Wie wird sich die Steuerberatung in den kommenden 10 Jahren verändern?

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Die weltweite Wirtschaft befindet sich im Wandel und überall wird von der digitalen Revolution gesprochen. Diese Veränderungen machen selbstverständlich auch nicht vor der Steuerberatung halt.

Wenn wir uns einmal anschauen, wie vor 5, 10 oder 15 Jahren in der Steuerberatung gearbeitet wurde, können wir eventuell einschätzen, wie groß die Veränderungen in den nächsten Jahren sein werden.

Auch als Angestellte ist dieses Wissen Gold wert. Denn dein Ziel sollte es immer sein, ein wertvoller Mitarbeiter zu sein, der auf dem aktuellen Stand der Entwicklung ist.

Aus diesem Grund habe ich einige top Experten zu dem Thema befragt und sehr interessante Antworten bekommen.

Schaue dir auch unsere anderen Experten-Interviews an:

Wie wird sich die Steuerberatung in den kommenden 10 Jahren verändern?

Die Nachfrage nach Steuerberatung wird ungebrochen hoch bleiben. Daher sind die Zukunftsperspektiven für Steuerberater sehr gut.

Die Berufswirklichkeit wird vielfältiger, das Leistungsspektrum breiter und der Wettbewerb intensiver. Vor allem wird aber die fortschreitende Digitalisierung den Beruf verändern und wachsende Chancen für die Beratung auf steuerrechtlichen Spezialgebieten ermöglichen.

Die Berater und Beraterinnen werden sich ihre Mandanten besser aussuchen. Das gilt besonders für die Cash-Cow FiBu. Arbeit gibt es genug, Personal nicht.

Kanzleien und Finanzämter werden verstärkt auf digitale Prozesse setzen, um das Arbeitspensum zu schaffen. Wer da als Mandant nicht mit kann oder will, wird schwerer Berater finden.

Der Druck der Digitalisierung bedeutet aber auch: Wer da als Berater nicht mitgeht, wird künftig wenig attraktiven Mandanten (Schuhkarton) nur wenig attraktive Angebote (teure Handarbeit) machen können.

Und ich glaube nicht, dass es automatisch mehr Umsatz über Beratung gibt, wenn die FiBu nachlässt. In den kommenden Jahren wird es die Aufgabe sein, die Kanzlei und die Mandanten in die Digitalisierung zu führen.

Im Vergleich zu anderen Branchen ist die Steuerberatung oftmals noch altmodisch und papierlastig.

Zwei Trends wirken aber dagegen und werden zur Digitalisierung der Kanzleien führen:

  1. Die Finanzverwaltung rüstet auf und zwingt Steuerpflichtige und somit auch den Steuerberater zu elektronischen Lösungen. Dabei führt die Digitalisierung nicht nur zu einer effizienteren Arbeitsweise zwischen Steuerpflichtigen, Steuerberater und Finanzamt. Es ergeben sich für die Finanzverwaltung auch ganz neue Möglichkeiten, Fehler automatisiert zu erkennen. Wenn der Steuerberater hier nicht mitzieht, wird er seine Mandanten nicht mehr gut beraten können.
  2. Die Mandanten erkennen von selbst die Vorteile der digitalen Zusammenarbeit und fordern diese von ihrem Steuerberater. Nach meiner Erfahrung haben auch immer weniger Mandanten Lust auf Zettelwirtschaft.

Der Steuerberater, der sich der Digitalisierung verschließt, wird also künftig Mandanten verlieren und in 10 Jahren nur noch eine Ausnahmeerscheinung sein. Standardisierbare Aufgaben werden zunehmend durch elektronische Lösungen ersetzt werden. Das führt dazu, dass Buchhalter und Steuerberater immer besser ausgebildet werden müssen, um IT und Steuerrecht unter einen Hut zu bringen.

Das Steuerrecht bleibt weiterhin kompliziert, so dass sich die eigentliche Beratungstätigkeit gar nicht so sehr verändern wird. Wer also zum Beispiel in der Gestaltungsberatung tätig ist, dessen Tätigkeit wird möglicherweise zwar noch anspruchsvoller, allerdings wird sich die Art und Weise der Arbeit, etwa die Erarbeitung von Vorschlägen für eine Umwandung oder eine Unternehmensnachfolge, nicht wesentlich verändern.

Die Digitalisierung wird jedoch weiter zunehmen, sodass Beratungsleistungen für weniger komplexe Fragestellungen nicht mehr benötigt werden und bestimmte Vorgänge, die derzeit noch per Hand zu erledigen sind, automatisch ablaufen werden. Man denke allein an die Bescheidprüfung, die zum Teil sehr aufwendig sein kann. Diese wird künftig sicherlich digital erfolgen.

Drei radikale Veränderungen:

Digitale Automation

Jahrelang wollten wir es nicht wahrhaben, Jetzt – und zwar wirklich schnell – ist es so weit: Die digitale Automation erfasst insbesondere den Bereich der Buchhaltung und der Steuererklärungen.

Dabei ist einer der Treiber die Finanzverwaltung: E-Bilanz und vorausgefüllte Steuererklärungen sind nicht das Ende der Entwicklung.

So kommt auch bei uns die Selbstveranlagung der Ertragsteuern.

Die internationale Entwicklung zeigt, wo die Reise hingeht.

Die Australische Steuerverwaltung hat gerade ihre neue App an den Start gebracht. Der Steuerbürger kann während des Jahres seine Belege dort nach Rubriken (Reisekosten/ Bewirtung/…) ablegen/ abfotografieren und am Jahresende an die Finanzverwaltung schicken, die daraus die Steuererklärung erstellt (Quelle: www.ato.gov.au)

In Großbritannien besitzt bereits heute jeder Steuerbürger sein eigenes Online-Konto beim Finanzamt. Ab 2020 ist jeder Unternehmer verpflichtet, seine komplette Buchhaltung online an das Finanzamt zu übermitteln. Die erstellt dann die USt-Voranmeldung und berechnet die Vorauszahlungen. Das „Versprechen“: „making Tax easier – the end of Tax returns“ – „Steuern ganz einfach – das Ende der Steuererklärung“ (Quelle: www.gov.uk)

Nur zwei Beispiele, was da gerade in großer Geschwindigkeit auf uns zu rollt.

 

Alles Mobil

Papierauswertungen zwei Wochen nach Einreichen der Buchführung sind passé. „Echtzeitauswertungen“, lesbar jederzeit auf allen digitalen Geräten sind angesagt. Und dass in ansprechender, übersichtlicher Optik.

„Zahlenfriedhöfe“ haben endgültig ausgedient.

Mobil heißt aber auch in der Kanzlei „mobiles Arbeiten“. Home Office und flexible Arbeitszeiten tauchen bei allen aktuellen Mitarbeiterbefragungen immer auf den ersten Plätzen auf.

Das gilt es gut zu organisieren.

 

Deklaration weicht der echten Beratung

Auch das ist seit Jahren eigentlich schon klar. Die Umsetzung in den Kanzleien lässt teilweise aber noch auf sich warten. Die „normale“ Kanzlei hat meist max. 10 % Umsatz aus Beratungstätigkeit.

Das liegt sicher auch daran, dass nicht alle Beratungsleistungen abgerechnet werden. Das heißt aber auch, dass sie vom Mandanten immer noch nicht als Beratung wahrgenommen werden.

Viele Kanzleien haben einen Fibu-Umsatz von 30 – 40 % am Gesamtumsatz. Wenn nur die Hälfte davon durch Automation weg fällt…

Und was denkst du?

Und nun bin ich auch an deiner Meinung interessiert. Was glaubst du, wie sich die Steuerberatung in den kommenden 10 Jahren verändern wird? Wo liegen die Experten richtig und was siehst du vollkommen anders?

Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren!

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3 Kommentare
    • Avatar
      Rüdiger Stahl / Gesellschafter-Geschäftsführer der Steuermanufaktur Steuerberatungsgesellschaft mbH
      Jul 21, 2016 18:39 pm Reply

      Alles – aber auch alles – was automatisiert werden kann wird automatisiert. Punkt! Und dies ist unendlich viel!

      Und: Viele in der Branche haben den Zukunftsknall noch nicht gehört!

    • Avatar
      Neeltje Forkenbrock
      Jan 30, 2019 14:08 pm Reply

      Ich kann ebenfalls beobachten, dass die Digitalisierung den Beruf verändert. Es gibt immer mehr online Steuerberater. Zudem kommt jedes Jahr mehr Steuerassistenz Software auf den Markt. Die Nachfrage wird bestimmt auch hier ein Stück weit das Angebot regeln.

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      Mailin Dautel
      Mai 31, 2019 14:31 pm Reply

      Ich stimme zu wir sind in Mitten einer Digitalen Revolution und einiges wird sich in der nächsten Zeit verändern. Viele Menschen werden sich beruflich neu orientieren müssen und einiges wird sich ganz und gar ersetzt werden. Denken Sie, dass Steuerberater in der Zukunft überhaupt noch gebraucht werden, besonders wenn sich die Krypto-Währung durchsetzt ?

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