Wie ich meine Finanzplanung als Azubi im Griff behalte

Finanzplanung
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In Sachsen sind es zwischen 550,00 € und 750,00 €, in Hessen klettert die Zahl auf 900,00 € hoch und in Schleswig-Holstein sprechen wir sogar von stolzen 850,00 € – 1.050,00 €. Es ist die Rede von – na klar – Geld! Denn auch das brauchen wir während der Ausbildung zur Steuerfachangestellten.

Die Ausbildungsvergütungen variieren von Bundesland zu Bundesland und von den verschiedenen Ausbildungsvergütungen bleiben unterschiedlich hohe Summen übrig. Und an sich ist das ungerecht, wie so vieles im Leben. Schließlich lernen wir alle das selbe und verdienen unterschiedlich viel. Von dem, was wir verdienen, bleibt wiederum unterschiedlich viel übrig.

Unabhängig vom Bundesland gibt es noch einen weiteren großen Faktor, der entscheidet, wie viel du von deiner Ausbildungsvergütung behalten kannst. Der Faktor wie du deine Finanzplanung im Griff behältst!

Wie viel Geld brauchst du?

Um überhaupt so etwas wie eine Finanzplanung zu erstellen, musst du dir im Idealfall schon vor Beginn deiner Ausbildung die Frage stellen: “Wie viel Geld brauche ich zum Leben?”

Wohnen

Du hast schon vor der Beantwortung dieser Frage zwei grundsätzliche Fragen zu klären. Wohnst du zu Hause bei deinen Eltern oder musst du für die Ausbildung in eine eigene Wohnung ziehen?

Wenn du zu Hause bei deinen Eltern wohnst, sieht deine Finanzlage sehr einfach aus. Da du bisher nur ein gewöhnliches Taschengeld in Höhe von 20 – 40 € bekommen hast, als du noch auf der allgemeinbildenden Schule warst, wirst du nun hervorragend mit dem Geld auskommen. Denn dein “Taschengeld” erhöht sich mehr als um das Zehnfache.

Du kannst dir womöglich ein Auto leisten, deinen Eltern deinen Anteil an der Miete bezahlen und dich um viele Dinge selbst kümmern. Ohne dass du mit Verpflichtungen wie einer Wohnung lebst, die Risiken mit sich bringen. Wichtig ist hier, dass du nicht das ganze Geld auf den Kopf haust.

Daher solltest du diesen Artikel weiterlesen, auch wenn du “das große Taschengeld” bekommst. Unsere paar Spar-Tipps können auch dir helfen, das Geld beisammen zu halten.

Wenn du alleine wohnen willst, werden die Kosten, die du zur Haltung deines Lebensstandards brauchst, je nach Wohnort variieren. In München kostet eine Wohnung locker um die 17,41 € pro Quadratmeter, während Wohnungen auf dem Land für 4,88 € pro Quadratmeter zu haben sind. Verglichen habe ich dazu die Mietspiegel von München und Osterode am Harz 2016.

Verpflegung

Laut § 20 SGB II braucht ein erwachsener, alleinstehender Mensch 143,42 € für seine Ernährung. Daraus besteht unter anderem der Regelbedarf für Arbeitslosengeld II (Hartz-IV) Empfänger. Diese Summe gilt als Existenzminimum und daher solltest du auch mindestens so viel Geld parat haben, um diese Kosten zu decken. Für die Miete übernimmt die Agentur für Arbeit die Kosten für eine Wohnung mit 45 m² für eine Person und weitere 15 m² für jede weitere Person.  

Du kannst dir also in etwa ausrechnen, was du zum Leben brauchst: Berechne deine voraussichtliche Miete (Nebenkosten nicht vergessen), addiere etwa 150,00 € für deine Ernährung und überlege, was du sonst noch brauchst. Das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

Sonstiges

Während manche Leute gar kein Geld für ihr Handy ausgeben, zahlen andere bis zu 50 Euro monatlich fürs Smartphone. Stromkosten belaufen sich bei durchschnittlicher Nutzung von elektrischen Geräten von einer Person auf roundabout 40 Euro.

Die meisten Städte bieten ein Fahrticket extra für Azubis an, das je nach Entfernung zwischen deiner Wohnung und deiner Ausbildungskanzlei etwa 35 – 70 Euro kosten kann. Ein Internetanschluss inklusive Telefon kann je nach Bedarf auch etwa 15 – 30 Euro kosten.

Überlege weiter: Hast du Abonnements? (Vergiss nicht die Online-Abos, falls welche vorhanden sind!) Gehst du ins Fitnessstudio? Möchtest du nicht darauf verzichten, ein Mal im Monat ins Kino zu gehen? Dann rechne auch diese Kosten ein!

Aber überlege nicht nur, welche monatlichen Kosten auf dich zukommen, sondern auch, was du einmal jährlich bezahlt werden muss.

Wohnst du allein in deiner eigenen Wohnung, so hast du sicherlich eine Haftpflicht– und eine Hausratversicherung. Womöglich hast du eine Bahncard, auch dieser Beitrag wird nur ein Mal im Jahr von deinem Konto abgebucht.

Addiere großzügig die Zahlen zusammen und du wirst auf einen Betrag kommen, der deutlich über deiner Netto-Ausbildungsvergütung liegt. Aber jetzt weißt du wenigstens, wie viel du zum Leben brauchst.

 

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Woher kannst du Geld bekommen?

Angenommen, du kommst durch deine Rechnung auf ein Ergebnis von 850,00 Euro. So viel Geld brauchst du laut deiner Rechnung (hypothetisches Beispiel) im Monat. Verrechnet man jährliche Ausgaben auf die Monate und schlägt eine kleine Summe drauf, um sich etwas für Weihnachtsgeschenke, unerwartete Reparaturen oder einen Urlaub anzusparen, könnten wir an dieser Stelle mit 900,00 Euro rechnen. Das ist die Summe, die man monatlich brauchen könnte.

Beträgt die Ausbildungsvergütung nun beispielsweise 750,00 €, so bleiben dir netto, je nach Lohnsteuerklasse, Alter und Krankenkasse, knapp unter 600 Euro übrig. Die restlichen 250,00 € kannst du wie folgt bekommen:

    • Kindergeld (ab 190,00 € monatlich in 2016)
    • Unterhalt von deinen Eltern (wenn sie viel verdienen)
    • Berufsausbildungsbeihilfe (wenn die Eltern nicht viel verdienen)
    • Nebenjob

Warum brauche ich ein Girokonto?

Gerade für die oben genannten Einkunfts-Methoden benötigst du zwingend ein Girokonto. Es ist nicht üblich, dass deine Ausbildungsvergütung in Form eines Schecks oder bar ausgezahlt wird.

“Giro” kommt dabei aus dem Italienischen und bedeutet “Kreis” oder “Umlauf”. Ein Girokonto ist also ein Konto, auf dem das Geld umläuft, also ein- und wieder ausgeht. Im Gegensatz zu Festgeldkonten oder Tagegeldkonten kannst du also jederzeit über das gesamte Geld verfügen und mit einer EC-Karte Zahlungen tätigen.

Regelmäßige Zahlungen wie die Miete, Strom und andere Lastschriftverfahren zahlt man generell von einem Girokonto. Das ist bei den meisten Banken kostenlos. Auch, wenn du älter als ein bestimmtes, von der Bank vorgegebenes Alter bist, kannst du von den Kontoführungsgebühren befreit werden, weil du dich als Berufsschüler mit einem Schülerausweis ausweisen kannst. Das gilt aber nicht für alle Banken und du solltest Angebote vergleichen, solltest du zu Beginn deiner Ausbildung noch kein Girokonto haben.

Abgesehen davon, dass jeder heutzutage ein Girokonto hat, bist du sogar laut Ausbildungsrahmenplan dazu verpflichtet, “Vorgänge des Zahlungsverkehrs” während deiner Ausbildung zu bearbeiten. Da du in den wenigsten Steuerberaterkanzleien in Deutschland an das Konto des Chefs ran darfst, ist es deine Aufgabe, dich selbst dahingehend weiter zu bilden.

Finanzen dauerhaft im Griff behalten

  • Du weißt, wie viel Geld du brauchst
  • Du bekommst deine Bezüge
  • Du hast ein Girokonto

Aber es klappt noch immer nicht?

Wenn es nicht funktioniert, dass du deine Finanzen dauerhaft im Griff behalten kannst, obwohl du alles abgeklärt hast, kann es sein, dass du eines der folgenden Probleme hast:

  • Du hast zu wenig Einnahmen
  • Du hast zu viele Ausgaben
  • Du bist ein emotionaler Käufer

Ob du zu wenig Einnahmen hast, lässt sich leicht überprüfen. Erhältst du alle möglichen Mittel und Beihilfen zu deiner mauen Ausbildungsvergütung? Oder gibt es noch Möglichkeiten, mehr Geld zu erhalten, auf das du einen Anspruch hast und nichts davon wusstest (wie z.B. die BAB)?

Ist dies nicht der Fall, solltest du deine Ausgaben aufschreiben und dich selbst kontrollieren. Überwache, wofür du wann Geld ausgibst. Das hilft dir bei deiner Finanzplanung.

Was auch helfen kann, ist, dass du dir vor Augen führst, dass du mit Bargeld weniger bezahlst als mit einer EC-Karte. Bei der EC Karte hat man beim Verlassen des Supermarktes oft schon vergessen, wie viel man gerade an der Kasse bezahlt hat. Auch kann es hilfreich sein, seltener einkaufen zu gehen. Schreibe einen gut vorbereiteten Einkaufszettel und überlege im Vorfeld, was du einkaufen kannst.

Einkäufe sind eine emotionale Entscheidung und in der Regel nicht ausschließlich durch pure Vernunft veranlasst. Also versuche, emotionalen Kurzschlussreaktionen auszuweichen und niemals Spontankäufe zu erledigen.

Dabei lernst du einen bewussten Umgang mit dem Geld.

Sparen kann man lernen

Setze dir Ziele, wenn du noch nie Geld gespart hast und damit beginnen möchtest, obwohl deine Finanzen so knapp sind. Wenn du versuchst, 20,00 € im Monat an die Seite zu legen, setze dir eine Belohnung, wenn du das einige Zeit lang geschafft hast. Du solltest dabei nicht unverhältnismäßig leben.

Belohnungen wie “wenn ich hundert Euro spare, gehe ich für hundert Euro shoppen” bringen dabei nicht so viel, wenn du sparen möchtest. Viel mehr solltest du dir die oben genannten emotionalen Einkäufe als Belohnungen aufsparen. Wenn du unbedingt etwas kaufen möchtest, solltest du dich davon abhalten und es dir selbst versprechen, wenn du einen (den Kaufpreis deutlich übersteigenden) Betrag angespart hast.

Gleichzeitig solltest du nicht zu viel sparen, sondern auch am Leben teilnehmen und Spaß haben. Die Zeit der Ausbildung ist eine fantastische Zeit und sie kann einen wirklich bereichernden Lebensabschnitt darstellen. Mach’ dir das nicht kaputt, indem du auf alles verzichtest, nur weil das Geld etwas knapp ist.

In der Ausbildung sein heißt lernen. Und zum Lernen gehört auch, dass man mit der Miete mal in Verzug gerät, weil man seine Finanzen noch nicht im Griff hat. Das ist völlig normal und kann jedem einmalig passieren. Versuche einfach, geplant und balanciert deine Finanzplanung im Griff zu haben und du wirst sehen, dass es gar nicht so schwer ist.

Wie sieht es bei dir aus? Hast du das “große Taschengeld” oder nagst du in deiner eigenen Wohnung am Hungertuche? Hast du weitere Tipps, wie wir Auszubildenden das harte Leben als einkommensschwacher Mensch überstehen kann? Schreibe uns gerne etwas in die Kommentare oder starte eine Diskussion im Forum!

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