Strom und Wasser kann man ca. EUR 15 – 45 im Monat für die Stadtwerke einplanen und es ist prinzipiell ratsam, immer 20 Euro im Monat für besonders kalte Winter zurückzulegen.

Allgemein gilt übrigens:

Man soll maximal ca. 1/3 seines gesamten Nettoeinkommens für das Wohnen exklusive Strom und Wasser einplanen, um gut zurecht zu kommen.

Doch hier scheiden sich die Geister.

Das einzige, was gilt, ist: Bei Wohnungsvermittlungsunternehmen gilt es, diese 1/3-Regel zu erzielen, um eine Wohnung unter vielen Bewerbern bekommen zu können.

Wie beschrieben, müssen Strom und Wasser bezahlt werden. In den Nebenkosten sind in der Regel nur Heizung, ggf. Treppenhausreinigung und Müll enthalten.

Internet

Hast du ohnehin mobiles Internet, so benötigst du keinen Router und keinen Vertrag für deine eigene Wohnung, um ins Internet gehen zu können. Fast alle Smartphones und Tablets kann man auch für den PC als Hotspot einrichten.

Die Frage bleibt dann nur nach deinem Volumentarif und nach dem, was du benötigst.

Einen Internetanschluss mit Festnetz und Festnetzflatrate inkl. Router sollte nicht mehr als EUR 25,00 pro Monat kosten.

Achtung: Für Studenten und Azubis gibt es oft Rabattangebote!

Du solltest für alle Fälle immer deinen Ausbildungsvertrag in Kopie parat haben.

Wie weit darf die Wohnung von der Arbeitsstelle weg sein?

Das kommt auf dein Zeitmanagement an.

Wenn du bereits in einer Stadt gewohnt hast, wirst du dich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auskennen und wissen, wie weit du bereit bist, zu deiner Arbeit zu fahren.

Wenn du vom Dorf kommst, bist du es gewohnt, dass Busse möglicherweise nur alle zwei Stunden fahren und gelegentlich erhebliche Verspätungen aufweisen.

So oder so kannst du nur gewinnen, wenn du versuchst, eine eigene Wohnung dort zu bekommen, wo du ohne Umstiege zur Arbeit kommen kannst und auch der Weg zur Berufsschule möglichst leicht zu erreichen ist.

Dabei ist es aber wichtiger, näher an der Ausbildungsstätte als an der Berufsschule zu wohnen.

In vielen Gebieten ist es üblich, im 1. Lehrjahr zwei Tage pro Woche zur Berufsschule zu gehen und im 2. und 3. Lehrjahr nur einen Tag pro Woche.

Daher sparst du insgesamt Zeit, wenn du mehr auf die Nähe zur Ausbildungsstätte achtest als auf die Nähe zur Berufsschule.

Außerdem bleibt die Frage, ob du dir ein Auto leisten kannst oder willst.

Mit einem Auto kannst du weiter außerhalb wohnen und an der Miete sparen – wobei Erfahrungen gezeigt haben, dass die Kosten für ein Auto nicht die teurere Miete in der Innenstadt ausgleichen.

Es sei denn, du arbeitest am Stadtrand und wohnst in einem der umliegenden Dörfer.

Vergleiche doch verschiedene Mietspiegel in der gewünschten Umgebung.

Er sollte keinesfalls über EUR 9,50 / qm liegen.

In der Mitte großer Städte ist ein Mietspiegel von EUR 7,50 / qm – EUR 9,00 / qm üblich.

Auf dem Land liegt der Mietspiegel oft unter EUR 7,50 / qm.

Mein Tipp

Ich habe für mich persönlich das U-Bahn-Netz meiner Stadt ausgedruckt und durch die Fahrplanauskunft die Haltestellen markiert, von welchen aus ich maximal 25 Minuten zur Ausbildungsstelle und zur Berufsschule brauche.

Ausgehend von diesen Haltestellen konnte ich die Stadtteile ausfindig machen, in denen ich wohnen möchte und habe letzten Endes so nach meiner Traumwohnung gesucht.

Vielleicht kann dir so etwas auch helfen, wenn du dich in der Stadt nicht auskennst.

Wann muss ich nach einer Wohnung suchen?

Mieter haben häufig eine Kündigungsfrist von drei Monaten.

Zieht also jemand aus einer Wohnung zum 1.8. aus, so kündigt er oder sie die Wohnung im Monat Mai, möglicherweise sogar Ende April.

Es ist sinnvoll, ca. 3 – 4 Monate vor dem gewünschten Einzugstermin zu beginnen, nach einer Wohnung zu suchen.

Dabei darfst du dich nicht entmutigen lassen, da es sein kann, dass du nach mühseligen Wohnungsbesichtigungen und enttäuschenden und zu teuren Angeboten erst 3 – 6 Wochen vor Ausbildungsbeginn eine passende Wohnung findest.

Also lass dich nicht entmutigen, wenn die Wohnungssuche in den ersten Wochen oder Monaten enttäuschend verläuft. Du kannst jede Besichtigung als Übung ansehen, um die Wohnungen genau unter die Lupe zu nehmen.

Was genau du unter die Lupe nehmen solltest, erkläre ich im nächsten Beitrag.

Und nun bin ich an deinen Erfahrungen interessiert. Hast du schon eine eigene Wohnung? Schreib mir doch einen Kommentar unter den Artikel oder poste deine Meinung in unser Forum. Ich freue mich auf dich!

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9 Kommentare
    • Avatar
      magigstar
      Mai 24, 2015 17:23 pm Reply

      Das ist aber wirklich ziemlich optimistisch berechnet. Wenn man mit 60 Euro NK bei einer 40 m² Wohnung rechnen muss.

      • Avatar
        Kia
        Mai 27, 2015 12:03 pm Reply

        Das hat vermutlich sogar mit Stadt und Land zu tun. Ich habe mein Leben lang auf dem Land gelebt und dort passte die Formel auch immer. Aber dort liegt die Kaltmiete für eine 45m²-Wohnung auch bei durchschnittlich 170€, während sie in Hannover beispielsweise durchschnittlich bei 260€ kalt liegt.

        • Avatar
          Liebknecht
          Jun 18, 2015 12:38 pm Reply

          Wow, von solchen Mieten kann man eigentlich nur träumen.

          Also Steuerfachangestellte müssen in dem Fall noch ziemlich lange bei “Hotel Mama” wohnen, meines Erachtens.

          • Melchior
            Melchior
            Jun 18, 2015 13:41 pm Reply

            Naja… Ich hatte auch in meiner Ausbildung schon eine eigene Wohnung und war auch absolut nicht der einzige in meiner Berufsschulklasse.

            Die Ausbildungsvergütung reicht natürlich nicht für die Miete, aber das ist in jeder Ausbildung so und kein spezielles Problem der Steuerfachangestellten.

            • Avatar
              Liebknecht
              Jul 31, 2015 21:31 pm

              Da würde ich Dir zum größten Teil Recht geben!
              Eine Ausbildungsvergütung ist meines Erachtens nicht dafür gedacht, ganz alleine schon auf seine eigene Beine zu stehen… und auch die eigene Wohnung zu haben…

              Allerdings möchte ich persönlich ungerne die Hälfte meines Bruttoeinkommens für das “Wohnen” verwenden.

              Ich vermute mal, dass ich nur ein Leben habe. Was nach meinem Leben kommt, weiss ich nicht. Ich möchte dieses Leben auch leben, nicht nur überleben.

              Aber ich glaube, dass können immer weniger wirklich sich erlauben.

              Aktuell ist bei mir die Thematik auch wieder geworden, ausziehen zu wollen.

    • Avatar
      Kia
      Mai 27, 2015 11:59 am Reply

      Die Faustregel über die Nebenkosten habe ich übrigens in einem Betriebspraktikum im Sozialamt gelernt und es galt in meiner Heimat als Faustregel. Aus anderen Quellen gibt es die Faustregel, mit 1,25€ Nebenkosten und zusätzlich 1,10€ Heizkosten pro m² zu rechnen. In meiner alten Wohnung auf dem Land kam ich persönlich übrigens auf ca. 1,33€ pro m² incl. Heizung und in meiner aktuellen Wohnung in der Großstadt komme ich auf sage und schreibe 4,52€ pro m²! Seid euch bewusst, welche Abweichungen Stadt und Land haben können!

    • Avatar
      Steffen Meyer
      Okt 29, 2015 09:55 am Reply

      Mein Tipp: In Uni-Städten sowie Ballungsgebiete früher anfangen zu suchen! Ein Richtwert mit 9,5 Euro / m² ist in Gebieten mit guten Strukturen nicht mehr durchsetzbar, hier liegen wir wesentlich höher. Sollte es also die Gelegenheit hergeben eine Immobilie zu kaufen und die Möglich bestehen – dann zuschlagen.

    • Avatar
      Folie
      Aug 11, 2016 18:33 pm Reply

      Sehr interessanter Artikel. Danke für die guten Tipps. Von solchen Mieten kann man eigentlich nur träumen aber das nützt nichts weil ich muss trotzdem ausziehen 🙁

    • Avatar
      Tobias Teachner
      Jun 24, 2019 11:57 am Reply

      Hat jemand eine Idee wie ich denn überhaupt dazu komme eine eigene Wohnung zu bekommen ohne Geld? Ich brauch die Wohnung ja vor der Ausbildung. Und BAB kann man erst beantragen wenn man schon eine eigene Wohnung hat

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