Probleme im Ausbildungsbetrieb – Was kann ich tun?

Probleme im Ausbildungsbetrieb
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Was mache ich, wenn ich in meiner Kanzlei nicht zurechtkomme?

Es ist kaum zu glauben, wie viele Auszubildende in Deutschland unzufrieden mit dem Verlauf ihrer Ausbildung sind und gravierende Probleme im Ausbildungsbetrieb haben. Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB hat in einem Ausbildungsreport veröffentlicht, dass sich jeder zweite Auszubildende ungerecht behandelt fühlt.

Was bedeutet es, wenn man so unzufrieden ist, dass einem die Fortsetzung der Ausbildung zunächst einmal unmöglich erscheint? Welche Art von Unzufriedenheit gibt es überhaupt? Das wollen wir uns heute näher anschauen.

Probleme im Ausbildungsbetrieb – Ausbildungsabbruch ist nicht immer der beste Weg

Mittlerweile wird jede vierte Ausbildung in Deutschland vorzeitig aus unterschiedlichen Gründen abgebrochen. Nicht immer ist dies eine wohl durchdachte und zwingend erforderliche Entscheidung, sondern oftmals eine Kurzschlussreaktion, die nicht hätte sein müssen.

Wir alle wissen, dass gerade die Ausbildung zur Steuerfachangestellten kein „Zuckerschlecken“ ist und ein hohes Maß an Disziplin und Einsatz erfordert. Am Ende der Ausbildungszeit wird jedoch jeder frisch gebackene Steuerfachangestellte stolz auf sich sein, diese Zeit durchlaufen zu haben.

Und gibt es doch einmal Probleme mit dem Vorgesetzten oder einem Kollegen, so wäre ein Abbruch der Ausbildung wirklich der absolut letzte Schritt – wenn es gar nicht anders geht.

Was sind eigentlich die Gründe der Unzufriedenheit?

Die am häufigsten genannten Gründe für Unzufriedenheit während der Ausbildung sind:

  • Probleme mit dem Ausbilder
  • Unstimmigkeiten der Mitarbeiter untereinander
  • Schwierigkeiten in der Berufsschule

Oder gar einfach der Arbeitsalltag an sich kann der Grund für Missmut sein. Wichtig ist zunächst, dass man für sich selbst herausfindet, wo der Schuh drückt. Denn nur so gibt es die Möglichkeit, an den Problemen zu arbeiten – diese zu klären und aus der Welt zu schaffen.

Das Mädchen für alles

Eigentlich machst du die Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Eigentlich? Nein, denn du hast dich bewusst dafür entschieden. Und trotzdem verlangt der Chef doch, dass du ständig den Kaffee für die Mandantengespräche kochst. Deine Kollegen lassen es dich immer wieder spüren, dass du der kleine unwissende Azubi bist.

Da kann sich schon mal ordentlich Wut im Bauch breit machen. Sicher hast du den Spruch schon mehrfach gehört:

Lehrjahre sind keine Herrenjahre!!!

Das ist durchaus richtig. Und gerade anfangs wird dir vieles neu sein und du musst dich an den Alltag in der Steuerberatungskanzlei gewöhnen. Lasst dir gesagt sein, dass bereits nach ein paar Wochen einiges schon viel einfacher wird. Mit einem Lächeln wirst du auf die ersten Wochen zurückblicken. So schlimm war es ja doch nicht. Zu schade wäre es, direkt am Anfang aufzugeben.

Leider gibt es immer wieder Betriebe, die ihre Auszubildenden als die billigen Arbeitskräfte sehen und ihnen bewusst die niederen Aufgaben zuweisen. Schließlich können sich die Fachkräfte somit auf die eigentlichen, geldbringenden Arbeiten konzentrieren. Das darf nicht sein und hier muss eine Klärung geschaffen werden.

Je früher du dich bemühst, solche Probleme im Ausbildungsbetrieb zu klären, umso schneller wird die Ausbildung dir auch wieder Spaß bringen.

Wir haben bereits darüber berichtet, was dein Chef von dir erwarten und verlangen darf. Du kennst also deine Rechte (und Pflichten). Und darauf darfst und sollst du dich stets berufen.

 

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Wie lässt sich Ärger und schlechte Stimmung beseitigen?

Im Grunde genommen würde hier schon ein einziger Satz der Erklärung genügen: „Wer redet, dem kann geholfen werden!“

Der erste Schritt könnte sein, dass man Freunden oder der Familie von der Situation erzählt und um deren Meinung bittet. Ein gut gemeinter Rat bringt gegebenenfalls schon die Lösung. Oder sprich direkt mit dem Ausbilder und den Kollegen, wenn etwas nicht stimmt und du dich nicht gut fühlt. Gemeinsam lässt sich das Problem sicher lösen.

Wenn es sich um einen guten Betrieb handelt, dann wird es dir niemand übel nehmen, wenn du die Probleme und Bedenken offen ansprecht. Ganz im Gegenteil: Wahrscheinlich wird man deinen Mut zu schätzen wissen. Du vermittelst das Bild des Auszubildenden, der bereit ist, die Hürden überwinden zu wollen… auch wenn es mal nicht so einfach erscheint!

Hier ein Tipp: Bereite dich auf das Gespräch mit dem Ausbilder oder den Kollegen vor. Nehmt ein Blatt Papier zur Hand und notiert all die Punkte, die unbedingt angesprochen werden sollen.

  • Was stört mich?
  • Woher kommt das meiner Meinung nach?
  • Welchen Teil trage ich eventuell zu dieser Situation bei?
  • Habe ich eine Idee, wie sich das Problem lösen lässt?

Der Vorteil eines solchen „Spickzettels“ ist, dass man nichts vergisst und sich später ärgert, dies oder jenes nicht zur Sprache gebracht zu haben.

Wenn ein Gespräch mit den direkten Beteiligten nicht hilft oder ihr die Konfrontation scheut, dann besteht noch die Möglichkeit, die Lehrer in der Schule mit einzubeziehen oder die zuständige Steuerberaterkammer um Rat zu fragen. Die Industrie- und Handelskammer sowie Agentur für Arbeit z.B. bieten zudem die Einrichtung des Ausbildungsberaters.

Jeder Auszubildende hat das Recht, hier ein Beratungsgespräch in Anspruch zu nehmen – ohne, dass der eigene Vorgesetzte davon erfahren muss. Niemand ist allein oder wird allein gelassen. Die Ausbildungsberater sind geschult und hatten schon mehrfach mit den Schwierigkeiten der Auszubildenden zu tun. Sie haben quasi Erfahrung, aus der sie beratend schöpfen können.

Unabhängig davon, mit wem man sich austauscht – es geht darum, nach den Ursachen und möglichen Lösungswegen zu forschen, bevor der Ärger die eigene Ausbildung in Gefahr bringt.

Und wenn es tatsächlich einmal so sein sollte, dass die Probleme im Ausbildungsbetrieb nach mehreren Lösungsversuchen einfach nicht aus dem Weg zu räumen sind, so heißt dies noch lange nicht, dass man alles hinschmeißen muss.

Solange der Auszubildende nach wie vor davon überzeugt ist, den Beruf des Steuerfachangestellten erlernen und später praktizieren zu wollen, so muss er daran unbedingt festhalten. Hier würde dann die Überlegung ins Spiel kommen, eventuell den Ausbildungsbetrieb zu wechseln.

Der Praktiker, der für die Theorie nicht zu haben ist

Eine völlig andere Seite, die dazu führen kann, dass ein Auszubildender kaum noch Lust hat, sind die schulischen Leistungen. Da kann es in der Kanzlei noch so gut funktionieren, die Noten in der Berufsschule lassen zu wünschen übrig… Es gibt Menschen, die man als absolute Praktiker bezeichnen könnte.

Die tägliche Arbeit in der Steuerberatungskanzlei klappt wunderbar. Chef und Mitarbeiter sind absolut zufrieden mit dem Auszubildenden. Und auch dieser fühlt sich wohl, hat Spaß an seinen Aufgaben und erledigt diese ausgesprochen gut.

Die Theorie, die es in der Berufsschule zu erlernen gilt, bringt hingegen ziemliche Schwierigkeiten mit sich. Umsatzsteuer, verschiedene Buchungssätze und die Abgabenordnung – ein Buch mit sieben Siegeln, das sich dem Auszubildenden nicht erschließen will.

Was empfiehlt man in einem solchen Fall? Ist der Auszubildende gewillt, sich dem Problem zu stellen, so sollte er sich darum kümmern, dass sich in der Kanzlei jemand findet, der mit ihm die Theorie intensiv lernt.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, professionelle Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. Selbst wenn die entstandenen theoretischen Wissenslücken zu groß erscheinen, gibt es vielleicht noch die Möglichkeit mit Fleiß, Bereitschaft und einem guten und geduldigen Nachhilfelehrer bis zur Prüfung alles aufzuholen.

Fazit

An dieser Stelle jedem Auszubildenden den Rat zu geben, die Ausbildung auf Biegen und Brechen durchzuführen, wäre nicht richtig. Denn jede Situation ist individuell und muss auch entsprechend beurteilt werden.

Gerade zum Ende der Ausbildung hin wird es vermutlich sinnvoll sein, die Ausbildung zu Ende zu bringen, selbst wenn Probleme im Ausbildungsbetrieb bestehen, die unlösbar sind.
Kurz vor dem Abschluss die Ausbildung abzubrechen wäre sehr schade, denn immerhin die letzten drei Jahre wären dann in gewisser Hinsicht verloren.

Merkt ein Auszubildender schon zu Beginn der Ausbildung, dass er nahezu jeden Morgen mit schlechter Laune zur Arbeit geht, so wäre es an der Zeit zu überlegen, ob der Beruf des Steuerfachangestellten der richtige ist. Erst, wenn diese Frage nicht eindeutig mit einen „Ja“ zu beantworten wäre, kann man über den Abbruch der Ausbildung nachdenken.

Du hast Probleme im Ausbildungsbetrieb und würdest dich gerne weiter dazu austauschen? Dann schau doch mal im Forum vorbei, um dich mit anderen Steuerfachangestellten auszutauschen.

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3 Kommentare
    • Avatar
      HSharon
      Mrz 10, 2017 12:24 pm Reply

      Ein schöner Artikel, der es im Grunde gut zusammenfasst.
      Denn das Thema bietet so viele Variationen: Von schlechtgelaunten Ausbildern, die scheinbar kein Interesse am Azubi haben und möglichst noch die Azubi-Vergütung kürzen wollen, wo sie können bis hin zum Azubi, der selber erstmal von seinem hohen Ross runterkommen sollte… Ich habe unter Mitschülern schon beides erlebt. Mich erschreckt aber insbesondere, wie viele Auszubildende sich völlig falsche Vorstellungen vom Leben im allgemeinen machen.
      “DAUERND soll ich diese Buchhaltung machen, aber da hab ich echt NULL Bock drauf, mein Chef kann mich mal, und außerdem kriege ich ja NUR 600 Euro im Monat!” – das sind Sprüche, die man gar nicht so selten hört. Als Ausbilder, wäre ich schockiert!
      Glücklicherweise habe ich den besten Ausbildungsbetrieb der Welt zur Verfügung (eigene Einschätzung 🙂 ) und dann fällt es mir umso schwerer, solche niveaulosen Argumentationen nachzuvollziehen.
      Interessant wäre in dem Zusammenhang auch, das Verhältnis Berufsschule – Azubis näher zu betrachten. Betrachtet das als Gedankenanstoß 🙂

    • Avatar
      InesB
      Okt 24, 2017 13:00 pm Reply

      Ich muss sagen ein ganz interessanter Artikel, was aber fehlt bzw. ich scheinbar nicht gefunden habe “Was kann AZUBI tun, wenn er -weil er sich weigert ständig das Klo zu putzen- in der Probezeit gekündigt wird, nachdem er 2 Mal mit dem Chef dazu das Gespräch gesucht hat” ? Die Kammer sagt, wenn er was will soll er klagen aber sonst interessiert sie das NICHT! Wie kann man Firmen beikommen die so etwas nachweislich (andere AZUBIS 2. und 3. Ausbildungsjahr) generell mit den AZUBIS so machen … In meinen Augen müsste man doch eine Möglichkeit haben, solchen Firmen Ausbildung zu verbieten!!!
      Wenn Sie sich keine Putzfirma leisten können, verstehen Sie scheinbar ihr Fach nicht.
      Ich finde es heutzutage schon schwer für Jugendliche den tatsächlich richtigen Ausbildungsberuf zu finden, denn tatsächlich (bin selber Ausbilder aber in einem anderen Bereich) wissen viele junge Menschen nicht so richtig wo es einmal hin gehen soll. Auf Ausbildungsmessen und Informationstagen, aber auch während der Ausbildung muss ich immer wieder feststellen, dass es AZUBIS gibt denen gar nicht richtig klar ist was sie wollen, was ihnen liegt oder wo sie einmal hin wollen. Naja aber das ist ein anderes Thema 🙂

      Hauptfrage bleibt hier: ” Wo kann man Beschwerde über Ausbildungsmethoden und Vorfälle einreichen, damit nicht noch weitere AZUBIS dort den selben Weg gehen müssen oder aber ihre Kündigung bekommen sofern sie nicht dazu bereit sind” !!!

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      Dirk
      Dez 19, 2017 22:08 pm Reply

      Das ist alles totale Augenwischerei: Wenn ein Betrieb nicht ausbilden möchte, zwecks Gewinnoptimierung, dann muss er das auch nicht. Insbesondere, wenn es sich um einen kleinen Betrieb handelt. Als Azubi hat man aktuell keine Handhabe sein Recht durchzusetzen.
      Die IHK drängt auch nur von einem Betrieb, der 0% ausbildet zu einem der 40% ausbildet, ist ja schließlich eine Verbesserung.
      Der Azubi hat keine Möglichkeit sein Recht durchzusetzen. Auch wenn man Verlängerung wegen massiver und offensichtlicher Mängel beantragt, wird dieser nicht bearbeitet. So geschehen bei mir aktuell. Mein Betrieb bildet nichts aus und seit einem Jahr versuche ich mit der IHK mein Recht auf Ausbildung durchzusetzen. Es tut sich nichts.

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