Deine Rolle als Azubi und wie du sie meisterst

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Unter deinen Aufgaben für den Betrieb und für deine Ausbildung finden sich zwei Kategorien von Aufgaben. Die, die Hilfstätigkeiten sind, die stets der macht, der in der Hierarchie am weitesten unten steht. Sie bezeichnen wir als „Azubi-Aufgaben“.

Aber zunächst möchte ich auf deine Rolle im Betrieb eingehen. Das erwartet dich in der Praxis:

  • Einkommensteuer-Erklärungen
  • Buchführung
  • Jahresabschlüsse
  • Lohn und Gehalt
  • Allgemeine Büroarbeiten
  • Sonstige Steuererklärungen

Deine Rolle als Azubi macht im Betrieb im ersten Lehrjahr sicherlich zunächst das Erledigen von allgemeinen Büroarbeiten aus. Denke bei deinen Aufgaben daran, dass du den Betrieb kennenlernen sollst und ein Gefühl für den Beruf bekommen sollst.

Du solltest dich zunächst untergeordnet verhalten. Führe alle Aufgaben sorgfältig durch und sei stets freundlich. Traue dich, nachzufragen!

Neben den Ausbildungsinhalten gibt es allerdings auch Azubi-Aufgaben, wobei es eher schwierig ist, deine Rolle als Azubi zu definieren und das richtige Verhalten herauszufinden. Leider sind Azubi-Aufgaben ein Bereich, zu dem es viele Meinungen gibt. Oft ist es Erwägungssache, wie du dich verhalten solltest.

Das leidige Thema Azubi-Aufgaben

Azubi-Aufgaben, das meint häufig Praktikantenaufgaben, die eigentlich ausbildungsfremd sind. Aber auch Hilfstätigkeiten, die zur Ausbildung  gehören, gehören zu diesen Aufgaben.

Die Hilfstätigkeiten erzielen eher Ordnung als Umsatz und können nicht selbstständig ausgeführt werden. Sie entstehen durch die Arbeit der ausgelernten Kräfte und begleiten in der Regel eine große Gesamtaufgabe.

Zu diesen Hilfstätigkeiten gehören eurer Meinung nach vor allem:

  • Kopieren
  • Scannen
  • Jahresabschlüsse binden
  • Archivieren
  • Telefondienst
  • Postbuch
  • Fristenbuch
  • Literatur sortieren
  • Akten vernichten

Die ausbildungsfremden Aufgaben, die aber „irgendwie erledigt werden müssen“, sind:

  • Kaffee kochen
  • Einkaufen gehen
  • Pakete wegbringen

Irgendwo ist es selbstverständlich, dass der Azubi den Kaffee kocht. Damit sind wir sicherlich alle einverstanden. Aber schon beim Punkt „Einkaufen“ spalten sich die Meinungen.

Ich persönlich hole etwa einmal in der Woche Wasser. Die großen Sixpacks mit je 6 Flaschen mit 1,5 Liter Wasser trage ich dann zu Fuß einen guten Kilometer ins Büro. Um Rückenschäden durch einseitige Belastung zu vermeiden, kaufe ich gleich immer zwei.

So gehe ich im angesagten „Farmer’s Walk“ (Es soll Leute geben, die dafür im Fitnessstudio Geld bezahlen!) mit 18 Litern Wasser durch die Welt. Ist das okay oder nicht?

Hier werden sich die Meinungen spalten, ich bin schon jetzt gespannt auf die Kommentare.

 

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Was sagt die Steuerberaterkammer zu den Azubi-Aufgaben?

Für diesen Artikel rief ich einfach mal die Steuerberaterkammer Niedersachsen an und habe mit einer sehr freundlichen, jungen Frau gesprochen.

Zum Thema ausbildungsfremde Arbeiten hat sie eine klare Meinung:

Kaffee kochen, nicht regelmäßig einkaufen und zur Post gehen und das Archiv aufräumen sind okay. Sobald das Einkaufen wöchentlich stattfindet oder eine körperliche Belastung darstellt, ist das ein guter Grund, das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen – denn so soll es nicht laufen!

Es ist auch in Ordnung, die Küchenfläche abzuwischen, wenn du einen Fleck dort siehst. Sobald sich aber ein Kollege neben einen Kaffeefleck stellt und nach dem Putz-Azubi brüllt, läuft etwas schief.

Die Faustregel, die die nette Dame ihrer Meinung zugrunde gelegt hat, ist: „Der Betriebsablauf muss im Alltag organisiert werden“.

Das meint, dass du als Azubi nicht dazu da bist,…

  • Ein Netzwerk einzurichten
  • Computer-Probleme zu lösen
  • Übermäßig zu putzen (Spülmaschine ausräumen etc. ist in Ordnung)
  • Jemanden im Urlaub zu vertreten

Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass du nicht…

  • den Keller aufräumen,
  • Mülldienst machen,
  • Kühlschränke reparieren,
  • Türklinken reparieren,
  • Anleitungen für den gesamten Betriebsablauf schreiben,
  • die Bedienung eines neuen, fremden Programms selbstständig erarbeiten,
  • den Boden wischen,
  • Kühlschränke auswischen,
  • Klos putzen oder
  • allen anderen hinterherputzen musst.

Generell gilt: Vorsicht mit deiner Meinung!

Ich möchte noch einmal auf meine Azubi-Aufgabe zurückkommen, bei welcher ich wöchentlich 18 Kilogramm zu Fuß durch die Gegend schleppe. Meine Kollegen, die übrigens allesamt je ein Auto besitzen und damit zum größten Teil auch zur Arbeit fahren, sind der Meinung, dass ich mich dagegen wehren soll.

Aber ich, also nur ich, ganz persönlich, mache viel Fitness-Training und sehe diese Azubi-Aufgabe als wöchentliche Herausforderung. Oder eher als Unterstützung meines Trainings, während welcher ich auch noch bezahlt werde!

Also wehre ich mich nicht, weil ich glaube, dass es keinen Grund dazu gibt, sich zu wehren.

Würde ich in einem Büro mit Anzugspflicht arbeiten und im Hochsommer bei 30 °C mit einem schwarzen, engen Kostümchen vor mich hin schwitzen, so würde ich mich gegen diese Aufgabe beschweren. Hätte ich bedenkliche Rückenprobleme oder würde schwanger werden, selbstverständlich auch.

Was ich damit verdeutlichen will, ist, dass das richtige Verhalten eines Azubis meist Erwägungssache ist. Wenn dir Aufgaben aufgetragen werden, die zumutbar sind, dann mache sie. Sind sie nicht zumutbar, sprich mit jemandem darüber!

Von vornherein „nein“ zu schreien ist nie gut. Ausprobieren steht für mich an erster Stelle.

Das richtige Verhalten eines Azubis

Ich habe innerhalb der ersten 14 Monate meiner Ausbildung gelernt, abzuwägen, was richtig und falsch ist.

Während ich noch im Juli 2015 das Urinal vom Chef geputzt habe, weil ich befürchtete, als Azubi sei man ein regelrechter Sklave, bin ich heute, im Juli 2016 in der Lage, auch mal zu sagen: „Nein, ich hole jetzt kein Wasser. Die Sonne scheint, wir haben 30 °C. Einkaufs-Wünsche bitte immer so anmelden, dass ich morgens vor der Arbeit einkaufen gehen kann!“.

Daraus ergibt sich eine

Checkliste für das perfekte Verhalten:

  1. Fühler ausstrecken! Wie verhalten sich die anderen?
  2. Anpassen (mindestens so lange du in der Probezeit bist!)
  3. Recherchieren, ob deine Aufgaben so in Ordnung sind
  4. Ggfs. höfliche Anmerkung machen
  5. Notfalls Steuerberaterkammer anrufen (die sind echt kompetent und freundlich!)
  6. Gespräch suchen

Das gilt nicht nur für die Azubi-Aufgaben, die oft ausbildungsfremd sind. In abgewandelter Form gilt das auch für deine Rolle als Azubi im Bereich der Ausbildungsinhalte und ähnlicher Hilfstätigkeiten:

    1. Fühler ausstrecken! Wie verhalten sich die anderen?
    2. Anpassen, versuchen, alles richtig zu machen
    3. Bei Fragen und Unstimmigkeiten Fragen stellen
    4. Dich kontrollieren lassen
    5. Resümieren und daraus lernen

Aber abgesehen von diesen beiden Empfehlungs-Checklisten gibt es noch ungeschriebene Regeln, die du in deinem Betrieb in den ersten Monaten lernst.

Beispielsweise, dass die Aufgaben, die dir der Chef persönlich gibt, in der Regel Vorrang vor anderen haben – dafür bekommst du spätestens ein Gefühl, wenn du mit den Fristen für andere Aufgaben und der betrieblichen Struktur und Hierarchie vertraut bist.

Zusammengefasst soll der perfekte Azubi zunächst demütig und aufmerksam sein, sich nach und nach an die Ausbildung gewöhnen, und irgendwann ein eigenes Verständnis vom richtigen Verhalten bekommen.

Übrigens: Wenn du dich mit den Kollegen gut verstehst und auch Ausbilder und Arbeitgeber annähernd mit dir auf einer Wellenlänge zu sein scheinen, machst du alles richtig. Je angenehmer der Alltag, desto besser das Azubi-Verhalten.

Wie sieht es bei dir aus? Verstehst du dich gut mit den Kollegen und Vorgesetzten? Teilt ihr euch die Aufgaben, oder bist du immer der „Depp vom Dienst“? Wie verhältst du dich und welche Aufgaben übernimmst du? Es gibt noch so herrlich viel zu sagen, also sage es gerne in den Kommentaren oder im Forum!

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