Aufgaben Steuerfachangestellte – Was darf der Chef für Tätigkeiten verlangen?

Aufgaben Steuerfachangestellte
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In jeder Kanzlei, in jedem Betrieb und in jedem Unternehmen passiert es, dass Kollegen urlaubsbedingt oder krankheitsbedingt ausfallen. Und dennoch gibt es Projekte und Aufträge, die unbedingt zum Abschluss gebracht werden müssen.

Hier zählen die Vorgesetzten jetzt auf die noch gesunden Mitarbeiter und deren Bereitschaft, kurzfristig erhöhten Einsatz zu zeigen. Überstunden und Arbeit am Wochenende sind dringend erforderlich.

Doch darf ein Arbeitgeber das von seinen Mitarbeitern verlangen? Muss der Mitarbeiter hier überhaupt mitziehen? Und was darf ein Chef generell von seinen Angestellten verlangen?

Klare Regelungen erleichtern die Arbeit und verhindern Unstimmigkeiten

Sowohl in organisatorischer bzw. administrativer Hinsicht, wie auch im fachlichen Einsatz muss man sich als Steuerfachangestellter nicht all das gefallen lassen, was der Vorgesetzte anordnet.

Oberstes Gebot: Ein Vorgesetzter darf – das dürfte absolut klar sein – seine Mitarbeiter niemals dazu anhalten oder auffordern, Dinge zu tun, die als strafbare Handlungen zu verstehen sind.

Der Grundsatz lautet zunächst, dass der Vorgesetzte (nennen wir ihn auch einfach Chef) rein rechtlich keine Leistungen erwarten darf, die nicht im Zusammenhang mit der Qualifikation stehen, die Bedingung der Einstellung waren.

So schuldet der Steuerfachangestellte seinem Chef nur die vertraglich fixierten Leistungen. Hier empfiehlt es sich, dass eine möglichst genaue Stellenbeschreibung für den Steuerfachangestellten Bestandteil des Arbeitsvertrages ist.

Die darin genannten Hauptaufgaben und Tätigkeiten sollten in Anlehnung an die Informationen der Arbeitsagenturen und Steuerberaterkammern die folgenden sein:

Buchführung für Mandanten erledigen

  • Unterlagen der Mandanten überprüfen, z.B. Kassenbuch, Rechnungen, Bankbelege
  • Geschäftsvorfälle der Mandanten zu einer ordnungsgemäßen Buchführung verarbeiten
  • bereits außerhalb erstellte Buchführungen rechnerisch und sachlich kontrollieren
  • Jahresabschlüsse vorbereiten und erstellen
    • Steuererklärungen für Betriebe und Privatpersonen vorbereiten
  • Steueranmeldungen erstellen
  • bei der Erstellung von Lohnsteueranmeldungen, Umsatzsteuervoranmeldungen, Umsatzsteuerjahreserklärungen sowie Einkommensteuer- und Gewerbesteuererklärungen mitwirken
  • Steuerbescheide bearbeiten
  • ggf. Einspruch beim Finanzamt einlegen
    • Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Betriebe durchführen
  • Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellen
  • Arbeitnehmer bei den Sozialversicherungsträgern an- und abmelden
  • bei der Finanzverwaltung elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale der Mitarbeiter abrufen
  • Versicherungsnachweise führen
  • Lohnsteuer, Kirchensteuer und Sozialabgaben berechnen

Allgemeine Büroaufgaben

Darüber hinaus kann auch in einer Stellenbeschreibung auf allgemeine Büroarbeiten hingewiesen werden, die ebenfalls mit erledigt werden müssen. Hierzu zählen gerade auch während der Ausbildung zum Steuerfachangestellten:

  • Postein- und -ausgang bearbeiten
  • Akten, Register sowie Termin- und Fristenkalender anlegen und führen
  • Schriftsätze ausarbeiten
  • Unterlagen für Gesprächstermine vorbereiten

Vielleicht interessiert dich hierzu ja auch noch der Artikel: “Die Aufgaben von Steuerfachangestellten – Theorie und Praxis“.

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Behält der Arbeitgeber sich vor, …

Abweichend davon kommt es immer wieder vor, dass eine zusätzliche Klausel im Arbeitsvertrag lautet: „… behält sich der Arbeitgeber vor, dem Mitarbeiter andere Tätigkeiten zuzuweisen, falls dies erforderlich ist.“

Was ist, wenn der Chef sich darauf beruft, die angeordnete Tätigkeit aber der Qualifikation nicht entspricht? Selbst hier könnte der Steuerfachangestellte von seinem Recht Gebrauch machen, diese – eventuell unzumutbaren – Aufgaben abzulehnen. Auch als Auszubildende darfst du auch “Nein sagen“.

Sollte es „hart auf hart“ kommen und der Vorgesetzte spricht daraufhin eine Kündigung beispielsweise wegen Arbeitsverweigerung aus, so kann ein Arbeitsgericht über diesen Fall entscheiden. Schon mehrfach wurde den benachteiligten Mitarbeitern Recht zugesprochen. Hier findest du weitere Informationen zum Thema “Kündigungsschutz“.

Nicht immer droht direkt die Kündigung. Schon oft hat man davon gehört, dass der Vorgesetzte nun plötzlich detaillierte Arbeitsnachweise fordert, auch wenn dies im Arbeitsvertrag so nicht festgehalten wurde.

Er wird auf diesem Wege versuchen, den Mitarbeiter unter Druck zu setzen und ihm damit indirekt zeigen wollen, dass er mit der Ablehnung nicht einverstanden ist oder war. Dies ist eine Handlung, mit der klargestellt werden soll wer der “Herr im Hause” ist.

Aufgaben Steuerfachangestellte – Man muss sich nicht alles vom Chef gefallen lassen

Aber nicht nur fachlich, sondern in organisatorischer Hinsicht gibt es immer wieder Fragen, ob gewisse Verhaltensweisen und Forderungen zulässig sind. An dieser Stelle wollen wir noch ein paar Beispiele geben.

Sicher wird man an der einen oder anderen Stelle überrascht sein, was der Arbeitgeber alles „darf“. Es handelt sich hierbei um beispielhafte Aufzählungen. Es gibt noch eine Menge weitere Rechte und Pflichten, die hier aber nicht abschließend aufgeführt werden können.

  • Dem Angestellten müssen alle für die tägliche Arbeit erforderlichen Arbeitsmittel kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Man darf als Chef nicht erwarten, dass die Mitarbeiter sich ihre Stifte, Papier und Fachliteratur selbst mitbringen. Sollte ein Mitarbeiter allerdings aus irgendwelchen Gründen z.B. nur ganz bestimmte Stifte benutzen wollen, so müsste er hier selbst in die Tasche greifen.
  • Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Wünsche des Mitarbeiters bei der Urlaubsplanung zu berücksichtigen. Dennoch muss er sich nicht komplett danach richten. Der Chef hat das Recht, den Urlaub des Mitarbeiters zeitlich einzugrenzen. Mindestens ein Teil des Urlaubs im Jahr muss für den Mitarbeiter aber an zwölf zusammenhängenden Arbeitstagen möglich sein.
  • Der Chef darf den bereits gewährten Urlaub in Ausnahmefällen wieder streichen. Eventuell dabei für den Mitarbeiter entstehende Kosten, z.B. für das Stornieren einer Reise, muss der Arbeitgeber übernehmen.
  • Während des Erholungsurlaubs kann der Arbeitgeber auf keinen Fall verlangen, dass der Mitarbeiter telefonisch oder per Email erreichbar ist. Hierfür darf auch keine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Ist dies doch der Fall, so ist diese Vereinbarung bereits von Beginn an unwirksam.
  • Bei Krankheit darf der Mitarbeiter nicht aufgefordert werden, zu Hause zu arbeiten. Er muss seine Krankheut mittels Krankmeldung vom Arzt nachweisen und kann sich dann zu Hause erholen. Der Chef muss diese Zeit der Genesung gewähren.
  • Überstunden müssen zusätzlich vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden. Wenn im Arbeitsvertrag eine bestimmte Stundenzahl festgelegt wurde, muss sich der Betrieb daran halten.
  • Arbeitet der Steuerfachangestellte z.B. an einem Sonntag, weil wichtige Fristen einzuhalten sind, so muss ihm ein anderer freier Tag innerhalb der folgenden zwei Wochen gewährt werden. Man spricht hier vom so genannten „Ersatzruhetag“.
  • Der Mitarbeiter hat ein Recht auf Beschäftigung. Besteht jedoch der begründete Verdacht, dass der Steuerfachangestellte seine Pflichten erheblich verletzt oder einem Mandanten wissentlich zu strafbaren Tatsachen verhilft, so darf der Arbeitgeber ihn sofort von der Arbeit freistellen.

Fazit

Natürlich hat der Chef ein so genanntes „Direktionsrecht“. Das bedeutet, dass die Angestellten genau die Arbeiten auszuführen haben, die er anordnet. Dies jedoch nur innerhalb eines angemessenen Rahmens.

Sonderaufgaben darf der Mitarbeiter auch ablehnen, wenn er sich nicht in der Lage fühlt, diese ordnungsgemäß auszuführen oder es nicht mit dem guten Gewissen vereinbaren kann.

Viele Angestellte meinen, wenn es um die Rechte und Pflichten im Arbeitsverhältnis geht, am vermeintlich kürzeren Hebel zu sitzen. Wer gut informiert ist, wird merken, dass es sich aber eigentlich um ein Geben und Nehmen handelt.

Sicher wurden gewisse Regeln aufgestellt, um sowohl den Arbeitnehmer, wie auch Arbeitgeber zu schützen und das Miteinander zu organisieren. Dennoch macht es oftmals Sinn, sich auf gütliche Weise zu einigen und nicht immer auf das geschriebene Recht zu bestehen.

Warum nicht einfach auch mal Einsatz zeigen und damit den Chef positiv zu beeindrucken? Niemand bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er selbst den Kaffee für den eigenen Mandanten oder den des Kollegen kocht. Auch für solche Arbeiten muss man sich nicht immer zu schade sein.

Ein entspanntes Verhältnis innerhalb der Kanzlei wirkt sich generell auf die positive Stimmung und das freundliche Umgehen miteinander aus. Es macht den Arbeitsalltag einfach wesentlich angenehmer.

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