Wie ich geprüfte Bilanzbuchhalterin geworden bin – von Katja M.

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Wie ich geprüfte Bilanzbuchhalterin geworden bin – Damals wie heute steht sie plötzlich im Raum, die Frage aller Fragen: „Und, was willst du mal werden?“ Während die einen bis zum Schulabschluss eine genaue Vorstellung davon haben, welchen Beruf sie einmal ausüben möchten, brauchen die anderen etwas länger, um sich zu orientieren.

Auch bei mir musste nach dem Abitur noch einige Zeit vergehen, bis ich mich zwischen den vielen Berufsalternativen für eine kaufmännische Ausbildung entschieden hatte. Um einige Eindrücke zu sammeln, beschloss ich damals, verschiedene Praktika zu absolvieren. Was eine geprüfte Bilanzbuchhalterin überhaupt macht, wusste ich zu der Zeit noch gar nicht.

Wieso habe ich mich für die Ausbildung zur Steuerfachangestellten entschieden?

Eine hervorragende Grundlage für eine Karriere als geprüfte Bilanzbuchhalterin ist die Ausbildung zur Steuerfachangestellten – und genau das ist auch mein Weg gewesen.

Meine ersten Erfahrungen in einem Steuerbüro konnte ich während eines Praktikums sammeln. Hierbei stellte ich sehr schnell fest, dass diese Berufsrichtung, entgegen der Vorstellung vieler, sehr interessant und vielfältig ist. Und so wurde meine Beschäftigung im Anschluss an mein Praktikum bei einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (mit zwei Chefs und acht Angestellten) eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten.

geprüfte Bilanzbuchhalterin

© Kurhan – Fotolia.com

Zu den Kunden eines Steuerberaters, den sogenannten Mandanten, gehören sowohl Unternehmer aus den unterschiedlichsten Bereichen aus Industrie, Handel, Handwerk und aus dem Dienstleistungsbereich als auch Angehörige der freien Berufe und Privatpersonen. Aufgrund dieser Mandantenvielfalt habe ich die Ausbildung immer als sehr abwechslungsreich und niemals als eintönig empfunden.

Steuerfachangestellte unterstützen den Steuerberater bei allen anfallenden Arbeiten rund um das Thema Steuern, Rechnungswesen und betriebswirtschaftlicher Beratung. Sie erlangen während ihrer Ausbildung einen fundierten Überblick über diese Bereiche und das macht sie zu vielseitig einsetzbaren Fachleuten. Durch dieses erworbene Fachwissen haben sich für mich im Anschluss an die Ausbildung viele Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt eröffnet.

Denn ein Blick auf die Stellenanzeigen in Zeitungen oder im Internet macht eines sofort klar: Steuerfachleute sind gefragt und werden immer wieder gesucht. Das liegt daran, dass sie nicht nur typischerweise im Steuerbüro anzutreffen sind, sondern es ist ebenso möglich in der freien Wirtschaft oder in öffentlichen Verwaltungen einen Arbeitsplatz zu finden. Und wer nicht unbedingt als Angestellter arbeiten möchte, kann sich sogar selbstständig machen, beispielsweise mit einem Buchhaltungsservice. Aber auch als Beratungsstellenleiter für einen Lohnsteuerhilfeverein zu arbeiten, zeigt, wie flexibel die Einsatzmöglichkeiten eines Steuerfachangestellten sind.

Für wen ist die Ausbildung geeignet?

Zu den Aufgaben eines Steuerfachangestellten gehört das Erstellen der Finanz- und der Lohnbuchhaltung der verschiedensten Unternehmensformen. Die vorbereitenden Tätigkeiten zum Jahresabschluss, aber auch das selbstständige Erstellen von kleineren Gewinnermittlungen, bis hin zur Anfertigung von Steuererklärungen für Unternehmen und Privatpersonen, fällt in ihr Aufgabengebiet.

Zum Alltag in einer Steuerkanzlei gehört weiterhin, neben allgemeinen organisatorischen Arbeiten, das Prüfen der Steuerbescheide vom Finanzamt und gegebenenfalls das Einlegen eines Einspruches, die Korrespondenz mit Mandanten oder der Schriftwechsel mit verschiedenen Ämtern. Der mündliche und schriftliche Ausdruck will also gelernt sein. Neben einem ausgeprägten Zahlenverständnis und der Fähigkeit analytisch zu denken, müssen steuerliche und rechtliche Sachverhalte verstanden werden und es sollte Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen bestehen.

Der Umgang mit Gesetzestexten und anspruchsvoller Fachliteratur, ebenso die Bereitschaft, sich in komplexe Fälle und Themen einzuarbeiten, gehören zum täglichen Brot eines Steuerfachangestellten. Der Anspruch an sorgfältiges und selbstständiges Arbeiten ist in dieser Ausbildung sehr ausgeprägt und die Aufgaben, mit denen ein Steuerfachangestellter in der Praxis vertraut wird, sind umfassend und verlangen die konsequente Bereitschaft, sich jederzeit fortzubilden. Nur wer sich das Wissen über die sich ständig ändernde Rechtsprechung aneignet, dem ist auch der berufliche Erfolg sicher.

Da der Steuerberater ein Dienstleister ist, sollte auch der Steuerfachangestellte einen serviceorientierten Umgang mit den Mandanten pflegen, kontaktfreudig sein, Kommunikationstalent besitzen und allgemein Freude im Umgang mit Menschen haben. Fristen oder Abgabetermine müssen stets im Auge behalten werden, das heißt, man muss in der Lage sein, gut mit dem ständigen Termindruck umgehen zu können. Unter den kaufmännischen Ausbildungen weist die Ausbildung zum Steuerfachangestellten demnach ein hohes Niveau auf, dessen man sich, falls man diese Ausbildung wählt, gewiss sein sollte.[sam id=”3″ codes=”true”]

Was hat mir am meisten Spaß gemacht?

geprüfte Bilanzbuchhalterin

© Jeanette Dietl – Fotolia.com

Aufgrund der vielen Mandanten aus den verschiedensten Branchen, erhielt ich interessante Einblicke in die finanziellen Strukturen von diversen Unternehmen und lernte eine Menge unterschiedlicher Menschen kennen. Durch die ständig neue Rechtsprechung bestand immer wieder die Aufforderung zu lernen, somit kam auf jeden Fall keine Langeweile auf. Positiv an diesem Beruf sind definitiv die vielen Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln, denn nach der Ausbildung ist noch lange nicht Ende der Fahnenstange. Wer den Anspruch an sich hegt, für den besteht sogar die Möglichkeit, eines Tages die Prüfung zum Steuerberater abzulegen.

Was war nicht so schön?

In Anbetracht der Verantwortung, die ich als Fachangestellte schon bereits während der Ausbildung übernehmen musste, ist die Ausbildungsvergütung sehr gering gewesen. Auch viele unbezahlte Überstunden waren an der Tagesordnung und stellten nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Ausbildungskollegen leider keine Seltenheit dar.

Und wie bin ich dann geprüfte Bilanzbuchhalterin geworden?

Nach meiner Ausbildung im Steuerbüro wollte ich weitere Erfahrungen sammeln und wechselte den Arbeitsplatz in die Steuerabteilung eines produzierenden Unternehmens. Hier gefiel mir an meiner Stelle als Steuerfachangestellte ganz besonders, dass ich mit allen Teilbereichen des Betriebes konfrontiert wurde. Alle Vorgänge im Betrieb, vom Einkauf bis zur Produktion, vom Verkauf bis hin zum Qualitätsmanagement und der Kontakt mit sämtlichen Mitarbeitern aus diesen Bereichen waren relevant, um die Finanz- und Lohnbuchhaltung zu erstellen.

Während dieser Zeit machte ich berufsbegleitend ein Studium zur Betriebswirtin, was mir sehr geholfen hatte, betriebliche Zusammenhänge noch besser zu verstehen. Nach ein paar Jahren wurde das Unternehmen an einen ausländischen Investor verkauft. Durch den Wechsel von einem mittelständischen Unternehmen hinein in eine große Konzernstruktur wurde von heute auf morgen neben der nationalen steuerlichen Gesetzgebung die internationale Rechnungslegung für meinen Alltag bedeutend. Und so habe ich mich entschlossen, eine Weiterbildung zu absolvieren und geprüfte Bilanzbuchhalterin zu werden.

Fazit

Meiner Meinung nach ist es gerade im steuerberatenden Beruf möglich, sich in vielerlei Hinsicht zu entwickeln. Rückblickend würde ich diesen Weg auf jeden Fall wieder gehen. Das bedeutet natürlich auch, dass ich die Ausbildung zum Steuerfachangestellten jederzeit weiterempfehlen würde. Mit dieser Ausbildung wählt man einen interessanten und abwechslungsreichen Beruf, der zudem zukunftsorientiert ist und vielseitige Perspektiven und ebenso viele Einsatzmöglichkeiten bietet.

 

von Katja M. (29 Jahre – ehemalige Auszubildende zur Steuerfachangestellten)

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