Lernmethoden für Klausuren und Abschlussprüfungen

Lernmethoden
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„Kommst du heute Abend mit in die Bar, ein Bierchen trinken?“

– „Nee du, sorry. Schreibe morgen Rechnungswesen, ich muss noch lernen!“

Wer kennt das nicht? Weil ein Bekannter oder Freund lernen muss, kann er oder sie an gewissen Freizeitaktivitäten nicht teilnehmen, vor allem dann, wenn diese Aktivitäten unmittelbar vor einer Klausur oder anderen Prüfung stattfinden.

Die häufigsten Irrtümer der (Berufs-) Schüler

Aber genau diese Herangehensweise ist falsch. Fälscher als falsch, um genau zu sein, auch wenn diese Formulierung selbst nicht korrekt ist. Aber du verstehst ganz sicher, was ich damit meine!

Wer einen Abend vor einer Klausur noch lernt, ist in der morgendlichen Klausur deutlich schlechter, als hätte man nicht gelernt. Das kurzfristige Lernen verschlimmbessert die Leistung, verwirrt den Azubi und hilft überhaupt nicht.

Das einzige, was man am Abend vor einer Klausur machen darf, ist üben. Mal abgesehen davon, dass man am Abend vor einer Klausur viel lieber Tee trinken, Spazieren gehen oder früh schlafen gehen soll, anstatt zu üben. Das ist noch effektiver als Üben und beugt Bulimie-Lernen vor!

Vielleicht bist du jetzt verwirrt und fragst dich:

  • Was ist der Unterschied zwischen Üben und Lernen?
  • Wieso hilft Faulenzen am Abend vor einer Klausur mehr als Üben?
  • Und warum sollte ich vom Bulimie-Lernen gefährdet sein?

Keine Panik. Auf all das gebe ich dir eine Antwort. Hier und jetzt.

Was ist eigentlich Bulimie-Lernen?

Bulimie-Lernen ist eine von Abiturienten häufig praktizierte Methode des Lernens. Klingt ungesund – ist es auch.

Besonders in den letzten Jahren, als fast alle Gymnasien Deutschlands noch das Abitur nach 8 statt nach 9 Jahren ausprobiert hatten, galt in den Schulen nur eins: Schnell lernen, Klausur bestehen. Nächstes Fach. Schnell lernen, Klausur bestehen. Nächstes Fach.

Aber auch, nachdem sich die Lage beruhigt und G8 abgeschafft wurde, sind viele Lerninhalte allgemeinbildender Schulen nicht im Alltag zu gebrauchen (es sei denn, man studiert entsprechende Fächer!).

Die Gedichtinterpretation von „Augen in der Großstadt“, Kurvendiskussionen ir-rationaler Funktionen und das Verhalten von Fumarat und Adenosintriphosphat im Citratzyklus helfen keiner Auszubildenden zur Steuerfachangestellten weiter.

Teste dich selbst: Wie viel Wissen aus deiner Abschlussprüfung hast du bereits vergessen? Die Antwort lautet vermutlich: Vieles. Und das liegt daran, dass Bulimie-Lernen weit verbreitet und an allgemeinbildenden Schulen schlicht und einfach normal ist.

In einer Ausbildung ist Bulimie-Lernen nahezu tödlich für die Abschlussnote:

Ab dem ersten Tag in der Berufsschule lernen wir für die Abschlussprüfung.

Einige Ausnahmen bilden Lerninhalte, die ausschließlich in der Zwischenprüfung abgefragt werden (und in der mündlichen Prüfung wieder vorkommen können!), aber der Tenor ist klar:

Was du im September im ersten Lehrjahr lernst, musst du im Mai des dritten Lehrjahres wieder aus dem Gedächtnis abrufen können! Egal, wie viel neuer Lernstoff in der Zwischenzeit hinzu kommt.

Wenn du die richtigen Lernmethoden für dich finden möchtest, brauchst du nicht nur eine Lernstrategie und einen Zeitplan, sondern auch die richtige Einstellung und das richtige Fundament, um gelernte Informationen abrufbar ins Langzeitgedächtnis zu bringen!

Der ideale Zeitplan zum Lernen

Lernen soll man in der Schule. Das weiß theoretisch jeder – aber viele Schülerinnen und Schüler verneinen es trotzdem. Ich kann mir nicht erklären, woher der Irrglaube kommt, man müsste zu Hause in seiner Freizeit lernen, zu allem Überfluss noch kurz vor einer Klausur. Für mich ist das absoluter Humbug und ich möchte dir erklären, wie das ideale Lernen abläuft.

Der ideale Zeitplan zum Lernen ist dein Stundenplan.

Das ist kein Witz!
Die Berufsschule ist zum Lernen da. Punkt.

Kennst du deine Aufgaben im Unterricht? Bist du nur anwesend und genießt die Show? Freust du dich eigentlich nur auf die Pausen und Mitschüler? Dann machst du etwas falsch!

In der Berufsschule sollst du:

  • Zuhören
  • Mitschreiben
  • Nachfragen, wenn du etwas nicht verstehst
  • Dein Wissen durch mündliche Mitarbeit erproben
  • Selber denken
  • Übungsaufgaben erledigen
  • Dich selbst kontrollieren (Übungsaufgaben vergleichen)
  • Kontrolliert werden (Hausaufgaben vergleichen)
  • Feedback bekommen (Klausuren und Noten)
  • Hilfe von Mitschülern bekommen
  • Mitschülern helfen
  • Horizont erweitern – durch fremde Meinungen / Auffassungen / Methoden

Das ist ganz schön viel, oder? Und dazu gibt es zum Festigen des Gelernten an einigen Berufsschulen auch noch Hausaufgaben für den Abend.

Wieso sollte man also einen abweichenden Plan zum Lernen erstellen? Es ist doch wichtig, dass wir unsere Aufgaben zeitökonomisch gestalten. Also sollten wir mit möglichst wenig Investition möglichst viel Gewinn erzielen. Wieso also Energie verschwenden, um einen abweichenden Lernplan zu erstellen und unterm Strich die doppelte Zeit und Kraft investieren?

Auch wenn das für dich bedeutet, dass man in den sauren Apfel beißen muss und wegen der vielen Handmeldungen zum Streber erklärt wird und keine Zeit mehr hat, mit dem Sitznachbarn zu quatschen.

Dafür gibt es zum Glück die vielen Pausen!

 

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Die ideale Lernmethode: Üben mit Zeitplan

Ich habe dir bereits erklärt, was Bulimie-Lernen ist, wieso dir das die Abschlussprüfung verderben kann und wie und wo du am besten lernst (ausschließlich in der Berufsschule).

Beethoven sagte einmal: „5 % des Erfolgs sind Talent. 95 % sind Fleiß“.

Die wirklich guten Noten kommen zwar auch von dem, was ich dir gerade erläutert habe, aber das Üben ist das wirklich Wichtige: Nur durch Wiederholung kann das Gelernte ins Langzeitgedächtnis gelangen und dauerhaft abrufbar sein.

Sieh dir dazu auch mal den Artikel über Lernstrategien an! Dieser Artikel erklärt dir, wie du lernen solltest. Hier möchte ich auf den Zeitplan eingehen.

Und die Antwort auf die Frage nach dem idealen Übungszeitplan ist ebenso simpel wie die Antwort auf die Frage nach dem idealen Zeitplan zum Lernen. Die Antwort lautet: 3. Drei. Ganz einfach.

Aller guten Dinge sind 3:

Auch Karteikästen folgen dieser Regel und empfehlen das Lernen nach der Zahl 3 als Richtlinie:

  • 3 Tage
  • 3 Wochen
  • 3 Monate

Das sind die drei Hürden des idealen Wiederholens und Übens. Ein Inhalt sollte in den oben genannten Abständen insgesamt drei Mal wiederholt werden. Das Wiederholen selbst soll sich wiederum aus den typischen drei Methoden des Übens zusammensetzen:

  • Lesen
  • Zusammenfassen
  • Prüfen

Da wir wissen, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt, worunter einige mit „Lesen“ nichts anfangen können, da sie rein auditive Lerntypen sind, möchte ich dieses Schema anpassen.

Im ersten Schritt solltest du dir ein Thema im Original aneignen. Ob du die Unterlagen und Gesetzestexte liest, singst, dazu tanzt, abschreibst oder als Theaterstück aufführst, ist dabei völlig egal. (Solltest du letzteres ausprobieren, schicke uns unbedingt ein Video!)

Im zweiten Schritt ist es wichtig, dass du deine eigene Methode umsetzt. Der Lerninhalt soll in deinen eigenen Worten mit deiner eigenen Mühe wiedergegeben werden. So überprüfst du, ob du wirklich verstanden hast, worum es geht. Dabei ist auch deine praktizierte Methode dir überlassen.

Die ersten beiden Schritte sollten nicht mehr als 50 % der gesamten Übungszeit ausmachen. Denn der Hauptteil ist das Prüfen durch Prüfungsaufgaben. Die einzige Vorgabe, die ich hier wichtig finde, ist, dass du häufig auf Aufgaben aus echten Abschluss- und Zwischenprüfungen und Berufsschulklausuren zurückgreifst. Das ist echt wichtig, weil du mit genau diesen Typen im echten Leben konfrontiert wirst.

Ausreden zählen nicht!

Ausreden wie „Der Lehrer hat mir den Termin für die Klausur erst letzte Woche mitgeteilt“ gelten allesamt nicht mehr, da jeder zu Beginn eines Schuljahres weiß, wie viele Klausuren geschrieben werden und die Termine sich üblicherweise immer in den selben Monaten befinden. Außerdem lernst du ja immerzu ein bisschen und bleibst pausenlos fit – was kann dir da noch groß passieren?

So passt auch das feierabendliche Bier in der Lieblingskneipe mit den Kumpels jeder Zeit in die Wochenplanung und du musst dich nicht mehr verschanzen, um ganz schnell ganz viel zu lernen (um es dann ebenso schnell wieder zu vergessen)!

So kommst du nie aus dem Üben und Lernen heraus – auch nicht in den Sommerferien. Und die Abschlussprüfung fühlt sich am Ende vielleicht an wie eine weitere Übung, weil du entsprechende Aufgaben gefühlt schon tausend Mal gemacht hast.

Lieber faulenzen als Information konsumieren

Für das Gehirn ist es übrigens unglaublich wichtig, vor einer Klausur in Ruhe gelassen zu werden. Die Synapsen sind verbunden, das Langzeitgedächtnis ist fit und trainiert, die Prüfung kann kommen.

Kurzfristiges Lernen und Üben sorgt dafür, dass im Gehirn etwas noch schnell umgeschaltet wird. Die neuronalen Verbindungen können sich verändern, sind aber noch lange nicht so gefestigt, wie sie wären, wenn du es ruhen lässt und einen Spaziergang machst, bevor du ins Bett gehst.

Auch Serien schauen, Zocken, vor dem Smartphone hängen und – das muss ich leider zugeben – Artikel auf Steuerazubi.de lesen, das alles tut dem Gehirn nicht gut, wenn eine Prüfung bevorsteht. Nach einem Dauerlauf hast du bestimmt keine Energie mehr, um einen Sprint hinzulegen.

So geht es auch deinem Gehirn: Gönne ihm Pause, damit es zu gegebener Zeit voll loslegen kann!

Prioritäten setzen nicht vergessen!

Natürlich kannst du dich nicht auf jede Klausur innerhalb von 3 langen Wochen vorbereiten. Die wichtigere Priorität ist hier, die Klausur überhaupt zu schaffen, und nicht, sich strikt an dieses Übungsmuster zu halten.

Hast du vor einer Klausur Urlaub, dann hast du Urlaub. Entspannung und Abschalten ist wichtig für dich und so kannst du die 3 Wochen abweichend auch auf 4 verlängern oder auf 2 verkürzen. Dir bleibt noch immer die Wiederholung nach etwa 3 Monaten!

Und denke daran: Manchmal kommt einem das Leben dazwischen. Manchmal haben Freunde, Familie oder das gute Wetter Priorität und dann verschiebst du das Üben. Die Klausur fällt schlechter aus und dann – ja, dann ist das keine Katastrophe.

Denke daran, dass Noten nicht alles im Leben sind. Wichtig ist der Ausbildungserfolg während der praktischen Arbeit und die Abschlussnote. Für die gibt es notfalls aber noch immer eine mündliche Nachprüfung.

Achte darauf, was dir wichtig ist und wie viel Zeit und Energie du in deine Ausbildung stecken willst. Nicht jeder muss ein „sehr gut“ auf dem Steuerfachangestelltenbrief stehen haben. Oder was meinst du?

 

Das ist meine Methode zum scheinbar mühelosen Lernen und Üben. Wie sieht es mit dir aus? Welche Lernmethoden hast du für Klausuren und die Abschlussprüfung? Weicht sie stark von meiner ab? Wie viel Erfolg hast du? Lass‘ uns unbedingt einen Kommentar da oder starte eine Diskussion im Forum!

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