Ausbildungsrahmenplan Steuerfachangestellte – Grundwissen und Ausbildungsinhalte laut Rahmenplan

Ausbildungsrahmenplan Steuerfachangestellte
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In den vergangenen Wochen haben wir uns schon sehr intensiv mit der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz, dem Vorstellungsgespräch, Verdienstmöglichkeiten sowie Rechten und Pflichten eines Steuerfachangestellten beschäftigt.

Nun wollen wir aber doch etwas tiefer in das Geschehen eintauchen. Ihr sollt wissen, was genau der Beruf der Steuerfachangestellten und vor allem die Ausbildung beinhalten. Erste Ansätze haben wir ja im vergangenen Artikel schon erklärt.

Freut euch auf eine nun folgende Artikelreihe zu den verschiedensten Ausbildungsinhalten, Fachbegriffen und vielem mehr.

Rahmenlehrplan und Ausbildungsrahmenplan Steuerfachangestellte

Klingt ähnlich, muss aber unterschieden werden:

Beide Begriffe hören sich sehr ähnlich an und können leicht verwechselt werden. Daher wollen wir zunächst eine Klärung herbeiführen.

Der Rahmenlehrplan bildet die Grundlage für den Unterricht in der Berufsschule. Dieser Plan wird von Sachverständigen in den einzelnen Bundesländern erarbeitet, und zwar wenn

  •   es einen neuen Ausbildungsberuf gibt oder
  •   ein bereits bestehender Ausbildungsberuf inhaltlich geändert werden soll.

Der Rahmenlehrplan enthält alle Lernziele und Lerninhalte, die im Berufsschulunterricht zu vermitteln bzw. zu erreichen sind.

Wie in vielen anderen Berufen auch bringen die Auszubildenden zum Steuerfachangestellten ganz unterschiedliche Erfahrungen und Vorkenntnisse mit.

Das bedeutet, dass sich die Lehrer jedes Jahr aufs Neue auf die Neuankömmlinge in den Berufsschulklassen einstellen müssen. Daher ist es nicht möglich und auch nicht vorgesehen, dass der Rahmenlehrplan den Unterricht komplett regelt.

Beim Rahmenlehrplan handelt es sich „lediglich“ um einen Rahmenplan, der die einzelnen Lernfelder in strukturierter Form enthält. Die Art und Weise der Vermittlung des Unterrichtsstoffs ist dem Lehrer individuell überlassen.

Beschlossen werden die Rahmenlehrpläne durch die Ständige Konferenz der Kultusminister und –senatoren der einzelnen Länder. Sie enthalten Lerngebiete, Lernziele, Lerninhalte und Zeitrichtwerte.

Die Lerngebiete mit jeweiligen Zeitrichtwerten in der Berufsschule

Allgemeine Wirtschaftslehre → 200 Schulstunden in 3 Jahren

  • Rechtliche Rahmenbedingen der Wirtschaft
  • Grundzüge des Schuld- und Sachenrechts
  • Arbeitsrecht und soziale Sicherung
  • Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Investition und Finanzierung
  • Grundzüge der Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik

Steuerlehre → 400 Schulstunden in 3 Jahren

  • Grundlagen des Allgemeinen Steuerrechts
  • Umsatzsteuer
  • Einkommensteuer
  • Körperschaftsteuer
  • Bewertungsgesetz
  • Gewerbesteuer
  • Vermögensteuer
  • Abgabenordnung

Rechnungswesen → 280 Schulstunden in 3 Jahren

  • Einführung in das Rechnungswesen
  • Buchführungs- und Aufzeichnungsvorschriften
  • Grundlagen der Finanzbuchführung
  • Beschaffung und Absatzwirtschaft
  • Personalwirtschaft
  • Finanzwirtschaft
  • Anlagenwirtschaft
  • Buchungen im Steuerbereich
  • Abschlüsse nach Handels- und Steuerrecht
  • Betriebswirtschaftliche Auswertung

 

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Und was beinhaltet nun zusätzlich der Ausbildungsrahmenplan?

Der Ausbildungsrahmenplan für Steuerfachangestellte ist ein Teil der Ausbildungsordnung und gibt eine grobe zeitliche und sachliche Gliederung der betrieblichen Ausbildungsinhalte vor.

Er dient dem Ausbilder und Auszubildenden gleichermaßen als Vorgabe für den betrieblichen Ausbildungsplan.

Der Ausbildungsrahmenplan wird regelmäßig als Anlage dem Ausbildungsvertrag beigefügt.

Es muss schriftlich nachgewiesen werden, dass der Ausbilder dem Auszubildenden zum Steuerfachangestellten die erforderlichen Kenntnisse vermittelt hat. Dies wird hierfür im Ausbildungsnachweis(-heft) festgehalten und mittels Unterschrift beider Seiten bestätigt.

Demnach hat der Ausbilder dem Auszubildenden folgende Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln:

1.       Ausbildungspraxis

  • Bedeutung, Stellung und gesetzliche Grundlagen der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe
  • Personalwesen, arbeits- und sozialrechtliche Grundlagen
  • Berufsbildung
  • Arbeitssicherheit, Umweltschutz und rationelle Energieverwendung

2.       Praxis- und Arbeitsorganisation

  • Inhalt und Organisation der Arbeitsabläufe
  • Kooperation und Kommunikation

3.       Anwendung von Informations- und Kommunikationstechniken

4.       Rechnungswesen

  • Buchführungs- und Bilanzierungsvorschriften nach Handels- und Steuerrecht sowie Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung, Aufbewahrungsfristen
  • Verschiedene Buchführungs- und Abschlusstechniken
  • Kontenrahmen auswählen und Kontenpläne aufstellen
  • Konten eröffnen, Geschäftsvorfälle kontieren und buchen sowie Konnte abschließen
  • Nebenbücher führen und abschließen
  • Anlagenverzeichnisse führen
  •  Lohn- und Gehaltsabrechnung erstellen
  • Lohn- und Gehaltskonten führen
  • Steuer- und sozialversicherungsrechtliche Vorschriften für die Lohn- und Gehaltsabrechnung anwenden
  • Notwendige Nachweise und Anmeldungen erstellen
  • Ergebnisse der Lohn- und Gehaltsabrechnung in die Finanzbuchhaltung übernehmen
  • Erstellen von Einnahmen-Überschussrechnungen
  • Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung aus der Buchführung entwickeln

5.       Betriebswirtschaftliche Facharbeit

  • Auswerten der Rechnungslegung
  • Betriebliche Kennziffern ermitteln und auswerten
  • Vermögens- und Kapitalstrukturen ermitteln
  • Kosten und Erlöse im Mehrjahresvergleich gegenüberstellen
  • Finanzierungsregeln unterscheiden
  • Eigen- und Fremdfinanzierung, Außen- und Innenfinanzierung

6.       Steuerliche Facharbeit

Abgabenordnung

  • mit steuerliches Vorschriften, Richtlinien, Rechtsprechung und Fachliteratur umgehen
  • Vorschriften über die Entstehung und Festsetzung der Steuer und deren Fälligkeit
  • Stundung, Aussetzung der Vollziehung und Erlass
  • Fristen und Termine berechnen, Verjährungsfristen
  • Tatbestände der Steuerhinterziehung

Umsatzsteuer

  • Umsatzsteuer-Voranmeldungen und zusammenfassende Meldungen abgeben
  • Umsatzsteuerjahreserklärungen erstellen
  • Umsatzsteuer-Verprobung
  • Umsatzsteuerbescheide prüfen

Einkommensteuer

  • Besteuerungsgrundlagen ermitteln
  • Einkommensteuererklärungen erstellen
  • Zu versteuerndes Einkommen ermitteln
  • Einkommensteuer berechnen
  • Einkommensteuerbescheide prüfen

Körperschaftsteuer

  • Steuerpflicht prüfen
  • Körperschaftsteuererklärungen erstellen

Gewerbesteuer

  • Gewerbesteuer-Rückstellungen berechnen
  • Gewerbesteuererklärungen erstellen
  • Messbescheide, Zerlegungsbescheide und Gewerbesteuerbescheide prüfen

Bewertungsgesetz

  • Vermögensaufstellungen
  • Wertfortschreibungen
  • Einheitswerte

Vermögensteuer

  • Vermögensteuererklärungen erstellen
  • Vermögensteuer berechnen

Fazit

Zu erkennen ist, dass selbstverständlich bei Lehr- und Ausbildungsplan für Steuerfachangestellte sehr viele fachliche und begriffliche Überschneidungen vorhanden sind. Und das muss natürlich so sein, da Berufsschule und Ausbildungsbetrieb insgesamt ein gemeinsames Ergebnis verfolgen – den letztendlich erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung zum Steuerfachangestellten.

In der Berufsschule werden in der Tat auch genau die Inhalte und Zeitvorgaben durchgesetzt, um am Ende die schriftliche und mündliche Abschlussprüfung vor der Steuerberaterkammer bestehen zu können.

Ob in jedem Betrieb auch alle genannten Bereiche abgedeckt werden, ist fraglich. Hier kommt es stark auf die Ausrichtung des Ausbildungsbetriebes an. Hat sich eine Kanzlei sehr stark auf ein Beratungsfeld spezialisiert, so wird sich auch die Ausbildung bzw. die Vermittlung der Fähigkeiten darauf konzentrieren.

Wir sind uns bewusst, dass dieser Artikel sehr viel Theorie enthält. So hat aber der Auszubildende vielleicht auch die Möglichkeit, immer mal wieder hineinzulesen und einfach die Kontrollmöglichkeit für sich, ob er auch die wesentlichen Ausbildungsinhalte erfährt.

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Kommen dir die Inhalte bekannt vor? Lass uns von deinen Erfahrungen im Forum teilhaben.

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2 Kommentare
    • Katharina Wefelmeyer
      Sep 20, 2016 16:57 pm Reply

      Hallo Herr Bläse,
      ich habe gelesen, dass Sie ein Steuerazubi-Schulungskonzept anbieten. Wie finde ich das genau ?

      Mit freundlichen Grüßen

      K. Wefelmeyer

      • Melchior Bläse
        Sep 20, 2016 17:46 pm Reply

        Hallo Frau Wefelmeyer,

        Sie haben Recht. Seit diesem Ausbildungsjahr bieten wir ein Schulungskonzept für Steuerazubis an.
        Schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an melchior.blaese@www.steuerazubi.de, dann lasse ich Ihnen alle Informationen zukommen.

        Viele Grüße

        Melchior Bläse

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