„Wer wird Millionär“ ist beim Fiskus extrem beliebt – zu Recht?

Show-Gewinn
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„Kommen wir zur 1-Million-Euro-Frage!“ – wer bei der berühmten Gameshow so weit gekommen ist, kann sich im Normalfall auf einen finanziell warmen Regen freuen. Doch in Einzelfällen wird die Freude über den Geldsegen mitunter schnell erstickt. Wer einen entsprechenden Bescheid von seinem Finanzamt bekommt, sollte jedoch nicht gleich verzagen – die Rechtslage ist nämlich nicht so klar, wie es eventuell scheint.

Als das Finanzgericht Hamburg in einem Urteil (Az.: 3 K 126/13) festgestellt hat, dass ein Professor aus Hamburg das Preisgeld für den „Hamburger Lehrpreis“ in Höhe von 10.000 Euro der Einkommensteuer unterwerfen muss, wuchs die Unsicherheit in Bezug auf die Steuerpflichtigkeit von Preisgeldern, Glücksspielen und der Teilnahme an Gameshows.

Was muss versteuert werden? Welche Gewinne bleiben steuerfrei? In diesem Artikel soll aufgezeigt werden, wie es rechtlich momentan aussieht. Eine Rechtsberatung kann dabei jedoch nicht geleistet werden und sollte mit juristischer Unterstützung eines Fachmanns erfolgen.

Besteuerung von Glücksspielen und Preisgeldern – ein Überblick

Grundsätzlich ist die Frage nach einer Besteuerung von Einkünften recht einfach zu beantworten, denn in §2 Abs. 1 Nr. 1-7 EStG werden die zu besteuernden Einkunftsarten aufgeführt:

  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb
  • Einkünfte aus selbständiger Arbeit
  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  • Sonstige Einkünfte

Bei dieser Aufzählung springt natürlich sofort die letzte Einkunftsart ins Auge. Dass die Teilnahme an einer Gameshow keine der ersten 6 Einkunftsarten betrifft, dürfte fast auf den ersten Blick klar sein. Doch wie sieht es bei den sonstigen Einkünften aus? Diese werden wieder aufgesplittert:

EINKÜNFTE

RELEVANZ

Renten (Leibrenten) (wiederkehrend)

Uninteressant für Glücksspiele und Gameshows

Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften

Uninteressant

Entschädigungen, Amtszulagen, Zuschüsse zu Versicherungsbeiträgen

Uninteressant

Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen, Pensionsfonds

Uninteressant

Weitere Einkünfte aus Leistungen

Evtl. eine Steuerpflicht

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Der Gesetzestext in § 22 Nr. 3 EStG spricht dabei lediglich von „Einkünften aus Leistungen, soweit sie weder zu anderen Einkunftsarten (…) noch zu den anderen sonstigen Einkünften gezählt werden können. Der Knackpunkt dürfte hierbei der Begriff „Leistung“ darstellen.

 

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Auf die Leistung kommt es an

Wie bereits in verschiedenen Entscheidungen des BFH herausgekommen ist, stellt sich bei einer Anwendung von §22 Br. 3 EStG stets die Frage nach der Leistung, die der Betroffene für die Einkünfte erbracht hat. Dies lässt sich wiederum auf die verschiedenen Fälle anwenden:

1. Lotto

Beim Lotto ist die Leistung des Spielers darauf beschränkt, am Spiel teilzunehmen. Ein eventueller Gewinn wird dabei allerdings nicht durch das Verhalten des Spielers erzeugt. Es fehlt also der rechtlich wichtige wirtschaftliche Zusammenhang.

2. Sportwetten

Ähnlich sieht es bei den Sportwetten aus, wie hier bestätigt wird. Die Einkünfte lassen sich nicht einer konkreten Einkunftsart zuordnen und für die Anwendung von §22 Nr. 3 EStG fehlt es am wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen den Handlungen des Wett-Fans und dem Gewinn.

3. Glücksspiele

Wie bereits bei den Sportwetten erwähnt, kann auch hier das Verhalten des Spielers nicht wirtschaftlich in einen Zusammenhang mit einem eventuellen Gewinn gebracht werden. Gerade Spiele wie Roulette basieren fast nur auf Glück und Zufall.

4. Teilnahmen an Gameshow wie „Wer wird Millionär“

Hier lässt sich tatsächlich trefflich streiten, ob eine Versteuerung des Gewinns erforderlich ist. Der Teilnehmer der Show kann durch die richtige Beantwortung der Fragen tatsächlich eingreifen und somit eine Leistung erbringen.

Trotzdem hängt hier natürlich auch viel vom Glück ab. Über die Besteuerung der Gewinne aus „Wer wird Millionär“ scheint man sich aktuell nicht ganz einig zu sein. Nach Aussage von Dr. Franziska Peters vom Finanzgericht Münster ist ein Besteuerungsgrund nicht gegeben, weil die Teilnahme auf eine Sendung begrenzt war – eine berufsmäßige Tätigkeit mit Einnahmeerzielungsabsicht könne daraus nicht abgeleitet werden, hieß es.

5. Teilnahmen an Shows wie „Die Farm“ oder „Big Brother“

Hier steht der Kandidat für eine lange Zeit mit seinem ganzen Persönlichkeitsrecht in der Öffentlichkeit. Zwar kann auch hier das Glück darüber entscheiden, ob ein Kandidat am Ende gewinnt, aber trotzdem sind die Einflussmöglichkeiten groß und es liegt aufgrund der deutlich längeren Aufenthaltsdauer im Fernsehen eine Art erwerbsmäßiger Tätigkeit vor. In diesem Zusammenhang haben die Gerichte bisher zugunsten der Finanzbehörden entschieden und die Gewinner mussten ihren Gewinn versteuern.

Kandidaten von Gewinnshows im Fernsehen sollten sich in Bezug auf die Versteuerung also durchaus fragen, ob die Teilnahmedauer und die Einflussmöglichkeiten des eigenen Verhaltens als erwerbsmäßig anerkannt werden können. Ist dies der Fall, wird das Finanzamt am Ende auch seinen Anteil vom Gewinn fordern.

Und was ist mit dem Herrn Professor?

Beim oben zitierten Fall mit dem Hamburger „Lehrpreis“ sah das Finanzgericht Hamburg keine sonstigen Einkünfte, sondern lediglich Einkünfte, die in Verbindung mit seiner Lehrtätigkeit stehen. Diese sind somit auch dem Einkommen zuzuordnen, da sie als „Vorteile für eine Beschäftigung im Dienstverhältnis“ gewertet werden können. Dagegen ließen sich zwar zwei Einwände erheben:

  • Der Vorteil war einmalig
  • Es bestand kein Rechtsanspruch

Allerdings verwies das FG Hamburg darauf, dass diese Erfordernisse im Zusammenhang mit §8 EStG (Definition des Einnahmenbegriffs) gar nicht gegeben seien. Der Professor musste das Preisgeld also versteuern.

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Fazit

Während Lottogewinner oder Gelegenheitsspieler bei Sportwetten ihre Gewinne problemlos behalten können, müssen Teilnehmer von Gameshows etwas genauer hinschauen.

Hierbei gibt es durchaus Unterschiede die zu beachten sind. So hängt eine eventuelle Besteuerung maßgeblich davon ab, inwiefern die eigene Leistung und das eigene Verhalten später mit einem Gewinn in Zusammenhang gebracht werden können.

Darüber hinaus spielt auch die Länge eines solchen „Auftritts“ in einer Show eine wichtige Rolle. Bei einem Aufenthalt von nur wenigen Stunden unterstellen die Finanzbehörden keine Gewinnerzielungsabsicht, während dies bei Shows mit langen Auftritten anders aussieht. Eine erwerbsmäßige Tätigkeit könnte in solchen Fällen auch deshalb vorliegen, weil die Kandidaten quasi mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Verhalten auf einen eventuellen Gewinn hinarbeiten.

Wer solche Fragen vor dem Besuch einer Gameshow klärt, erlebt später keine bösen finanziellen Überraschungen.

Ein spannendes Thema, das wir gerne im Forum oder über die Kommentare diskutieren können.

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2 Kommentare
    • Avatar
      Ben Shaw
      Mai 18, 2019 19:43 pm Reply

      Werter Herr Bläser ich habe an einer Show teilgenommen die da heißt denn sie wissen nicht was passiert und ich bin passiv gezogen worden und musste nichts für diese Show oder in der Show machen muss ich meinen Gewinn versteuern?

    • Avatar
      Fabian
      Jul 01, 2019 12:07 pm Reply

      Sind denn Gameshows wie “Wer wird Millionär” oder “Gefragt gejagt” etc. Glücksspiele und erfordern eine Lizenz?
      Man nimmt zwar durch seine Antworten Einfluss, welche Fragen man aber bekommt und welche Person sie bekommt und ob diese Person diese mit seinem Wissen beantworten kann, ist reine Glückssache.

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