Einstiegsgehalt – Sind die Forderungen der Steuerfachangestellten überzogen?

Einstiegsgehalt
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Das Einstiegsgehalt und die Bezahlung generell sind unter Steuerfachangestellten die am heißesten diskutierten Themen.

Um einen kleinen Eindruck zu bekommen, musst du dir nur einmal den Kommentarbereich unter unserem Artikel zum Gehalt für Steuerfachangestellte anschauen. Mit weit über 50 Kommentaren sind fast ein Drittel aller Kommentare dieser gesamten Seite unter diesem Beitrag.

Es wird heiß diskutiert, warum Steuerfachangestellte so wenig verdienen.

Eines scheint in jeder Diskussion absolut klar: Steuerfachangestellte verdienen einfach zu wenig!

Ich persönlich muss sagen, dass ich immer recht zufrieden mit meinem Gehalt war – auch mein Einstiegsgehalt war in meinen Augen absolut gerecht und angemessen.

Doch obwohl die ganze Steuerwelt gerne über die Gehälter diskutiert, hört man relativ selten konkrete Zahlen.

Wie viel sollte denn ein Steuerfachangestellter verdienen?

Wie hoch sollte das Einstiegsgehalt sein, damit es gerecht ist?

Vor einiger Zeit habe ich eine Diskussion zu diesem Thema in unserem Forum angestoßen: Wann wärst du zufrieden?

Da ich es aber genau wissen wollte, habe ich vor einiger Zeit eine Umfrage auf dieser Seite erstellt und nach dem gerechten Einstiegsgehalt gefragt.

Wie hoch sollte das Einstiegsgehalt einer Steuerfachangestellten sein?

Natürlich ist diese Umfrage nicht repräsentativ, aber mit 105 Teilnehmern bekommt man schon einen recht guten Eindruck, welches Einstiegsgehalt als gerecht empfunden wird.

Das gerechte Einstiegsgehalt

Einstiegsgehalt

Das Umfrageergebnis im Detail

  • unter EUR 1600 sind in Ordnung: 2 Stimmen
  • EUR 1600 – EUR 1800: 5 Stimmen
  • EUR 1800 – EUR 2000: 20 Stimmen
  • EUR 2000 – EUR 2200: 45 Stimmen
  • EUR 2200 – EUR 2400: 18 Stimmen
  • EUR 2400 – EUR 2600: 6 Stimmen
  • EUR 2600 – EUR 2800: 2 Stimmen
  • EUR 2800 – EUR 3000: 2 Stimmen
  • über EUR 3000: 5 Stimmen
  • Geld ist mir egal: 1 Stimme
  • weiß nicht: 1 Stimme

Ich muss ehrlich sagen, dass ich von den Ergebnissen relativ überrascht bin.

So engagiert, wie einige Leute in den Diskussionen dabei sind, habe ich erwartet, dass deutlich mehr Auszubildende ein Einstiegsgehalt von über EUR 2500 verlangen.

Der Durchschnitt der Umfrage liegt bei etwa EUR 2160. Dieser Betrag wird im Durchschnitt also als gerechtes Einstiegsgehalt angesehen.

Dieses Einstiegsgehalt ist gar nicht so utopisch und wird auch regelmäßig an Berufseinsteiger gezahlt. Mein eigenes Einstiegsgehalt lag bei EUR 2200 + ca. EUR 50 Fahrtkosten.

Natürlich sollte man berücksichtigen, dass in Großstädten wie München, Stuttgart oder Hamburg ein höheres Gehalt bezahlt wird als in den ländlichen Gebieten. Besonders in den neuen Bundesländern ist das durchschnittliche Einstiegsgehalt etwas niedriger.

Eine ausführliche Analyse der aktuell gezahlten Einstiegsgehälter findest du hier: Das Einstiegsgehalt als Steuerfachangestellte

Die erste Gehaltsverhandlung

Die erste Gehaltsverhandlung ist natürlich aufregend und man möchte nicht zu unverschämt rüberkommen.

Du solltest dich aber auf keinen Fall unter Wert verkaufen!

Dein Einstiegsgehalt ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • deine Leistungen in der Ausbildung
  • die Größe der Kanzlei
  • die Lage der Kanzlei (Stadt oder Land)

Du kannst durchaus etwas anspruchsvoller in die erste Gehaltsverhandlung gehen und solltest in meinen Augen das “gerechte” Einstiegsgehalt von knapp EUR 2.200 verlangen.

In Ballungsräumen würde ich etwas mehr verlangen (bis EUR 2.500) und in strukturschwachen Regionen etwas weniger. Weniger als EUR 2.000 würde ich aber nicht verlangen.

Natürlich musst du damit rechnen, dass du ein wenig heruntergehandelt wirst – es heißt schließlich GehaltsVERHANDLUNG.

Wie du verhandeln solltest

Für deine erste Gehaltsverhandlung ist es ganz wichtig, dass du dir die Position deines Chefs vor Augen führst.

Deinem Chef ist es letztendlich egal, in welcher Wohnung du leben möchtest, welches Auto du dir kaufen möchtest und wie oft du mit deinen Freunden essen gehen willst.

Er führt ein Unternehmen und du bist eine Kostenposition. Dein Chef wird sich also anschauen, wie viel Geld du für die Kanzlei erwirtschaftest und auf der anderen Seite wie viel Geld du kostest.

Was bedeutet das für dich?

Du solltest gar nicht damit argumentieren, was du brauchst und machen möchtest. Stattdessen solltest du aufzählen, was du der Kanzlei bringst und welchen Gewinn die Kanzlei durch dich hat.

Das muss übrigens nicht zwingend ein Geldwert sein.

Mit einer solchen Argumentationsweise zeigst du, dass du deinen Chef verstehst und kannst auf einer Augenhöhe mit ihm verhandeln. In diesem Artikel findest du weitere Informationen zum Thema Gehaltsverhandlung.

Natürlich kann auch das Einstiegsgehalt von deinen Klassenkameraden als Vergleichswert genannt werden, sollte von dir aber nicht als automatischer Anspruch angesehen werden.

Damit beide Seiten (Arbeitgeber und du) auf Dauer zufrieden miteinander arbeiten können, sollte sowohl dein Chef als auch du selbst einen angemessenen Geldwert aus der Zusammenarbeit erhalten.

Das war‘s von mir. Jetzt bin ich an deinen Erfahrungen interessiert: Wie hoch war dein Einstiegsgehalt? Wie war deine erste Gehaltsverhandlung? Schreib mir doch einen Kommentar unter den Artikel oder komm in unser Forum und lass uns an deinen Erfahrungen teilhaben.

*Dieser Text wurde 2015 erstellt.*

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13 Kommentare
    • Liebknecht
      Mai 29, 2015 16:50 pm Reply

      Ein guter Überblick verschafft vielleicht auch die eigene Kanzleibuchhaltung. Wer darauf Zugriff hat, kann auch nachgucken, was die anderen Mitarbeiter verdienen. Und daran kann man sich orientieren.

      Aber ich würde auch so um die 2.500 Euro nennen, als Einstiegsgehalt ist das weder übertrieben noch unter Wert…

    • Sven
      Mai 29, 2015 19:09 pm Reply

      Also…mein einstiegsgehalt lag bei 1500

      Jetzt hab ich 1600

      Also werden meine Kollegen mit mehr berufserfahrung…max 2000€ haben….

      Dass liegt noch unter den geforderten 2200€ als Einstiegsgehalt

      Dass ist dann wohl der Unterschied zwischen Ost und West.

      Aber ich finde dies auch definitiv zu wenig, für einen solch anspruchsvollem Beruf.

      • Dr. Martin
        Jun 20, 2015 09:46 am Reply

        Die Höhe des Einstiegsgehalts ist abhängig vom Steuerkanzlei-Standort und dessen Beratungsprofil !
        Grund:
        Der Steuerkanzlei-Standort, der Daseins-Zeitraum der Kanzlei, dessen wirtschaftliches Umgebungsprofil, die Kanzlei-Beratungsbereiche und die weitere Entwicklungsstrategie des Kanzlei-Chefs wirken sich auf deren VORHANDENE Jahresumsatz-Situation aus !
        Deshalb sind Vergleiche von Steuerfachgehältern nur im in Frage kommenden Kanzlei-Standort-Gebiet sinnvoll !

        Wer als Stf.-Anfänger sich kontinuierlich in einer Kanzlei fachkich engagiert, wird auch dann entsprechend honoriert !

        • Liebknecht
          Jul 05, 2015 09:05 am Reply

          Was verstehen Sie denn unter “fachliches Engagement”.
          Ich habe von Anfang in meiner Ausbildung mich engagieren wollen, und man hat mich immer nur abgebremst. Ich habe Fehler gemacht, und hat man mir diese Fehler vor gesammelter Truppe diskutiert. Ich war still im Meeting und das sah aus, dass ich mich nicht intergrieren konnte.

          Also ganz ehrlich, um fachliches Engagement zu bringen, muss das Umfeld stimmen. Und bei einigen StB stimmt das Umfeld einfach nicht.

    • Liebknecht
      Jun 18, 2015 12:35 pm Reply

      Das ist auch viel zu wenig.
      Unser Beruf ist die Königsdiziplin der kaufmännischen Berufe.

      Gehst in die Industrie, Kreditoren und Debitoren stempeln, verdienste Deine 2.500 Euro.
      Ja klasse, dann darf ich mein Hirn zuhause vergessen und mehr verdienen? Wo ist da die Fairness?

      Das ist eine Lohndumping-Branche, die wirklich kriminelle Züge nimmt.
      Und das ist ja nicht nur die Frage nach dem Gehalt.
      Wenn man sich ein wenig unterhält, ist es so, dass in vielen Kanzleien der Betriebssegen schief liegt, aber sowas von schief.
      Aber warum? Weil jeder nur daran bedacht ist seinen Monatsumsatz zu erreichen, damit er/sie dann am Jahresgespräch argumentieren kann.

      Wir brauchen endlich Hilfe von den Gewerkschaften.
      Das geht ganz einfach und schon ab einer Kanzlei mit fünf Angestellten (auch Teilzeit).

      Liebknecht

      • Melchior
        Jun 18, 2015 13:38 pm Reply

        Hallo Liebknecht,

        danke für deine Meinung 🙂

        Wär das nicht eine gute Diskussion für unser Forum? Ich habe mich auch schon einmal mit dem Thema Gewerkschaften auseinander gesetzt, aber das Thema hat auch seine Nachteile.
        Aber darüber können wir gerne im Forum diskutieren 😉

        Liebe Grüße
        Melchior

    • Reinhard Eich
      Jun 21, 2015 06:55 am Reply

      ich finde zunächst einmal, dass es irreführend in, wenn nur über das Monatsgehalt geschrieben und diskutiert wird. Je nachdem, ob 12, 13, 13,5 oder gar 14 Monatsgehälter gezahlt werden, ergeben sich sehr unterschiedliche Jahresgehälter. Fahrtkostenzuschüsse, Tankgutscheine, Erholungsbeihilfe sind Beispiele für weitere Entlohnungsbestandteile, die berücksichtigt werden sollten.

      • Liebknecht
        Jul 03, 2015 05:32 am Reply

        13? 13,5? 14? Monate?? Als Steuerfachangestellter? Wo gibt es denn sowas?
        Mag sein, dass einige das zahlen. Aber das ist nicht wirklich häufig der Fall, im Gegenteil.

    • Liebknecht
      Jul 03, 2015 05:37 am Reply

      Ich habe mir mal zufällig den Tarifvertrag der IGZ (Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e. V.) mit der DGB angeschaut.
      Tarifstufe 3 (mit Ausbildung):

      West ab 01.01.2014: 10,61 Euro + 0,20 Euro Zulage.
      Und damit mit der Zulage (wann diese bezahlt wird, weiss ich nicht): 1.729,60 brutto
      Bei einem Arbeitspensum von 160 Stunden im Monat.

      Ich bin ja kein Freund von Zeitarbeit. Aber da kann man zumindest schon mal sich ja vorstellen, dass man genau weiss, dass man das Geld bekommt.

      Wir brauchen endlich auch richtige Tarifverträge.
      Die Tarifparteien sind doch da, es fehlt nicht an den Tarifparteien.

      • Nils
        Mai 19, 2016 10:34 am Reply

        Ein Tarifvertrag wäre für mich persönlich eher von Nachteil. An meinem Arbeitsort herrscht ein derartiger Fachkräftemangel, dass selbst 34.000 EUR Einstiegsgehalt (jährlich) ohne weitere Verhandlungen von den Steuerberatern angenommen werden. – Da spielt natürlich auch die persönliche Qualifikation mit rein, allerdings schwankt die nach Ausbildungsende ja nicht so extrem.

        Eventuell sollte man sich, sofern möglich, an entsprechende Tatsachen anpassen und einen Umzug ins Auge fassen. Andernfalls ist man selbst für seine Situation verantwortlich.

        Ferner lassen sich ohne Tarifverträge – bei entsprechender Leistung – auch deutlich bessere Gehaltserhöhungen (bis zu 10% p.a.) verwirklichen – eine solche Erhöhung wird bei Tarifverträgen nie zustande kommen.

        Ein weiterer Punkt ist die Erfahrung – ein Erfahrener Steuerfachangestellter würde auch unter eben solchen Tarifverträgen leiden, da diese sich extrem auf das Gehalt auswirkt.

        Meiner Meinung nach können wir froh sein, dass wir keine Tarifverträge haben die die Gehälter negativ beeinflussen.

    • John
      Mai 19, 2016 21:21 pm Reply

      Jetzt mal ehrlich. Es ist doch natürlich, dass in einer Branche die keine Transparenz bietet bzgl der Gehälter, dass solche Ungleichheiten bestehen. Leute ich sage euch: verkauft euch nicht unter Wert. Das hängt dann natürlich davon ab, wie im Text schon erwähnt, was man zum Unternehmen beiträgt (mit seinem Wissen und Können). Die tägliche Verantwortung und Komplexität mit der unser Handeln einhergeht muss doch einen Wert haben und dieser Wert spiegelt sich durch unser Gehalt wieder. Um es knapp und bündig auszudrücken könnte man auch einfach eine Formel aufstellen: Gehalt=Wertschätzung

      Zum Anderen müsst ihr euch Klarmachen, dass ihr die letzte Instanz für Rat / Beistand in steuerrechtlichen Dingen eurer Mandanten seid.
      Das heißt in Klartext: Investiert in euch! Bildet euch fort! Es hilft den Mandanten, der Zufriedener ist, bezahlt und durch Mundpropaganda neue Mandanten heranbringt, was wiederum der Kanzlei/dem Unternehmen zugute kommt und letztlich dann auch euch. Vorausgesetzt ihr VERKAUFT EUCH NICHT UNTER WERT.

      Jetzt sagen vielleicht welche: “wenn ich aber 2800€ brutto verlange, dann ist das Gespräch schnell beendet und ich stehe ohne Job dar.”

      Natürlich ist es schnell dann beendet: warum sollte auch ein Unternehmer jemanden einstellen der viel mehr kostet als jemand der das selbe macht für weniger.

      So bald mal ein um denken bei der Arbeitnehmerschafft in diesem Gefilde stattfindet wird der Job an sich wieder einem gewissen Wert bekommen.

      Also geht hin zeigt eure stärken auf, was ihr leistet und dass ihr dafür eine vernünftige Wertschätzung haben wollt ( meines Erachtens min. 2600€). Ich kenne Leute die haben einen viel leichteren Job und bekommen einiges mehr (die hatten halt Glück gehabt in den Job reinzurutschen), aber wir sollten uns nicht abspeisen lassen.

      So genug von mir und jetzt los in die Gehaltsverhandlung.

    • Denis
      Aug 02, 2019 09:08 am Reply

      Solange der Kassierer im Einzelhandel mit 2700-2800€ einsteigt beim Discounter, frage ich mich warum man für Sachen von links nach rechts schieben und ein paar Waren verräumen weitaus mehr verdient als für das erstellen der Buchhaltung des Unternehmens und/oder das fertigen der Löhne. Dort werden tiefgreifende Kenntnisse erwartet und nicht nur die Bereitschaft zum Schichtdienst (wobei es dafür noch zusätzliche Zulagen gibt). Ich möchte jetzt keine Einzelhandelskaufleute oder die Branche generell herabsetzen, nur aufzeigen das wir definitiv zu wenig bekommen, für das was von uns erwartet und geleistet wird.

    • Nick
      Aug 04, 2019 22:10 pm Reply

      2.160 € als Durchschnitt? Haben in dieser Branche nur ehemalige Osteuropäische Azubis in Mecklenburgischem Dorf mitgemacht?

      Man muss nicht 3.000 € + Gehälter wie in der Industrie als Einstieg verdienen aber das ist schon wirklich traurig, dass wir uns trotz dieser schweren Ausbildung für so wenig verkaufen.

      Wobei man schon sagen muss mit der Ausbildung im Steuerbereich ist es wie mit der Führerscheinprüfung, man hat die Prüfung bestanden und damit alle Grundkenntnisse, aber der Unterschied zwischen jemanden der gerade ausgelernt hat und jemanden der das bereits 5, 10 Jahre oder noch länger durchgängig macht ist wirklich gigantisch und das sollte sich auch endlich bei der Bezahlung zeigen.

      Für das erste Jahr sind 2.500 € von mir aus ok, aber nach 1-2 Jahren sollte in diesem Beruf niemand weniger wie 3.000 € verdienen, wenn ich mir die Umsätze des durchschnittlichen Steuerfachangestellten so anschauen sind da wir immer noch bei Bruttogehalt x 5.

      Auch sollte man endlich mal daran arbeiten genug Mitarbeiter zu finden, um es den Arbeitnehmern auch mal zu ermöglichen ohne dutzende Überstunden zu reißen in den Urlaub zu gehen oder Fristen einzuhalten.

      Aber man wird ja noch träumen dürfen….

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