Arbeitsunfähig als Azubi – Was du beachten solltest!

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Durch Krankheit arbeitsunfähig sein: Das passiert jedem einmal. Deinem Chef, den Kollegen und den anderen Auszubildenden, und dich wird es auch irgendwann treffen.

Ob Grippewelle, Unfall oder unerwartete, unangenehme Überraschungen. Jeder wird im Laufe seines Berufslebens mehrmals arbeitsunfähig durch Krankheiten oder Unfälle.

Durchschnittlich 14,2 Tage fehlen deutsche Arbeitnehmer im Jahr durchschnittlich.

Doch was ist zu tun, wenn du krank wirst?

Welche Rechte und Pflichten hast du als Auszubildende?

Und welche Rechte und Pflichten hat der Arbeitgeber?

Wie du dich richtig krank meldest

Wenn du zu krank bist, um zur Arbeit oder zur Schule zu gehen, musst du als erstes im Betrieb anrufen. Du bist verpflichtet, deinem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer der Fehlzeit sofort mitzuteilen.

An Berufsschultagen ist es wichtig, dass du dich in der Kanzlei und in der Schule meldest.

Die Berufsschulen haben verschiedene Regelungen, wenn ein Berufsschüler arbeitsunfähig ist. Aber in der Regel solltest du dich telefonisch im Sekretariat deiner Berufsschule melden, nachdem du in deiner Kanzlei angerufen hast.

Im Anschluss schreibst du (oder deine Eltern, solltest du minderjährig sein) eine Entschuldigung an den Klassenlehrer, wie du es noch aus der Schule vor deiner Ausbildung kennst.

Wenn du länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig bist, musst du eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb vorlegen.

Wirst du beispielsweise am Montag krank und voraussichtlich am Mittwoch gesund, benötigst du vom Gesetz aus keine Arbeitsunfähigkeitbescheinigung. Beginnt deine Arbeitsunfähigkeit am Freitag und du kommst erst Dienstag wieder zur Arbeit, so musst du eine Krankmeldung von einem Arzt anfertigen lassen, auch wenn du in beiden Fällen nur zwei Arbeitstage versäumst.

Die Krankenkasse benötigt im Krankheitsfall ebenfalls unverzüglich eine Krankmeldung.

Viele Ärzte senden sie eigenständig an die Krankenkasse, manche Ärzte drücken dir aber einfach zwei Krankmeldungen in die Hand. Das eine Attest ist eine Krankmeldung zur Vorlage beim Arbeitgeber und das andere Attest ist mit einem Diagnoseschlüssel und Angaben über den Befund versehen und für deine gesetzliche Krankenkasse bestimmt. Diesen Schein musst du unverzüglich an deine Krankenkasse senden.

Bist du länger arbeitsunfähig, als der Arzt es dir auf deinem Attest bescheinigt hat, musst du eine neue Bescheinigung vorlegen. Auch bei einem zu langsam ausklingenden grippalen Infekt musst du ein zweites Mal zum Arzt.

Übrigens: Wann und wie du dich krank melden musst, regelt §5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes.

Der Arbeitgeber hat eine Pflicht zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Dein Arbeitgeber hat das Recht, ein Attest bereits am ersten Tag zu fordern, an dem du arbeitsunfähig bist.

Wenn du arbeitsunfähig bist, wird dir deine Ausbildungsvergütung weiterhin bezahlt.

Im ersten Monat der Ausbildung übernimmt das deine Krankenkasse. Bei längerer Beschäftigung in deiner Ausbildungskanzlei bezahlt dir dein Chef die arbeitsunfähige Zeit bis zu sechs Wochen lang.

Diese Angaben gelten jeweils für eine einzige Erkrankung. Bist du ab Juni sechs Wochen beispielsweise durch eine Operation krank und hast im Dezember noch eine Woche eine starke Grippe, so hat der Arbeitgeber in beiden Fällen die Pflicht zur Entgeltfortzahlung.

Solltest du durch schwerere Leiden länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sein, bist du nach diesen sechs Wochen nicht automatisch gekündigt.

Aber du wirst keine Vergütung mehr bekommen. Es gibt in solchen Fällen allerdings die Möglichkeit, Krankengeld zu beantragen.

Übrigens wird dir deine Ausbildungsvergütung im Krankheitsfall nur bezahlt, wenn du unverschuldet krank geworden bist.

Das bedeutet aber nicht, dass du nach einer Weisheitszahn-Operation oder einer Vasektomie Schuld an deiner Arbeitsunfähigkeit hast. Auch wenn du ihr freiwillig zugestimmt hast. Alles, was Ärzte für notwendig halten, hat seinen Ursprung in einem kranken Körper und somit kannst du nichts dafür.

Es kann übrigens sein, dass der Termin der Operation selbst ein gewöhnlicher Arzttermin und somit kein Tag der Arbeitsunfähigkeit mit Recht auf Lohnfortzahlung ist. Aber die Zeit danach, in der dich ein Arzt krankschreibt, ist es schon.

[us_message color=”success” icon=”fa-info”]Solltest du mit kurzer Hose und nassen Haaren zur Arbeit kommen, wenn es draußen -10°C sind, kann es durchaus sein, dass dir dein Chef unterstellt, dass du einen grippalen Infekt riskierst. In diesem Fall dürfte er dir eine Entgeltfortzahlung verweigern. Auch, wenn aus der Erkältung wegen deines nachlässigen Verhaltens eine Lungenentzündung wird.[/us_message]

Auch wenn du trotz Krankheit während deiner Arbeitsunfähigkeit Aktivitäten verfolgst, die dem Heilungsprozess nicht dienlich sind, kann dein Arbeitgeber eine Entgeltfortzahlung verweigern.

Schlimmer noch, er hat das Recht, dir zu kündigen!

Wer arbeitsunfähig ist, muss sich dem Heilungsprozess fördernd verhalten

Zwar darf dich niemand in deiner Kanzlei nach den Gründen für dein Kranksein fragen. Wenn man dich aber in der Zeit, in der du krank bist, mit einer Grippe in der Sporthalle oder mit Migräne im Sonnenstudio antrifft, ist dies ein Kündigungsgrund.

Natürlich trennen sich hier Theorie und Praxis – immerhin könnte der arbeitsunfähige Azubi auch psychische Leiden haben und ihm täten genau die Sporthalle und die Sonnenbank gut.

 

[sam id=”3″ codes=”true”]

 

Arbeitsunfähig in den Urlaub?

Allgemein reicht es, wenn du nicht arbeitest und keinen Urlaub machst, währen du krankgeschrieben bist.

Wenn du eine Woche krankgeschrieben bist und es rauskommt, dass du in dieser Woche nach Mallorca geflogen bist, wird sich dein Ausbilder um einige Urlaubstage betrogen fühlen.

Andersrum funktioniert die Sache mit dem Urlaub auch: Wirst du während des Urlaubs krank, werden dir die Urlaubstage wieder gutgeschrieben, an denen du krank warst.

Arbeitsunfähig arbeiten?

Und es gilt selbstverständlich unter allen Umständen: Wer unfähig ist, zu arbeiten, darf nicht arbeiten!

Der Arzt hat sich sicherlich etwas dabei gedacht, dich einige Zeit von der Arbeitsstelle wegzunehmen. Also sollst du auch nicht versuchen, ein “Muster-Azubi” zu sein und dennoch zur Arbeit gehen.

Wenn du Mitarbeiter ansteckst oder dich nicht richtig auskurierst, kannst du mit einer solchen Aktion viel Unheil anrichten.

Auch solltest du keinesfalls in deinem Nebenjob arbeiten, wenn du arbeitsunfähig bist. Wenn du für die Arbeit am Schreibtisch in der Kanzlei arbeitsunfähig bist, bist du auch zu krank für die Arbeit im Café um die Ecke.

Sollte dich hier jemand erwischen, ist dir eine fristlose Kündigung so gut wie sicher.

Was dein Chef darf und was nicht

Kläre unbedingt mit deinem Ausbilder oder deinem Chef, wie Arbeitsunfähigkeit bei euch in der Kanzlei gehandhabt wird.

Möchte dein Chef am ersten Tag, an dem ein Mitarbeiter arbeitsunfähig ist, ein Attest haben, so musst du ihm dieses auch vorlegen.

Dein Chef darf dich als Azubi übrigens auch anders behandeln als andere: Er darf von dir ab dem ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen, den ausgelernten Kolleginnen und Kollegen allerdings gewähren, erst ab dem dritten Fehltag ein ärztliches Attest vorlegen zu müssen.

Dein Arbeitgeber darf dir nicht vorschreiben zu welchem Arzt du gehen sollst. Du hast eigentlich immer die freie Arztwahl – es sei denn, du machst dich verdächtig, dir durch vorgetäuschte Krankheit “Urlaubstage” zu erschleichen.

Wirst du häufig an Brückentagen oder fast jedes Mal nach deinem Urlaub krank, darf der medizinische Dienst der Krankenkasse in Anspruch genommen werden.

Dein Arbeitgeber veranlasst so eine Überprüfung der Diagnose, die dir dein Arzt gestellt hat.

Übrigens: Ist ein Kollege krank, ist es niemals deine Pflicht, ihn oder sie zu vertreten. Auszubildende sind zum Erlernen des Berufes in der Kanzlei und Urlaubs- sowie Krankheitsvertretungen gehören zu den ausbildungsfremden Tätigkeiten (§ 14 Abs. 2 BBiG) .

Warum du arbeitsunfähig bist, ist Privatsache!

Was der Arbeitgeber niemals darf, ist, dich so nach dem Grund des Fehlens zu fragen, dass du dich genötigt siehst, du antworten.

Der Befund oder die Diagnose sind absolute Privatsache!

Du musst niemandem sagen, warum du gefehlt hast und du hast das Recht, die Frage nach dem Grund deines Fehlens freundlich abzulehnen.

Du darfst sogar lügen! Wenn dich die Frage nach deiner Diagnose belastet und du niemanden vor den Kopf stoßen möchtest, indem du ihm oder ihr sagst, dass es die fragende Person nichts angehe, darfst du ihnen eine Lüge auftischen, um deine Ruhe zu haben.

Hast du weitere Fragen oder wurde alles geklärt, was du wissen wolltest? Wenn du noch eine Frage hast, schreib doch einen Kommentar und diesen Artikel.

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11 Kommentare
    • Avatar
      Annika
      Mrz 01, 2017 00:18 am Reply

      Hallo,

      Was passiert eigentlich mit der Berufsschule?
      Wir haben gesagt bekommen, dass wir nicht anrufen sollen in der Berufsschule.
      Meinem Betrieb liegen die Atteste vor für die Fehltage, jedoch wollen sie mich auf Grund dessen Abmahnen, da ich unentschuldigt gefehlt hätte.
      Ist dies möglich?

      • Avatar
        Moni
        Mrz 03, 2017 08:38 am Reply

        Wenn du deinem Betrieb die Atteste vorgelegt hast und man sich laut Schule beim Betrieb krank melden soll, hast du alles richtig gemacht. Der Betrieb ist auch erstmal die wichtigere Anlaufstelle, das ist dein Chef und da bist du angestellt, die brauchen deine Krankmeldung am dringendsten.
        Und dein Betrieb will dich jetzt abmahnen, weil du die Atteste nur dort vorgelegt hast? Hört sich seeeehr komisch an. An deiner Stelle würde ich sofort zum Arzt gehen und sagen dein Betrieb hat das Attest verschlampt und du brauchst ein neues. Von sowas eine Kopie vor dem Abgeben machen ist immer am Besten. Aber ich hab ja auch schlechte Erfahrungen gemacht.
        Ich denke nicht, dass eine Abmahnung möglich ist, wenn du die Atteste fristgerecht abgegeben hast.
        Hast du denn morgens Bescheid gegeben, dass du krank bist? (egal ob bei Betrieb oder Schule)
        Falls es doch zu einer Abmahnung kommen sollte: Man kann nur fristlos gekündigt werden, wenn man schon zwei schriftliche Abmahnungen bekommen hat. Dann lasse dir im Falle einer Abmahnung schriftlich geben, wie du in Zukunft deine Krankmeldung zu machen hast, welche Reihenfolge und bei wem du dich überall melden musst.
        Ich würde jedem, dem irgendwas im Betrieb komisch vorkommt eine Arbeitsrechtsschutzversicherung empfehlen, z.B. über eine Gewerkschaft. Die haben auch immer extra Beratung für Azubis.

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      Alexander Neumann
      Sep 06, 2017 20:39 pm Reply

      Hallo ich bin krank geschrieben wegen psychischer Erkrankung Aber wollte trotzdem in die Berufsschule gehen weil nächstes Jahr die Prüfungen sind.
      Mein Arzt meinte wenn das mein Chef erfährt kann er mir eine Abmahnung geben.. was ist also nun richtig und wie soll ich mich am besten verhalten?

      Danke im voraus.

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        Emma
        Sep 07, 2017 09:29 am Reply

        Eine Mitschülerin von mir war auch krankgeschrieben und ist zur Berufsschule gegangen. Auch sie hat eine Abmahnung erhalten.

        Bist du psychisch erkrankt aufgrund deines Betriebs? Dann würde ich dir raten dich in einer anderen Kanzlei zu bewerben und zu wechseln.

        Wenn du aufgrund deiner privaten Lage psychisch erkrankt bist, würde ich dir raten mit deinem Chef darüber zu sprechen und ihn um Rat zu fragen.

        Ich wünsche dir dabei viel Erfolg, gute Besserung und eine erfolgreiche Prüfung.

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      Bachmaier Mariana
      Feb 23, 2018 18:42 pm Reply

      Ich arbeit bei Leihe Firma als Altenpflegerin .
      Ich habe bekommen bis jetzt 2 mini wohnung , keine wärme ,aber beide mit schimmel,jetzt ich bin Krank ,keine Heises Wasser .Firma wurde inf. keine Reaktion ,jetzt ich habe Nephritis und Bronchitis,seit 3 Tage ich bin in KM.Heute hat mich gefragt wenn ich werden Arbeit anfangen,trotzdem weiß alle bescheid das ich bin Krank .Was ich soll machen??????

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      Mr Anonymus
      Feb 23, 2018 19:52 pm Reply

      Guten Tag was ist eigentlich wen ich krank geschrieben bin und raus gehe um einen Kumpel was zu bringen und mein Ausbilder mich draußen sieht wie ich mit meinen Kumpel draußen rum laufe

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      Annemarie Hentschel
      Mrz 13, 2018 21:22 pm Reply

      darf mein Arbeitgeber einen monatsgehalt anfordern wenn ich 34 Tage ohne attest zu Hause war? Ich bin azubi

    • Avatar
      Krümel123
      Mrz 21, 2018 10:30 am Reply

      Hallo zusammen,

      wie ist die Rechtslage, wenn man krank geschrieben ist, aber man jedoch zur Berufsschule möchte? Kann mein Chef mir eine Abmahnung erteilen?

    • Avatar
      Magda
      Sep 17, 2018 15:41 pm Reply

      Das mit der Krankenkasse verstehe ich nicht so richtig.
      Mir hat niemand was davon gesagt das man die Entschuldigung der Krankenkasse schicken muss

    • Avatar
      Maya
      Nov 23, 2018 06:42 am Reply

      Hallo zusammen ,
      ich wollt fragen ob es möglich ist vormittags in der berufsschule zu fehlen (mit krankmeldung ) und dann arbeiten zu gehen , ich leide an panikattacken deshalb fällt es mir schwer in die berufsschule zu gehen

    • Avatar
      Steffi
      Jan 31, 2019 09:40 am Reply

      Wenn ich krank bin und meine Chefin wieder will das ich arbeiten soll bzw ruft an das ich mich gesundschreiben soll funkoniert das ?

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