Meine sehr persönliche Geschichte…

Melchior Bläse
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Etwa 7 Jahre ist es nun her. Ich startete als junger Steuerazubi in die Welt der Steuerberatung.

Ich hatte mich für den Beruf entschieden, weil ich mich nicht 100%ig entscheiden konnte, in welchem Bereich ich arbeiten wollte. In der Wirtschaft? Im Handwerk? Als Architekt? In der Gastronomie? Oder doch in der Tourismusbranche?

Die Lösung war einfach: In der Steuerberatung!

Warum?

Weil ich sie dort alle als Mandanten haben konnte. Ich konnte mich mit Gastronomie beschäftigen ohne nachts um 1.00 Uhr Tische zu wischen. Ich konnte mich mit Kfz-Werkstätten beschäftigen ohne dreckige Hände zu bekommen. Ich war involviert in interessante Architektur-Projekte. Und ich hatte Kontakt zu spannenden Gründern und Start Ups.

Ich bin sehr pragmatisch an die Berufswahl herangegangen und die Steuerberatung war die einzige logische Lösung für mich. Etwas anderes kam überhaupt nicht in Frage.

Was die Steuerberatung mit einem Besenwagen gemeinsam hat

Bereits vor der Ausbildung habe ich mehr mitleidige Blicke erhalten, als ich meinen Freunden erzählt habe, was ich mache:

“Steuerfachangestellter? Ernsthaft? Hast du nichts anderes gefunden? …naja, immerhin habe ich dann jemanden, der meine Steuererklärung machen kann.”

Ich ließ mir meine Vorfreude aber nicht nehmen und startete extrem motiviert in die Ausbildung.

Diese Motivation hielt etwa 4 Monate.

Dann hatte sich die Ernüchterung breit gemacht.

Die Arbeit war gar nicht das Problem. Die Mandanten auch nicht. Die Kollegen auch nicht wirklich.

Der Blick der Steuerberatung richtet sich immer in die Vergangenheit. Woran arbeiten wir heute, im Oktober 2017? An der Steuererklärung 2016 (hoffentlich). Oder an der Buchhaltung vom September.

Ich bin leidenschaftlicher Marathonläufer. Die Steuerberatung ist sowas wie der Besenwagen, der hinter allen Läufern hinterher fährt und die Straße sauber macht – genau wie der Steuerberater die Finanzen und Unterlagen in Ordnung bringt. Jeder Läufer, der vom Besenwagen überholt wird, ist raus aus dem Rennen.

Und diese Mentalität habe ich zu spüren bekommen. Überall. In den Arbeitsabläufen, in der Berufsschule, im Büroalltag, im Umgang mit offiziellen Anlaufstellen.

Warum? Warum um Himmels willen?

Richtig ernüchternd war der Vergleich mit Nikolas. Nikolas war und ist ein guter Freund von mir (viele Grüße an dieser Stelle 😉 ) und studiert Jura. Schwerpunkt Steuerrecht und Gesellschaftsrecht.

Steckbrief Jurist

  • Ausbildung: 7-9 Jahre Studium
  • kaum Praxisbezug im Studium
  • Einstiegsgehalt: 30.000 EUR

Steckbrief Steuerfachangestellter

  • Ausbildung: 2-3 Jahre Ausbildung
  • sehr hoher Praxisbezug in der Ausbildung
  • Einstiegsgehalt: 25.000 EUR

Betrachtet man diese Fakten, schlägt die Ausbildung zum Steuerfachangestellten jedes Jurastudium. Um Längen.

Und jetzt ratet mal, wer von uns beiden mit seiner super Ausbildung angeben konnte. Bei Jura denkt man sofort an moderne Büros, coole Anwaltsserien, starke Persönlichkeiten und Machertypen. Bei Steuerfachangestellten an… nun ja… vielleicht daran, dass man seine Steuererklärung vergessen hat?

Doch warum eigentlich? Warum hat die Steuerberatung einen so schlechten Ruf?

Die Arbeit ist abwechslungsreich und interessant, die Karrieremöglichkeiten sind einmalig, die Arbeitszeiten sehr familienfreundlich, die Gehälter inzwischen wirklich gut – nach Weiterbildungen noch besser, Arbeitslosigkeit gibt es nicht.

Wäre da nur nicht diese “Das haben wir schon immer so gemacht”-Mentalität und dieser ewige Blick in die Vergangenheit.

 

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Die Geburtsstunde von steuerazubi.de

Zunächst aus Eigennutz und Experimentierfreudigkeit begann ich während meiner Ausbildung ein Forum für meine Berufsschulklasse aufzubauen. Mir gefiel die Idee, dass wir uns jederzeit austauschen, Aufgaben hin- und herschicken und vor Klausuren gemeinsam online lernen können.

Das Ganze ist nun schon über 5 Jahre her und heute dank Facebook und WhatsApp viel selbstverständlicher als damals. (Oh Gott, jetzt klinge ich wirklich alt. Sorry dafür!)

Und das passierte auf dieser Seite.

Da immer mehr Menschen auf diese Seite kamen, beschäftigte ich mich mehr und mehr mit dem Berufsbild und der Zukunft der Steuerberatung. Dass wir einen großen Wandel vor uns haben, ist kein Geheimnis. Die Digitalisierung und Internationalisierung wird unseren Beruf erheblich verändern.

Nach relativ kurzer Zeit kamen einige zehntausend Leser pro Monat auf diese Seite. Deutlich mehr als auf die Karriereseite der Steuerberaterkammer.

Na gut, es ist ja auch die STEUERBERATERkammer.

Aber:

Warum gibt es eigentlich keine gemeinsame Stimme der Angestellten in der Steuerberatung?

Steuerberater haben die Steuerberaterverbände und die Steuerberaterkammern. Und wir Steuerfachangestellte?

Nichts.

Durch meine Arbeit an dieser Seite, kam ich mit vielen Menschen aus dem Steuer-Universum ins Gespräch. Spannende Menschen mit vielen tollen Ideen. Zwei Menschen möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben:

Unsere gemeinsame Stimme

Aufgrund der vielen Gespräche hatte ich immer mehr das Gefühl, dass die Steuerberatung und die steuerberatenden Berufe vielleicht doch nicht so vergangenheitsverloren sind, wie befürchtet.

Es gibt eine ganze Reihe von engagierten und motivierten Steuerfachangestellten, die aktiv werden wollen, die sich dafür einsetzen wollen, dass wir die großen Umbrüche in Zukunft meistern. Die sich dafür einsetzen wollen, dass das Berufsbild einen neuen Glanz erhält. Die sich dafür einsetzen wollen, dass die Ausbildung modernisiert wird und sich die Arbeitsbedingungen verbessern.

Und das Wichtigste: Das alles gemeinsam mit den Arbeitgebern. Es geht nicht darum, Fronten aufzubauen und Angestellte gegen Kanzleiinhaber aufzuhetzen. Es geht um einen gemeinsamen Weg in die Zukunft. Und das beinhaltet eine starke, gemeinsame Stimme aller Angestellten in den steuerberatenden Berufen.

Das alles klingt in der Theorie ganz schön. In der Praxis gab es aber nichts. Und ein paar Beiträge auf dieser Seite, in Florians Facebook-Gruppe oder auf Claas Webseite würden nicht ausreichen.

Bis der Stein langsam ins Rollen kam…

Losgetreten wurde dieser Stein von Carsten Schulz (HSP Gruppe), der ebensowenig verstehen konnte, dass es keine gemeinsame Interessenvertretung der Angestellten in den steuerberatenden Berufen gibt.

Auf seine Initiative trafen sich einige besonders engagierte Köpfe zu einer gemeinsamen Diskussionsrunde: Die Geburtsstunde des Verbands der Angestellten in steuerberatenden Berufen.

Ich bin unglaublich glücklich und stolz darauf, dass ich Gründungs- und Vorstandmitglied dieses Berufsverbands sein darf. Gemeinsam haben wir die Kraft etwas zu bewirken und die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Hier findest du alle Informationen zu VALTAXA, dem Verband der Angestellten in steuerberatenden Berufen in Deutschland e. V.: https://www.valtaxa.de/

Übrigens: Die Mitgliedschaft ist für alle Azubis und Umschüler kostenlos.

VALTAXA Logo

Was mir besonders wichtig ist:

  • Bei einem Verband steht nicht die Organisation im Mittelpunkt. Sie ist nur der rechtliche Rahmen. Was VALTAXA ist, was VALTAXA erreicht und wie schwer die gemeinsame Stimme wiegt, hängt ganz maßgeblich von allen Mitgliedern ab. Also auch von dir.
  • Es geht ausdrücklich nicht um Streitigkeiten und um Kleinkriege zwischen Arbeitgeber und Angestellte. Wir sitzen alle zusammen in einem Boot. Die Digitalisierung und Internationalisierung wird für genug Wellengang sorgen – Wir haben genug zu tun und sollten uns nicht schwächen, indem wir sinnlose Fronten aufbauen.
  • Sag mir deine Meinung! Zum Beruf, zur Ausbildung, zur Branche, zu VALTAXA, zu steuerazubi. Nur so können deine Wünsche berücksichtigt werden. Ich möchte gern einen laufenden Dialog führen und beantworte gerne alle Fragen (Folge dafür gerne auch meiner Facebook-Seite: www.facebook.com/steuerazubi)

Lasst uns gemeinsam die Zukunft gestalten!

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