Lernstrategien – So meisterst du jedes Lernziel!

Lernstrategien
1 Kommentar

Die Aufgaben eines Azubis sind vielfältig, jedenfalls könnte man das glauben. In Wirklichkeit haben Auszubildende zur Steuerfachangestellten während ihrer Ausbildungsdauer aber nur drei Aufgaben:

  • Lernen (in der Berufsschule)
  • Lernen (für die Abschlussprüfung)
  • Lernen (durch Arbeit in der Praxis)

Aber wie lernst du am besten?
Welche Lernstrategien können sinnvoll sein?
Und was macht man, wenn es in der Theorie einfach harkt und die Inhalte schwer sind?
Oder schlimmer: Wenn in der Praxis immer wieder dieselben Fehler passieren und man allmählich die Hoffnung an sich selbst verliert?

Ich erkläre dir, wie Lernen eigentlich funktioniert und stelle dir vier Lernstrategien vor, mit denen du Praxis und Theorie fabelhaft meistern kannst.

Was heißt lernen?

„Ich kann heute nicht mit ins Schwimmbad, ich muss noch für die Prüfung morgen lernen“, wer so einen Satz sagt und auch ernst meint, der hat schon verloren.

Einen Tag vor einer Prüfung kann man nicht lernen. Das ist ein wissenschaftlich bewiesener Fakt. Lernen hat mit Wiederholungen zu tun. Einen Tag vor der Prüfung kann man nur noch üben und dadurch das Gelernte festigen und / oder vom Unterbewusstsein wieder in das Bewusstsein rufen. Das Gelernte war also bereits da.

Lernen ist der Prozess, in welchem etwas Neues vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis geschoben wird und abrufbar gemacht wird. Ob eine Vokabel oder eine Definition im Kurz- oder Langzeitgedächtnis ist, kannst du spielend leicht herausfinden: Versuche, eine gelernte Definition in eigenen Worten wiederzugeben.

Wenn du den Sachverhalt sofort erklären kannst und dabei nicht stockst, dir das ziemlich einfach und überhaupt nicht herausfordernd vorkommt, so ist das Gelernte im Langzeitgedächtnis. (Es sei denn, du hast den Sachverhalt erst vor einer Stunde kennengelernt!)

Wenn du stockst, nachschlagen musst oder im Nachhinein ein „Aha!“-Erlebnis hast, nachdem du etwas nachgedacht hast, so hast du durch das Abrufen der Definition veranlasst, dass die Information in deinem Gehirn dem Langzeitgedächtnis etwas näher gekommen ist.

Die Definition ist zwar im Langzeitgedächtnis, aber nicht besonders gut abrufbar. Du brauchst Übung, um diesen Vorgang des „Nachschlagen im Kopf“ zu beschleunigen.

Wenn du keinen blassen Schimmer von der dir gestellten Aufgabe hast und nur weißt, dass da mal etwas war, dann war die Information in deinem Kurzzeitgedächtnis. Du hast sie nicht gelernt, denn sie ist dir entfallen und hat keine Erinnerungsbrocken hinterlassen.

Merke: Lernen ist das Verankern von Informationen im Langzeitgedächtnis und das Erhöhen der Abrufbarkeit dieser Information.

Wie lernst du am besten?

Ist dir schon mal aufgefallen, dass 4 x-beliebige Menschen in deiner Umgebung scheinbar 4 verschiedene Lernstrategien haben?

Der eine lernt am besten still und leise in der Stadtbibliothek, wo ihn niemand stört.

Der zweite lernt vielleicht am besten in einer Lerngruppe, die sich regelmäßig zum Kaffeekränzchen trifft und auch mal thematisch abschweifen darf.

Die dritte telefoniert, starrt auf den Fernseher und geht ihre Karteikarten durch und sagt, sie könne sich großartig konzentrieren.

Und die vierte bekommt eine Sache einmalig erklärt und schon kann sie es in Perfektion.

Das Geheimnis hinter diesen verschiedenen Lernstrategien ist, dass die vier Personen ihren Lerntyp kennen. Ob sie darüber nachgedacht haben, wie sie am besten lernen, oder intuitiv den für sie perfekten Weg zum Lernen herausgefunden haben, spielt dabei keine Rolle.

Welche Lerntypen habe ich mit den oberen vier Beispielen angesprochen? Dazu musst du zunächst wissen, welche Lerntypen es gibt und wie man sie kombinieren kann.

 

[sam id=”3″ codes=”true”]

 

Lernstrategien für den visuellen Lerntyp

Angenommen, du konntest in der Schule schon nicht gut zuhören. Und ein Songtext geht dir auch nicht sofort ins Ohr. Dann bist du eine auditiv schwache Person. Du kannst Informationen nicht so gut über die Ohren aufnehmen.

Dafür malst du gerne auf einem Blatt herum, wenn du zuhörst, und weißt sogar im Nachhinein wieder, was dir erzählt wurde, als du auf genau diesem Blatt rumgemalt hast.
Also empfehle ich dir, immer Notizen zu machen, wenn dir etwas erklärt wird.

Du bist in diesem Beispiel ein visueller Lerntyp.

Du solltest viel mit Mind-Maps oder Concept-Maps arbeiten. Bilder, Schemata und Zeichnungen sind genau dein Ding!

Visueller Lerntyp:

  • Bilder
  • Schemata
  • Zeichnungen
  • Mind-Maps
  • Concept-Maps

Mit ödem Volltext oder Hörbüchern kann der visuelle Lerntyp nichts anfangen. Es sei denn, es handelt sich beim visuellen Lerntyp um eine Kombination aus mehreren Lerntypen!

Es gibt beispielsweise den visuell-auditiven Lerntyp. Die Lernstrategie für diese Art des Lerntyps sind Kombinationen aus Bild und Ton. Und das sind – ganz klar  – Videos.

Abgesehen von Lernvideos hilft dem visuell-auditiven Lerntypen, dem Lehrer an der Tafel zu folgen und durch abwechslungsreiche Mediennutzung unterhalten zu werden.

Eine Präsentation, eine Mind-Map, ein anschauliches Tafelbild und Gestikulieren des Lehrenden sind eine grandiose Lernstrategie für diesen Typ.

Visuell-auditiver Lerntyp:

  • Lernvideos
  • Abwechslungsreiser Medieneinsatz

Wie lernt der auditive Lerntyp am besten?

Auditive Strategien sind, wie oben bereits genannt, vor allem das Zuhören. Der auditive Lerntyp lernt am besten, wenn er jemandem zuhört, sei es auch er selbst.

Wenn du dich als auditiver Lerntyp auf eine Klausur vorbereitest, solltest du dir selbst deine Zusammenfassungen oder Buchtexte vorlesen.

Bei ganz schwierigen Themen empfehle ich dir, dass du Fakten mit einem Mikrofon aufnimmst und immer wieder abspielen lässt, bis sie durch dein Ohr in das Langzeitgedächtnis gelangt sind und dauerhaft abrufbar werden.

Auditiver Lerntyp:

  • Hörbücher
  • Zuhören
  • Sich selbst vorlesen
  • Etwas in Dauerschleife hören

Auch ziemlich häufig: Der motorisch-auditive Lerntyp. Die beste Lernstrategie für motorisch-auditive Menschen ist es, Hören und Bewegen zu kombinieren.

Selbst aufgenommene Fakten, die der MP3-Player abspielt, Sachbücher als Hörbücher oder einfach ein Vor-Sich-Hin-Reden kommen beim Joggen, Yoga, Tanzen oder in der Gegend rumlaufen am besten im Langzeitgedächtnis des motorisch-auditiven Lerntyps an.

Motorisch-auditiver Lerntyp:

  • Sport + Mp3-Player mit Informationen
  • In der Gegend rumlaufen und sich selbst Inhalte erzählen

Übrigens: Wenn dir die Lernstrategien für den motorisch-auditiven Lerntyp beim Lesen dieses Artikels komisch oder dämlich vorkommen, bist du vermutlich keiner dieser Lerntypen!

Lernstrategien für den kommunikativen Lerntyp

Was hältst du von Gruppenarbeit? Ist das Zeit- und Potentialverschwendung oder Balsam für die Seele, weil du endlich etwas lernst?

Kein anderer Lerntyp ist so einfach bestimmbar wie der kommunikative Lerntyp. Sieh dich in deiner Berufsschulklasse um: Die einen lieben Gruppenarbeit, die anderen hassen sie. Es gibt eher wenige Menschen, die hier genau zwischen den Stühlen stehen.

Der kommunikative Lerntyp muss Gruppenarbeit aber nicht lieben. Bei Gruppenarbeiten in der Schule gibt es immer wieder eine Person, die sich mitschleppen lässt, die anderen also arbeiten lässt und selbst faul ist. Das nervt und gibt es in jedem Team, immer und überall. Daran lässt sich nichts ändern.

Aber wer Gruppenarbeit liebt, ist in der Regel ein kommunikativer Lerntyp.

Er oder sie erklärt Sachverhalte gerne anderen Menschen, um sie erst dann selbst so richtig zu begreifen. Etwas immer wieder in eigenen, neuen Worten zusammenzufassen sorgt dafür, dass die Information im Langzeitgedächtnis verankert wird.

Andere Lernstrategien sind alle anderen Formen des Lernens, die in der Gruppe erfolgen können, darunter vor allem diskutieren und debattieren. Ein persönlicher Bezug, eine Meinung und ein Gegenüber sind die wichtigsten Ausgangsbasen für kommunikative Lernstrategien.

Kommunikativer Lerntyp:

  • In eigenen Worten zusammenfassen
  • Jemandem etwas erklären
  • Gruppenarbeit
  • Diskussionen
  • Debatten

Besonders Kinder im Alter von 8 – 13 Jahren sind Mischtypen aus dem kommunikativen und dem visuellen Lerntyp. Daher sitzt man in der Grundschule und Unterstufe als Kind häufig an Gruppentischen. Eine der typischsten Aufgabe ist das gemeinsame Gestalten eines Plakates.

Wenn du ein visuell-kommunikativer Lerntyp bist, dann erklärst du Sachverhalte gerne veranschaulicht deinem Gegenüber oder dir selbst. Mit Ideen von außen kannst du gut arbeiten und sie in Skizzen, Bilder, Schemata o.ä. einbauen.

Visuell-kommunikativer Lerntyp:

  • Gemeinsames Gestalten
  • Aufgrund von Schemata frei erklären

Motorisch angelehnte Lernstrategien

Auffallend viele Männer und Jungs sind so genannte motorische Lerntypen. Zu den geeigneten Lernstrategien gehören hier Experimente, Gesten und natürlich Bewegung.

Stille motorische Lerntypen lernen am besten, wenn sie sich bewegen und dabei lesen oder Lerninhalte gedanklich wiederholen. Aktives motorisches Lernen ist besonders bei Experimenten und deren Besprechung erfolgreich.

In der Praxis unseres Berufes haben motorische Lerntypen einen großen Vorteil: Sie lernen schneller, mit dem Nummern-Block der Tastatur umzugehen und können sich Strukturen beim Sortieren von Ordnern leichter merken.

Motorischer Lerntyp:

  • Learning by doing
  • Strukturen durch Selbst-Sortieren erfassen
  • Stärken beim Tippen / Nummern-Block
  • Lernen bei Spaziergängen o.ä.

Eine Kombination aus mehreren dieser drei Lerntypen ist übrigens immer möglich. Es gibt nahezu niemanden, der nur einem Lerntyp entspricht und dem nur eine einzige Lernstrategie hilft.

Lerntypen sind in der Regel immer Mischtypen.

Es gibt visuelle-motorische Lerntypen, aber auch auditiv-motorische oder motorisch-kommunikative Lerntypen. Bewegung ist besonders in einem Bürojob wichtig. Gerade, weil wir im Alltag sehr viel Zeit auf einem Bürostuhl verbringen, empfehlen wir, so viel Bewegung wie möglich in den Alltag und das Lernen einzubringen.

Und wenn einfach nur die Motivation fehlt…

Wenn keine der Lernstrategien hilft, die ich die jetzt vorgestellt habe, kannst du dir weitere Gedanken machen, die dich zum Lernen motivieren und deine individuelle Lernstrategie optimieren:

  • Lerne ich besser unter Zeitdruck?
  • Brauche ich ein weites Zeitfenster und lerne aus eigenem Antrieb am besten?
  • Muss es leise sein, wenn ich mich konzentriere?
  • Oder brauche ich eine Geräuschkulisse?
  • Lenkt mich Lernen in der freien Natur ab?
  • Lenken mich soziale Medien, das Internet oder meine Mitmenschen ab?
  • Wie kann ich mich fürs Lernen belohnen? Reichen die Noten? Schokolade? Ein tolles Hobby?
  • Wer kann mir helfen?

Ich rate dir, dir immer das Ziel, nämlich die mit Bravour bestandene Ausbildung zur Steuerfachangestellten, vor Augen zu halten.

Wenn du Hilfe brauchst, kannst du jederzeit im Forum vorbeischauen und Fragen stellen. Oder – besonders, wenn du kommunikative Lernstrategien bevorzugst – beantworte doch einfach ein paar Fragen aus dem Forum. Du wirst sicher schnell merken, dass es immer irgendwo jemanden gibt, der dir helfen kann.

Ähnliche Blogartikel

1 Kommentar
    • Avatar
      Moni
      Jul 28, 2016 08:24 am Reply

      Zum Zeitpunkt wann man mit dem Lernen für die Abschlussprüfung anfangen sollte:
      Unser Lehrer hat gemeint wir sollten jetzt in den Sommerferien einfach mal unsere Unterlagen von Anfang an durchblättern und uns Post-Ist einkleben, bei den Themen wo man denkt “Oh, das haben wir mal gemacht?”. Dann nach und nach mal Karteikarten o. Ä. schreiben mit allen wichtigen Dingen, zum Beispiel bei Einkommensteuer “Wer ist steuerpflichtig?” “Die 7 Einkunftsarten” und eben besonders auf die Themen achten, die man nicht mehr so im Kopf hatte. Das richtige Lernen mit Aufgaben sollte man dann in den Faschingsferien beginnen. Da hat man dann nämlich noch Zeit Verständnisprobleme bis zur Prüfung zu klären. Vor allem die typischen Schemata im Schlaf zu können ist wichtig, weil dann die Wahrscheinlichkeit niedrig ist, dass man in der Prüfung irgendwas vergisst, was man eigentlich könnte.

      Ich werde mit einigen aus meiner Klasse eine Lerngruppe machen und wir wollen uns dann nach den Sommerferien regelmäßig treffen und auch die Notizen zusammen machen.
      Ich finde es hilft auch in einer Lerngruppe mitzumachen, wenn man das Meiste schon kann und auch alleine gut lernen kann, weil man wenn man anderen etwas erklärt das Wissen nochmal anders aufnimmt und in einer Gruppe auch mal Fragen aufkommen, die man selber so nie gestellt hätte.

Hinterlasse uns einen Kommentar