Wie du die Gehaltsverhandlung richtig angehst

Gehaltsverhandlung
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Es ist ein heikles Thema: Geld in Deutschland. Wenn man Umfragen Glauben schenkt, ist es für 40% der Deutschen tabu, über Geld zu sprechen.

Und ich glaube, kein Mensch auf der ganzen Welt geht entspannt in Gespräche, in denen es dann auch noch mit dem Chef um das eigene Gehalt geht.

Gehaltverhandlungen sind selten einfach.

Niemals solltest du unvorbereitet oder an einem Tag, an dem du dich nicht wohlfühlst, in solch ein Gespräch einsteigen.

In solchen Fällen verschiebe den Termin lieber auf einen anderen Tag.

Leute vom Fach sagen, es ist angebracht, alle 18 Monate bis zwei Jahre über eine Gehaltserhöhung zu sprechen.

Egal, ob du nach der Ausbildung nun um dein erstes „richtiges“ Gehalt feilschen willst oder nach einigen Jahren in deiner Kanzlei denkst, jetzt sollten deine Bemühungen auch finanziell honoriert werden – es gibt ein paar Dinge, die du beachten solltest.

Deine Position

Um überhaupt ein adäquates Maß für deine Gehaltsvorstellung zu finden, brauchst du einen Anhaltspunkt. Es gibt Leute, die sich vorher ganz genau ausrechnen, wieviel sie im Monat schaffen (im wahrsten Sinne des Wortes). Seien es Mandanten, Kunden oder Patienten, die sie „versorgen“. So wird dann ermittelt, wieviel „ich im Unternehmen de facto leiste bzw. wie gewinnbringend ich denn wirklich bin.

Für diese Methode muss man jedoch genau wissen, wieviel Gewinn der Chef pro Mandant etc. einplant bzw. tatsächlich macht.

Ganz unabhängig von dem oben genannten Vorgehen solltest du jedoch immer wissen, wie wertvoll du für deinen Chef bist. Was hast du geleistet für das Unternehmen? Bestenfalls kannst du konkret Projekte bzw. Tatsachen nennen, um dies zu belegen. Mache dir im Vorfeld Stichpunkte, um diese auch für dich persönlich zu visualisieren.

Argumentiere am besten schon während deiner Ausbildung dir selbst gegenüber, wie wichtig du bist (z.B. „Weil ich Projekt XY selbständig geplant, durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen habe, hatte mein Unternehmen einen großen Nutzen.“).

Hast du beispielsweise in deiner Ausbildungszeit aus Eigeninitiative eine Software erlernt, mit der nicht jeder im Unternehmen umgehen kann?

Hast du im Kanzleialltag Bearbeitungsschritte „erfunden“, die den Ablauf verkürzen bzw. optimieren? Falls ja: Wunderbar! Dies sind natürlich hervorragende Argumente in deiner Gehaltsverhandlung nach der Ausbildung!

 

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Deine Recherche im Vorfeld

Hast du dir über dich und deinen Nutzen für das Unternehmen Gedanken gemacht, solltest du nun Detektiv spielen.

Versuche, alles bzgl. Zahlen und Fakten in Erfahrung zu bringen, was Internet allgemein, Firmenhomepage oder Broschüren der Firma/ Kanzlei hergeben.

Gerade wenn du nach deiner Ausbildung in ein fremdes Unternehmen wechselst, bist du mit diesen Informationen noch nicht vertraut.

Sie sind jedoch Grundlage für eine realistische Einschätzung dafür, wieviel Gehalt du überhaupt erwarten darfst.

Hierbei spielen eine Rolle:

  • Unternehmensgröße (je größer, desto mehr bleibt für dein Gehalt übrig 😉 )
  • Standort deines Unternehmens (Leider ist es so, dass in Städten wie München und Hamburg um ein vielfaches mehr Gehalt gezahlt wird – unabhängig von der Branche. Auch spielt der Faktor eine Rolle, ob das Unternehmen ländlich liegt oder in einer Großstadt.)
  • Deine Ausbildung (hast du gerade erst ausgelernt oder kannst du schon ein paar Jahre Berufserfahrung vorweisen/ diverse Praktika u.ä.?). Ob du studiert hast oder „nur“ eine Ausbildung absolviert hast, ist ebenfalls von Belang. Mit einem Studium könntest du im Jahr durchschnittlich 20.000€ mehr im Jahr verdienen!
  • Die zu verhandelnde Gehaltshöhe basiert immer auf dem vorhergehenden Gehalt: Daher ist für Berufseinsteiger essentiell, dass sie bzgl. Ihres Einstiegsgehalts knallhart verhandeln (jedoch mit Feingefühl agieren). Je höher das vorherige Gehalt, desto praller wird dein neues sein!

Auch findest du im Internet auf vielen Seiten Tabellen mit Durchschnittsgehältern der jeweiligen Branche, an denen du dich orientieren kannst. Oder du liest dir unsere Gehaltsreport Artikel durch.

Gehalts- Basar: Warum du Pokern können solltest…

Poker hoch: Es ist ähnlich wie auf dem Basar: Der eine bringt eine Zahl ins Spiel, die sein eigentliches Ziel insgeheim um einiges übertrifft. Der andere drückt diesen Preis. Dies kann sich beidseitig wiederholen. Irgendwann trifft man sich in der guten, alten Mitte.

Auch in der Gehaltsverhandlung solltest du ähnlich vorgehen. Setze für deinen Bruttoverdienst höher an.

Pass´ aber bitte auf, dass du nicht mit utopischen und unverschämt wirkenden Forderungen loslegst. Mehr als 10% Gehaltsforderung, die du auf deinen jetzigen Bruttoverdienst verdienen möchtest, gelten oft als zu frech.

Nicht der Billigste gewinnt…

Umgekehrt ist es so, dass du auch nicht tiefstapeln solltest.

Der Mensch, der dir bei der Verhandlung gegenübersitzt (vielleicht sind es auch mehrere) möchte nicht den einstellen/ weiterbeschäftigen, der ihn am wenigsten kostet. Dies spielt zumindest nicht die wichtigste Rolle.

Chefs möchten sehen, ob du dich realistisch einschätzen kannst. Und außerdem wirkt es nicht attraktiv für einen potentiellen Arbeitgeber, wenn sich jemand unter Wert verkauft.

Dann kann ein Arbeitgeber gleich jemand anderen als Neuling einstellen. Denn letztendlich zählt, was jemand für ihn und sein Unternehmen leistet.

Rechnet sich diese Person für mein Unternehmen? Hat sie Potenzial? Könnte sich das Unternehmen mit Hilfe dieser Person verbessern?

Das sind die vorrangigen Fragen, die deinen Gesprächspartner jetzt umtreiben.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt?

Falls du das Unternehmen schon kennst, gibt es zumindest Zeitpunkte, die du absolut vermeiden solltest, um in eine Gehaltsverhandlung einsteigen!

Ein Unding sind Gespräche zwischen Tür und Angel. Dein Chef ist auf dem Büroflur unterwegs und du glaubst, jetzt mal eben über ein bisschen mehr Geld reden zu können?

Keine gute Idee.

Auch Firmenfeiern eignen sich trotz der dort vorherrschenden beschwingten und lockeren Stimmung wenig für ein Gehaltsgespräch.

Zudem solltest du keinen Zeitpunkt in einer Phase ins Auge fassen, in der die Konjunktur allgemein schleppend verläuft oder das Unternehmen in einer Krise steckt.

Vereinbare einen Termin mit deinem Chef, sowie es auch ein anderweitiger Geschäftspartner tun würde.

Experten halten den Frühling für einen guten Zeitpunkt. Das wird damit begründet, dass alle anderen Mitarbeiter meist zum Jahresende hin beim Chef „vorstellig“ werden.

Wenn du also schon eher im Gespräch bist, hast du nicht so viele andere potentielle Kostenfresser neben dir, die deinem Vorgesetzten Angst machen könnten.

Falls dein Chef dir partout nicht mehr Geld zahlen kann oder will, solltest du als Steuerfachangestellte auch daran denken, dass dein Chef dir Extras wie Diensttelefon, Firmenwagen und andere Dinge steuerfrei zugute kommen lassen kann…

Letztendlich gehört natürlich noch eine Menge Fingerspitzengefühl und Intuition dazu, erfolgreich um dein Gehalt zu verhandeln.

Mit den genannten Tipps solltest du dich jedoch schon gut gewappnet fühlen für deine erste Gehaltsverhandlung.

Falls du den „Gehaltspoker“ schon hinter dir hast dann gibt uns doch ein paar Tipps im Forum!

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