Warum es Recruiting-Filme für Steuerfachangestellte gibt

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Recruiting-Filme polieren das Image einer Firma oder eines gesamten Ausbildungsberufes auf und machen potentiellen Auszubildenden die Ausbildung (gff. im beworbenen Betrieb) schmackhaft.

Einige größere bis große Firmen lassen Recruiting-Filme produzieren, um junge Menschen zu erreichen und anzulocken, aber auch die Steuerberaterkammern sind im Bereich dieser unterhaltsamen Clips vertreten.

Aber wie kommen die Recruiting-Filme bei den jungen Azubis eigentlich an?

Wir haben für euch Vor- und Nachteile der Recruiting-Filme anhand von Beispielen zusammengestellt und zeigen euch, wie man es richtig macht. Aber auch, wie man es falsch macht, lassen wir natürlich nicht unausgesprochen!

Was sind Recruiting-Filme?

Die Jugend liest nicht gern.

Ob das ein weit verbreitetes Vorurteil ist, oder ob es sich um eine traurige Wahrheit handelt, bleibt jedem selbst überlassen. Fakt ist aber, dass Stellenanzeigen häufig gleich klingen und viel zu viel Platz mit den Aufgaben eines Steuerfachangestellten ausgefüllt wird. Ein junger Mensch, der an einer Ausbildung zur Steuerfachangestellten interessiert ist, liest daher gefühlt tausend Mal dasselbe.

Also werden Stellenanzeigen überflogen und auf der Website des Unternehmens die wichtigsten Daten recherchiert.

Um die Abbrecherquote zu senken und nur ernsthaft interessierte Bewerbungen zu erhalten, stellen einige Unternehmen Recruiting-Filme ins Netz. Videos schauen ist ohnehin entspannender, als ständig nur zu lesen und der Interessierte kann gleich ein paar Gesichter aus dem Unternehmen und die Umgebung und Arbeitsmittel kennenlernen.

Das Bauchgefühl eines Jugendlichen wird also schon vor den ersten getippten Zeilen des Bewerbungsanschreibens angesprochen. Klingt super, oder?

Auch die Steuerberaterkammern oder sogar die DATEV eG ist daran interessiert, Menschen für steuerberatende Berufe zu begeistern – also mischen auch sie mit und werben durch Recruiting-Filme ihrerseits nicht für die Ausbildungsstelle an einer bestimmten Firma, sondern für das gesamte “Berufspaket“.

Falsche Vorstellungen in den jungen Köpfen

Ein Nachteil von Recruiting-Filmen ist es, dass Recruiting-Filme häufig nur die Vorteile herausstechen lassen und Nachteile eher unter den Teppich kehren. Das Unternehmen zeigt sich von seiner besten Seite und zeigt, wie toll die Ausbildung sein könnte, wenn es so wäre, wie es im Film gezeigt wurde.

Der „Imagefilm Steuerfachangestellter“ der Bundessteuerberaterkammer enthält unter anderem eine Aussage, die darauf schließen lässt, dass ausgelernte Steuerfachangestellte einen guten Verdienst haben. Nein, nicht nur das, angeblich verdient man einen Haufen Kohle, sodass man sich glatt den Kontoauszug auf den Unterarm tätowieren lässt. Dazu zeigt der Recruiting-Film ein passendes Foto mit einem Kontostand von guten 92.000,00€ auf dem Unterarm eines jungen Mannes.

Mit einem Einstiegsgehalt von etwa 1.800,00€ und einem Durchschnittsverdienst von etwa 2.300,00€ (Quelle: gehalt.de) bräuchte ein Steuerfachangestellter etwa 40 Jahre, um brutto ohne Lebenshaltungskosten, Sozialversicherung und andere Abzüge das zu verdienen, was die Bundessteuerberaterkammer in ihrem Recruiting-Film nennt.

Das ist nicht gerade der richtige Weg, um junge Leute dazu zu animieren, diese Ausbildung zu erlernen.

Das ist leider eines von vielen Paradebeispielen, die überzogene Hoffnungen und Vorstellungen in unseren Köpfen sähen und die Enttäuschung beim Blick auf den Gehaltszettel nach der Ausbildung riesig werden lassen.

Die Realität sieht leider häufig anders aus. Früher oder später kann das durch Erfahrungsberichte enttäuschter Ausbildungsabbrecher auf die Firma oder – wie bei unserem Beispiel der Bundessteuerberaterkammer – auf das gesamte Berufsbild zurückschlagen.

Realistische Imagefilme

Manche Recruiting-Filme sind tatsächlich so gut gelungen, dass sie ein realistisches Bild der Ausbildung zur Steuerfachangestellten abgeben. Ein Beispiel hierzu bildet der Imagefilm über den Ausbildungsberuf von “gut-ausgebildet.de“.

Die Azubine erzählt und zeigt, wie ihr Alltag abläuft und welche Aufgaben sie erledigt. Sie berichtet vom Fristenbuch, Hilfstätigkeiten wie Kopieren und Scannen und Buchführungen. Dabei ist das Spannendste die Mandanten-Vielfalt der Buchführungen.

Das empfinde ich als sehr realistisch und angemessen, denn hier sieht man echte Freude an der Arbeit und erfährt etwas Wirkliches und Reales darüber, was im Alltag zu tun ist.

Diese Art von Recruiting-Filmen hilft interessierten Personen sich ein Bild davon zu machen, ob die Ausbildung die richtige Wahl für sie ist.

Wer oben genannte Aufgaben schon beim Lesen langweilig findet, wird im ersten Lehrjahr unglücklich.

Ich denke, es ist besser, bodenständig zu sein und zu wissen, was einen erwartet, denn nur so kann man Unglück vermeiden.

Wir sehen also: Wichtig ist die Nähe zur Realität und das Zeigen von dem, was die Auszubildende zur Steuerfachangestellten den ganzen Tag macht.

 

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Wie man es NICHT angehen sollte

Ein Parade Beispiel wie man es nicht machen sollte möchte euch nicht vorenthalten:

Was nach Selbstironie und Humor aussieht, ist ein ernsthafter Recruiting-Film. Der Versuch, dem Image als grauen, langweiligen Bürojob zu entkommen, geht auf diese Weise nach hinten los und zeigt niemandem, was man mit dem Beruf erreichen oder lernen kann und was der Inhalt dieser Arbeit ist. Es wird lediglich dargestellt, dass der Beruf scheinbar unheimlichen Spaß machtwenn man ihn links liegen lässt und tanzt.

Grau, trocken und langweilig im Büro? Nicht mit uns!

Ein riesiger Vorteil von Recruiting-Filmen ist, dass sie Begeisterung für etwas erwecken können, was tatsächlich spannend und einfach „das Richtige“ sein kann. Gerade der Beruf der Steuerfachangestellten ist häufig unentdeckt / unbekannt und viele Schulabgänger haben noch nie davon gehört, dass es ihn gibt.

Während Recruiting-Filme wie der der Bundessteuerberaterkammer den Beruf prompt in „Executive Global Headchief Manager of Super Master Steuerzeug“ umbenennt und für Lacher und Interesse sorgt, gibt es tatsächlich viele Aufgaben einer Steuerfachangestellten, die man von außen so nicht kennt und erst durch Recruiting-Filme spannend findet.

Der perfekte Recruiting-Film eines Unternehmens

Den perfekten Recruiting-Film gibt es nicht? Stimmt nicht, den gibt es doch!

Landvolk Mittelweser” hat in seinem Recruiting-Film alles richtig gemacht.

Der potentielle Azubi bekommt ein lebendiges und realistisches Bild von dem, worauf er sich vielleicht einlassen wollen wird. Erreicht hat Landvolk Mittelweser das, indem der Recruiting-Film folgende Inhalte enthält:

  • Zwei Meinungen von Auszubildenden in verschiedenen Lehrjahren
  • Realistische Einschätzung der positiven Seiten
  • Darstellung des praktischen Ablaufes der Ausbildung (Wer bildet wie aus?)
  • Nennung interner Schulungen
  • Ausbildungsbeauftragte stellt sich dar
  • Geschäftsleiter meldet sich auch zu Wort
  • Zukunftschancen, Fortbildungsmöglichkeiten werden erwähnt
  • interessante Besonderheiten werden genannt

Recruiting Filme sind eine tolle Kommunikationsmaßnahme die Details und die Realität eines Berufsbildes oder auch einer Firma darzustellen. Wichtig dabei ist es keine verschönerte Welt darzustellen, sondern authentisch zu bleiben.

Was ist deine Meinung? Haben sich deine Ansprüche und Erwartungen an eine Ausbildung im Steuerbüro durch Recruiting-Filme bestätigt oder eher widerlegt? Beteilige dich gerne an einer Diskussion im Forum!

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1 Kommentar
    • Avatar
      Alexander
      Okt 24, 2016 00:32 am Reply

      Ohne Moos nix los!
      Wenn Mitarbeiter mit 1,600 bis 2,000 Euro abgespeist werden, nützt auch ein Filmchen nix. Das Gehalt ist der Hauptgrund, warum so wenige dauerhaft in der Steuerberatung arbeiten möchten.

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