Praktikum als Umschüler – Was du beachten musst

Praktikum
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Praktikum & Theorie – Zwei Dinge, die man, metaphorisch gesehen, als Paralleluniversen bezeichnen könnte. Denn das eine hat mit dem anderen so viel zu tun wie der Vatikan mit Bescheidenheit/ Minimalismus – so gut wie nichts.

Und wie die meisten von euch bereits in Erfahrung bringen konnten, ist die Diskrepanz zwischen praktischem und theoretischem Wissen im Bereich Steuern besonders ausgeprägt.

Bei mir war das Erleben zumindest so, als ich – nach einem dreiviertel Jahr Theorie – im Praktikumsbetrieb gefühlt bei Null anfing.

Denn wenn man zum ersten Mal echte Mandanten zu bearbeiten hat, echte Rechnungen vor sich liegen und echte Elster-Einträge vornehmen muss, ist das ein spannendes Gefühl. Es kann jedoch auch verunsichern.

Unterschied von “normaler“ Ausbildung & Umschulung

Während einer Umschulung läuft es organisatorisch nämlich anders, als in einer „normalen“ Ausbildung. Erstens hat man zwei statt drei Jahre, in denen man den gesamten Stoff in sich „hineinprügeln“ muss.

Der Vorteil ist, dass die Zwischenprüfung theoretisch gesehen nicht einmal mitgeschrieben werden müsste.

Denn das dortige Ergebnis zählt rein gar nicht. Weder die erreichte Punktzahl, noch das Bestehen spielen eine Rolle.
Das macht das Ganze trotzdem nicht besser, meiner Meinung nach.

Denn Mitschreiben der Zwischenprüfung ist ein unausgesprochenes Gesetz. Der Träger hat dafür, dass der Schüler überhaupt teilnehmen darf, auch gelöhnt. Das können wir auf den uns zugesandten Prüfungsanmeldungen sehen und im Falle des Nichtbestehens kämpft man trotz des „Freiwurfs“, den man als Umschüler diesbezüglich hat, mit Versagensängsten und Zweifeln.

Soviel zum Theoretischen. Der Aufbau der gesamten Umschulung zur Steuerfachangestellten variiert je nach Weiterbildungsträger.

Es gibt Träger, die die Theorie gestaffelt auf die gesamte Zeit der Ausbildung verteilen.
Und andere, wie es bei mir der Fall war, lassen die Umschüler erst die komplette Theorie lernen. Anschließend geht es ins Praktikum.

Und jetzt wird´s ernst: das Praktikum naht…

Dieses bzw. die Kanzlei, in der es stattfinden wird, sollten bestenfalls bereits ein paar Monate vor Beginn der Praktikumszeit feststehen.

Gelingt es einem Umschüler nicht, einen Praktikumsplatz zu finden, wird dafür gesorgt, dass ein solcher spätestens zur Praktikumsphase zur Verfügung steht. Die Weiterbildungsträger haben dafür ein Kontingent an Kanzleien, die genau dafür Kapazitäten haben.

Sprich: Keiner muss Angst haben, nach der „Schulzeit“ wie bestellt und nicht abgeholt dazustehen, also dass man keinen Praktikumsplatz bekommt.

Besser ist es natürlich in jedem Falle, selbst erfolgreich bei der Suche nach einer Kanzlei zu sein.
Zum einen einfach für ein besseres Selbstvertrauen. Denn wenn man es – aus welchen Gründen auch immer- nicht geschafft hat, aus eigener Kraft fündig zu werden, verunsichert das.

Zum anderen stehen die Chancen im Falle einer Initiativbewerbung einfach besser, anschließend von der Kanzlei übernommen zu werden. Denn die Kanzleien, die der Weiterbildungsträger in petto hat, werden in sehr wenigen Fällen aller halben Jahre einen Umschüler einstellen können.

Zudem hast du, wenn du auf eigene Faust die Unternehmung machst, eine Stelle zu suchen, mehr Einfluss auf die Nähe zu deinem Wohnort und auf andere sehr entscheidenden Kriterien.

Kriterien, die bei der Suche mitwirken sollten /können, sind:

  • Die bereits eben erwähnte Nähe zum eigenen Zuhause (je nach eigener Mobilität ist dies für den einen wichtiger als für den anderen)
  • Die Größe und Aufmachung der Kanzlei: es gibt Kanzleien (meist in direkter Innenstadtlage oder den „teureren Stadtvierteln“), in denen beispielsweise der Dresscode eine wichtigere Rolle spielt, als beispielsweise in der “schnuckeligen“ Kanzlei im Hinterhaus. Dementsprechend ist das Miteinander, die Mandanten und auch tägliche Gepflogenheiten formeller und z.T. weniger entspannt
  • Art der Kanzlei: Steuer- oder Anwaltskanzlei.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: im Falle einer Anwaltskanzlei prüft die jeweilige Steuerkammer im Voraus, ob die Gegebenheiten ihren Ansprüchen genügen – sprich: Kann gewährleistet werden, dass dem Umschüler dort ausreichend steuerliches Fachwissen vermittelt werden kann?

Logischerweise ist dies nur der Fall, wenn in der Kanzlei auch Steuerrecht behandelt wird und zudem gelernte Steuerfachangestellte, Bilanzbuchhalter o.ä. beschäftigt sind.

Es läuft dann so ab, dass ein Beauftragter der Steuerkammer zu einem vereinbarten Termin der Kanzlei einen Besuch abstattet und sich die Räumlichkeiten anschaut.

Nach einem kurzen Gespräch mit dem Anwalt und/oder anderen Mitarbeitern, wird innerhalb von ein paar Tagen das Go gegeben – und in wenigen Fällen nicht.

 

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Das Bauchgefühl trügt nie…

Immer von Bedeutung ist natürlich das Bauchgefühl und die viel umschriebene „Chemie“, die bereits beim Vorstellungsgespräch möglichst zwischen deinem Chef in spe und dir passen sollte.

Meist sagt einem die innere Stimme, ob das mit den zukünftigen Kollegen was werden kann oder nicht.

Der Weg zum Vorstellungsgespräch…

Doch vorher musst du natürlich erst einmal in den Genuss eines Vorstellungsgesprächs kommen.

Und das schaffst du höchst wahrscheinlich auf dem gleichen Wege, wie du vielleicht bereits in der Vergangenheit an Nebenjobs oder dein Schülerpraktikum in der Sekundarstufe l gekommen bist: Erkundige dich zunächst in deinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, ob diese in einer Steuerkanzlei selbst Mandanten sind.

Weitere Tipps zur Jobsuche als Steuerfachangestellte findest du hier.

Falls ja, hast du zwar noch keinen Praktikumsplatz, aber zumindest eine ehrliche Meinung über das Klima in dieser Kanzlei, freundliche bzw. offene Atmosphäre etc.

Deine Liebsten kennen dich und das, was bzw. wer zu dir passen könnte, meistens sehr genau.

Im Anschluss könntest du dich dort, telefonisch oder persönlich, nach einem Platz für dein Praktikum erkundigen und dich dabei auf deine Familie/ Bekannten berufen, die die Kanzlei empfohlen haben.

Oder – so verlief es in meinem Fall – fragt der Betreffende aus deinem Umkreis selbst einmal beiläufig, ob denn eine solche Sache in Frage käme für die Kanzlei.

Natürlich könntest du dich auch ganz klassisch per Post mit Lebenslauf und Anschreiben für eine Stelle bewerben.

Im Internet über die Suchmaschinen finden sich schnell die in deiner Stadt ansässigen Anwaltskanzleien für Steuerrecht bzw. Steuerkanzleien.

In Lohnhilfevereinen darfst du dein Praktikum übrigens nicht absolvieren.

Nicht vergessen, für was du das alles tust…

Bei all den Hürden, die es bezüglich Pflichtpraktika während Umschulung und Ausbildung zu überwinden gilt, sollten wir uns bewusstmachen, dass jeder Tag mehr im Praktikum uns einen Schritt näher in Richtung unseres Ziels bringt: eine qualifizierte Steuerfachangestellte mit viel Praxiserfahrung zu werden. Amen.

Bist du noch auf der Suche nach einem Praktikumsplatz? Frag doch mal in unserem Forum nach, ob dir jemand eine gute Kanzlei empfehlen kann.

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