Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter

Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter
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Die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten sind ein großer Vorteil bei der Ausbildung zur Steuerfachangestellten.

In diesem Artikel stellen wir die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter vor. Was sind die Voraussetzungen, wie läuft die Ausbildung ab, wie lange braucht es bis zur Prüfung? Alles Fragen, die nun geklärt werden.

Der Unterschied vom Buchhalter zum geprüften Bilanzbuchhalter

In Deutschland handelt es sich bei dem Begriff „Buchhalter“ um eine nicht geschützte Berufsbezeichnung. Das heißt, dass sich im Grunde genommen nahezu jeder als Buchhalter bezeichnen darf und hier seine Dienstleistung anbieten oder sich auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben könnte.

Möglicherweise würde der potenzielle Arbeitgeber eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung verlangen. Dies muss dann nicht zwingend die Steuerfachangestellte sein, sondern könnte z.B. auch der Abschluss als Bürokauffrau sein. Nicht jeder, der sich Buchhalter nennt, bringt zwangsläufig entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen mit.

Wer hingegen professionell auftreten und erfolgreich arbeiten möchte, der kann die Fortbildung zum „geprüften Bilanzbuchhalter“ anstreben. Hierbei handelt es sich um einen öffentlich-rechtlichen Abschluss, der erst mit erfolgreich absolvierter Prüfung erlangt wird. Abgenommen wird diese Abschlussprüfung durch die Industrie- und Handelskammer.

Von wegen eingestaubter Beruf

Wer kennt dieses Bild nicht: Der langweilige Buchhalter mit Brille und Ärmelhaltern … und möglichst noch mit dem braunen Pullunder. Lang, lang ist es her!

Einst hatte man die Vorstellung des unscheinbaren Sachbearbeiters. Doch dieses Klischee ist glücklicherweise überholt. Wer in der steuerberatenden Branche arbeitet, weiß, dass es sich beim Bilanzbuchhalter um eine interessante und durchaus abwechslungsreiche Tätigkeit handelt. Die Erscheinung und Aufgaben eines Bilanzbuchhalters haben sich in den letzten Jahren gewandelt.

Allein die Tatsache, dass laut Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. in Deutschland mehr als 100.000 Bilanzbuchhalter tätig sind, spricht doch für sich. Man hat zudem festgestellt, dass die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter in Deutschland mit zu den begehrtesten Fortbildungen im Bereich der kaufmännischen Qualifikationen zählt, um später Stellen in führenden Positionen bekleiden zu können.


Nach bestandener Prüfung bei der IHK kann man von sich mit Stolz behaupten, eine der erfolgreichsten IHK-Fortbildungs-Prüfungen mit höchstem Anforderungsprofil abgelegt zu haben. Dies ist keine Wertung unsererseits, vielmehr eine Aussage der IHK selbst.

Aufgaben eines Bilanzbuchhalters

Kurz zusammengefasst übernimmt der Bilanzbuchhalter die organisatorische Verantwortung für die Buchhaltung und Bilanzierung eines Unternehmens. Dabei legt er das System sowie den Aufbau der Buchhaltung fest.

Der Bilanzbuchhalter kann die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ermitteln und wird damit bei betriebswirtschaftlichen Fragestellungen der Unternehmensleitung beratend zur Seite stehen. Natürlich übernehmen sie auch die Aufgaben, wie es ein Steuerfachangestellter bei seiner täglichen Arbeit tut, können sich aber zusätzlich in schwierigere Sachverhalte einarbeiten.

Über die Aufgaben des Steuerfachangestellten hinaus dürfen Bilanzbuchhalter auch Monats-, Quartals-, Halbjahres- und Jahresabschlüsse für die jeweiligen Rechnungsperioden erstellen.

Die Aufgaben der Bilanzbuchhalter werden auf der Seite der Arbeitsagentur sehr umfassend dargestellt. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Bereiche:

  • Organisation der Buchhaltung
  • Buchführungssystem, Aufbau der Buchführung und Kontenplan erarbeiten
  • schwierige Kontierungsfälle im Sachkontenbereich bearbeiten
  • Erstellen von Zwischen- und Jahresabschlüssen nebst Lagebericht nach nationalem Recht sowie internationalen Standards
  • Behandlung steuerlicher Fragen, Erstellung von Steuererklärungen
  • Betriebsabrechnung und betriebliche Erfolgsrechnung durchführen
  • Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) mit darauf aufbauender zielorientierter Anwendung
  • Finanzwirtschaftliches Management
  • Berichterstattung; Auswerten und Interpretieren vom Zahlenwerk für Entscheidungen im Management

Die verschiedenen Tätigkeiten werden je nach Unternehmen mehr oder weniger stark ausgeprägt und gefragt sein. Deutlich zu erkennen ist, dass die Aufgaben und Verantwortung doch um einiges über denen des Steuerfachangestellten liegen.

Es sei darauf hingewiesen, dass Bilanzbuchhalter, wenn sie denn selbstständig tätig sind, gewisse Einschränkungen in ihrer Berufsausübung zu beachten haben. Im Gegensatz zum Steuerberater dürfen selbständige Bilanzbuchhalter keine Buchführung einrichten und keinen Jahresabschluss aufstellen.

Die Bundesregierung hatte sich hierzu bereits vor einiger Zeit erneut beraten. Einer geplanten Erweiterung der Befugnisse für geprüfte Bilanzbuchhalter wurde nach Einwänden der Steuerberaterverbände nicht zugestimmt.

 

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Die Voraussetzungen

Die Ausbildung zum Bilanzbuchhalter können all diejenigen anstreben, die gute kaufmännische Grundkenntnisse in den Bereichen der Buchhaltung und Bilanzierung, Finanzwirtschaft, Kosten- und Leistungsrechnung, aber auch der BWL, VWL und nicht zuletzt allgemein zum Thema Steuern vorweisen können.

Zur Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer werden dann die Bewerber zugelassen, die bis dahin erfolgreich eine kaufmännische Ausbildung in einem anerkannten Beruf mit einer vorgeschriebenen Ausbildungszeit von mindestens drei Jahren abgelegt haben und im Anschluss daran drei Jahre Berufserfahrung sammeln konnten.

Alternativ zur Ausbildung kann der Prüfling zum Bilanzbuchhalter auch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften oder ein betriebswirtschaftliches Diplom als erfüllte Zulassungsvoraussetzung angeben.

Sollte jemand weder Ausbildung noch Studium durchlaufen haben, so gibt es noch eine dritte Möglichkeit. Hier wäre es erforderlich, dass mindestens sechs Jahre Berufserfahrung in einem kaufmännischen, der Fortbildung zum Bilanzbuchhalter dienlichen Beruf nachgewiesen werden können. Dies erfolgt in der Regel durch entsprechende qualifizierte Arbeitszeugnisse.

Der Ausbildungsinhalt

Was wird im Rahmen der Fortbildung zum Bilanzbuchhalter vermittelt? Welche Schwerpunkte werden gesetzt?

In Anlehnung an die vorhergehend beschriebenen Aufgabenbereiche eines Bilanzbuchhalters stellen sich nun – wesentlich detaillierter – die Ausbildungsinhalte dar.

Hier empfiehlt sich wieder eine stichpunktartige Aufzählung, um die Kerninhalte abzubilden. Die Rechtsgrundlage bildet die „Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Bilanzbuchhalter“.

Kosten- und Leistungsrechnung und zielorientierte Anwendung

  • Erfassung von Kosten- und Leistungen
  • Kalkulationsmethoden
  • Methoden der kurzfristigen betrieblichen Erfolgsrechnung , der Entscheidungsfindung und Kostenkontrolle
  • Grundzüge des Kostencontrollings und Kostenmanagements

Finanzwirtschaftliches Management

  • In- und ausländischer Zahlungsverkehr
  • Investitionsrechnung
  • Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungsarten
  • Finanz- und Liquiditätsplanung nebst  Finanzkontrolle
  • Kredit- und Kreditsicherungsmöglichkeiten
  • Ziele und Instrumente des Finanzmanagements

Erstellen von Zwischen- und Jahresabschlüssen und des Lageberichts nach nationalem Recht

  • Grundzüge der Buchführung, Bilanzierung und Bewertung
  • Organisation der Buchführung
  • Aufbau, Einrichtung und Pflege von Konten
  • Bestandteile des Jahresabschlusses, Inhalte und Aussagen von Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) und Anhang
  • Lagebericht
  • Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, Wahlrechte, Ergebnisauswirkungen
  • Bilanzierung und Jahresabschluss – steuerliche Erfordernisse
  • Grundzüge des bürgerlichen Rechts und des Handels- und Gesellschaftsrechts

Erstellen von Abschlüssen nach internationalen Standards

  • Ziele und Funktionen der internationalen Rechnungslegung
  • Beurteilung von Abschlüssen nach internationalen Standards
  • Unterschiede zu Jahresabschlüssen nach deutschem Handelsrecht
  • Bestandteile eines internationalen Abschlusses, Gliederung der Bilanz nach IFRS
  • Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden und Auswirkungen auf Aktiv- und Passivposten nach IFRS
  • Aufbau und Inhalt Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren, Anhang
  • Eigenkapitalveränderungsrechnung
  • Kapitalflussrechnung, Segmentberichterstattung
  • Konzernrechnungslegung, Konsolidierungsarten

Steuerrecht und betriebliche Steuerlehre

  • Umsatzsteuerliche Vorschriften
  • Steuerbarkeit, Steuerbefreiungen, Steuerpflicht, Umsatzsteuervoranmeldungen
  • Körperschaftsteuerrecht und Einkommensteuerrecht
  • Steuerverfahrensrecht
  • Gewerbesteuer
  • Vermeidung von Doppelbesteuerung
  • Außensteuergesetz
  • Verhinderung der Steuerflucht
  • Überblick über andere Unternehmenssteuern

Berichterstattung sowie Auswertung und Interpretation des Zahlenwerks für Managemententscheidungen

  • Jahresabschlussanalyse mit Kennzahlen
  • Vergleichende Jahresabschlüsse
  • Eigenkapitalrichtlinien der Banken
  • Unternehmensrating
  • Betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Zusammenhänge

Der Ausbildungsablauf

Eine gesetzliche Vorschrift über den genauen Ablauf der Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter gibt es nicht.

Die deutsche Industrie- und Handelskammer DIHK empfiehlt allerdings einen Unterrichtsumfang von 780 Unterrichtsstunden. Dabei ist es frei wählbar, in welcher Form etwaige Prüfungsvorbereitungskurse in Anspruch genommen werden. Diese können in Vollzeit, berufsbegleitend oder auch als Fernlehrgang belegt werden. Abendschule, Wochenendkurse – es gibt eine Reihe von Angeboten, die auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten sind.

Somit ist die Dauer der Ausbildung bzw. Prüfungsvorbereitung absolut abhängig von der Art des gewählten Kurses.

Die Teilnahme an einem Prüfungsvorbereitungskurs ist für die Zulassung zur Prüfung übrigens nicht zwingend vorgeschrieben, wird aber natürlich bei der fachgerechten Vorbereitung hilfreich sein.

Fazit

Bilanzbuchhalter sind wirklich hoch angesehene und viel gesuchte Spezialisten! Im Rahmen der Buchhaltung, im Rechnungswesen und Controlling verschaffen sie sich den Überblick über das gesamte Unternehmen.

Bilanzanalyse und -kritik führen zu Ergebnissen, welches den Vorgesetzten präsentiert wird. Das Urteil des Bilanzbuchhalters und seine Empfehlungen an die Geschäftsführung sind sehr wichtige Grundlagen für künftige Entscheidungen innerhalb des Unternehmens.

Falls du noch weitere Informationen zur Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter benötigst kannst du bei den folgenden Artikeln mal vorbei schauen. Hier vergleichen wir den Bilanzbuchhalter mit dem Finanzbuchhalter und dem Steuerfachwirt.

Und wir freuen uns natürlich, wenn du uns von deinen Plänen und Erfahrungen im Forum berichtest.

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9 Kommentare
    • Avatar
      Pinar
      Feb 17, 2015 13:53 pm Reply

      ich habe eine abegeschlossene Ausbildung als Zahnmedizinische Verwaltungsassistenz kann ich trotzdem Bilanz buchhalterin studieren oder bzw mich weiterbilden

      • Avatar
        Simon
        Feb 22, 2015 18:31 pm Reply

        Hallo Pinar,

        eine Weiterbildung zur Bilanzbuchhalterin ist auf jeden Fall möglich. Auf dieser Seite kannst du dich über den Beruf informieren und findest geeignete Fernkurse: Bilanzbuchhalter-Weiterbildung Wenn du auf die Links bei Punkt 4 klickst, kannst du dir kostenlos Informationen der einzelnen Fernkursanbieter zukommen lassen.

        Mit freundlichen Grüßen

        Simon

    • Avatar
      Jennifer
      Jan 21, 2016 00:58 am Reply

      Hi, also ich darf als BBH Jahresabschlüsse und Steuererklärung en erstellen. Ich darf aber keine Voranmeldung o. ä Steuern anmelden?!
      Richtig?

      LG

      • Avatar
        Daniel
        Jan 28, 2016 19:29 pm Reply

        Ja da hast du recht.

        Soweit ich weiß, keine Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen. Bei den anderen Steuerarten weiß ich es nicht.

        Die o. g. Sachen darf nur ein Steuerberater machen. Geht bestimmt um den Schutz des Berufsstandes 🙂

    • Avatar
      christianeschm@yahoo.de
      Apr 24, 2016 22:05 pm Reply

      Hallo. Ich möchte gerne den Kurs zum bbh machen. Habe aber keine Ahnung wie zeitintensiv das ganze ist. Ist es denn überhaupt nebenberuflich zu schaffen? Hat denn jemand einen Tipp. Gibt es ein Forum wo ich mir mal einen Überblick verschaffen kann. Mit den erlernten Unterlagen? Lg Chistiane

      • Avatar
        Johanna
        Mai 15, 2017 09:33 am Reply

        Deine Frage ist zwar schon älter aber vielleicht ist es ja noch interessant. Ich mache gerade die Weiterbildung zum BiBu, und zwar als Fernstudium neben meinem Vollzeitjob in der Steuerkanzlei. Es ist sehr zeitintensiv und nicht zu unterschätzen, aber zu schaffen! Ich mache den Kurs über die Steuerfachschule Dr. Endriss, du kannst dir darüber kostenlos Infomaterial zuschicken lassen. Ich finde den Kurs gut wenn man selbstständig lernen kann! Wenn du dich bei Endriss anmeldest hast du auch ein Forum dabei, wo man sich austauschen kann.

    • Avatar
      Lisbeth2010
      Jul 10, 2017 08:33 am Reply

      Guten Morgen,
      mir wurde letztens erzählt, dass Steuerfachangestellte dierekt nach der Ausbildung loslegen können. Bei uns im Betrieb hat damit nämlich eine begonnen.
      Was ich auch gehört habe: NIE über die IHK machen!!!

      • Avatar
        Moni
        Jul 10, 2017 08:44 am Reply

        Ja, den Kurs kann man prinzipiell machen wann man will (man kann ja auch keinen Kurs machen und einfach direkt in die Prüfung). Wichtig ist nur, dass man bis zur eigentlichen Prüfung bzw. den Prüfungsteilen die dafür erforderliche Berufserfahrung gesammelt hat. Somit kann man sofort mit dem Kurs anfangen und am genauen Tag des 3. Berufsjahres die Prüfung ablegen, dann hätte man die Zeit perfekt genutzt.
        Es gibt aber auch Kurse die sind kürzer angelegt, dann macht es natürlich eher Sinn, sie nach hinten zu schieben, damit man bei der Prüfung noch im Stoff drin ist und der Kurs nicht schon wieder ein halbes Jahr zurück liegt. Da gibt es eben verschiedene Angebote.

    • Avatar
      Johanna
      Feb 01, 2018 10:10 am Reply

      Hallo,
      bald startet der nächste Kurs zum BBH – nebenberuflich. Bevor ich mich dort direkt anmelde würde ich mir gern mal einen Eindruck vom Lernstoff machen. Gibt es Lektüre-Tipps für einen “Überblick”? Hat jemand Erfahrung mit den Lernkarten von NWB-Verlag oder von lernstarter.de?

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